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Mit Joslyn Rechter in der Maske

Mit Joslyn Rechter in der Maske

Die WZ hat der Solistin bei ihren Vorbereitungen für den Auftritt in der „Fledermaus“ über die Schulter geschaut.

Wuppertal. Perücken sind Joslyn Rechter lieber als eine schicke Frisur aus den eigenen Haaren: „Es dauert, eine komplizierte Frisur zu machen — und es tut weh“, erklärt die Solistin der Wuppertaler Bühnen. Die Haare ziepen, wenn die Maskenbildnerin Zöpfe hochsteckt. Eine Dreiviertelstunde vor Vorstellungsbeginn zur Fledermaus hat Joslyn Rechter ihren Termin in der Maske. Damit ist sie heute im Vorteil gegenüber ihrem Kollege Olaf Haye - er sitzt schon länger vor dem großen Spiegel, um sich eine Halbglatze aufsetzen zu lassen.

Mit Joslyn Rechter in der Maske
Foto: Uwe Stratmann

Mit schnellen, geschickten Bewegungen dreht Maskenbildnerin Melanie Wielpütz die langen Haare der Sängerin zu kleinen Schnecken und steckt sie hoch. Die beiden sind ein eingespieltes Team: Genau weiß Joslyn Rechter, wann sie zugreifen muss, um den Nylonstrumpf gleichmäßig über den Kopf zu ziehen oder die Perücke am vorderen Ende festzuhalten, während Melanie Wielpütz sie hinten feststeckt.

Gemütlich plaudert die Mezzosopranistin derweil mit ihren Kollegen, die immer wieder vorbeikommen. Während Joslyn Rechter Perücken mag, kann sie künstliche Bärte weniger leiden. „Man bekommt schnell rote Stellen von dem Kleber.“ Doch der Prinz Orlofsky soll zu seinen glatten, blonden Haaren auch einen Schnurrbart tragen. Also wird dieser mit speziellem Klebstoff über den Lippen befestigt. Vorher jedoch schminkt sich die Sängerin selbst — und ist damit eine Ausnahme. „Es gibt wenige Sänger, die einen so guten Blick für ihr Gesicht haben wie Joslyn“, lobt Melanie Wielpütz.

Für Männerrollen brauche es mehr dunkle Farbtöne, die Schatten erzeugen, für Damen Rosé-Töne. Der dicke Orlofsky hingegen erhält eine einheitliche Farbe mit wenig Konturen. Rasch pinselt Rechter über alle Farben auf einmal hinweg und dann ins Gesicht. Kurz vor ihrem Auftritt schlüpft die Sängerin mit Hilfe der Garderobiere in ihr Kostüm — die letzte in einer langen Reihe von Vorbereitungen.

„Vor einer Vorstellung achte ich darauf, genug zu schlafen, nicht so viele Milchprodukte zu mir zu nehmen, weil sie verschleimen, und nicht zu spät zu essen“, erklärt sie. Der dicke Bauch des Prinzen entsteht durch ein umgenähtes Daunen-Oberbett. Damit es Joslyn Rechter darunter nicht zu heiß wird, steckt ihr die Garderobiere noch vier Kühlpakete an den Rücken und die Handgelenke.

Dann kommt ein dunkles Lätzchen mit Kragen darüber („ein ganzes Hemd wäre viel zu warm“) und die schwere, goldverzierte Uniformjacke. Als Requisit hält der Prinz während der Vorstellung dauernd Süßigkeiten in der Hand. „Im Pralinenpapier stecken Weintrauben - die sind schön saftig und befeuchten die Kehle“, verrät die Sängerin.

Ein weiterer Trick: Die Schuhe sind etwas zu groß und recht schwer, damit der Gang männlicher wird. Die Fledermaus ist Rechters erste Operette überhaupt. Ein wenig Bammel hat die Australierin vor den Dialogen. Diese übt sie jedes Mal vor der Vorstellung noch einmal. Und schon ertönt aus dem Lautsprecher die Ansage: „Erstes Zeichen für die zehnte Vorstellung der Fledermaus“.