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Mit den Bürgerbussen kehrt ein Stück Alltag in Wuppertal zurück

Ehrenamt : Ein Stück Alltag kehrt zurück

Seit rund zwei Wochen sind die Fahrzeuge wieder unterwegs. Sie wurden schmerzlich vermisst.

Einstieg in den Cronenberger Bürgerbus, mitten im Dorf. Wenn die Tür sich öffnet, fällt eines am schnellsten auf: Eine Plexiglasscheibe trennt den Fahrer vom Innenraum. Sie gehört zur Bus-Umrüstung, die an den Cronenberger und Ronsdorfer Fahrzeugen jüngst vorgenommen wurde, um auch während der Zeit des Infektionsrisikos die Bürgerbus-Routen bedienen zu können. Es wird passend bezahlt, Rückgeld gibt es aus gegebenem Anlass nicht. Dann kann es losgehen, durch enge Seitensträßchen auf Kuchhausen, an grasenden Pferden am Hintersudberg vorbei oder entlang denkmalgeschützter Herichhauser Schieferfassaden. Wo kein Linienbus fährt, ist der lange Weg an den Cronenberger Hängen für viele Menschen beschwerlich. Besonders während der Zeit des Lockdowns, in der der Dörper Bus rund fünf Monate lang mangels Hygienekonzept ausfiel, fehlte einigen sein entlastender Dienst. Auch in Ronsdorf hatte Günther Andereya, Vorsitzender des dortigen Bürgerbus-Vereins, bereits Ende August zu berichten gewusst: „Es scheint vermisst zu werden.“

Seit rund zwei Wochen sind die Fahrzeuge nun wieder im Einsatz. In enger Abstimmung mit den WSW war ein Konzept ausgearbeitet worden, das es den Vereinen erlaubt, den Betrieb übereinstimmend mit der Schutzverordnung aufzunehmen. Dazu gehört neben der Trennwand und dem Rückgeld-Verbot auch das Tragen einer Maske und tägliches Desinfizieren. Darüber hinaus wurde die Zahl der Sitzplätze leicht verringert.

Klaus Jacobs steuert den Bus regelmäßig durch Cronenberg. „Ich bin ein Fahrer der ersten Stunde“, erzählt er; seit dem Gründungsjahr 2009 sitzt er bereits am Lenkrad. Er selbst musste sich, genau wie die Kundschaft, mit dem Ausfall arrangieren. „Ich fahre fast jede Woche, da gab es also schon eine Zeit, in der ich mich anders beschäftigen musste“, gibt er zu. Nun kann er sich über den Wiederbeginn freuen, ohne zu große Sorge zu hegen: „Für mich war klar, dass ich wieder fahre. Man kann sich überall anstecken, und dadurch, dass wir abgeschirmt sind, sehe ich da keine große Gefahr.“

Der Bürgerbus hat
den Bewohnern gefehlt

Allerdings glaubt er, dass nicht alle Fahrgäste diese Meinung teilen. „Vielleicht hat der eine oder andere auch ein bisschen Angst“, mutmaßt Jacobs. Zwar könne es auch Gewöhnungssache nach der langen Pause sein, Fakt ist aber, dass weniger Menschen einsteigen als vor dem Lockdown üblich. Der Ehrenamtler geht davon aus, das teilweise nur die Hälfte des gewohnten Betriebs herrscht.

Einer, der dank des Hygienekonzeptes den Bürgerbus gerne wieder nutzt, ist Heinz Grosser. „Ich fahre fast jeden Tag“, sagt der Rentner; eine Linienbus-Haltestelle ist für ihn nur schwer erreichbar. Auf die Frage, ob er den Dörper Bus während der langen Pause vermisst hat, antwortet er klar heraus: „Das können Sie aber laut sagen!“ Die Fahrgäste gehören überwiegend zur älteren Generation, fehlende Mobilität kann nun auch trotz der Pandemie wieder ausgeglichen werden. Oft hat der Bürgerbus einen entscheidenden Anteil am alltäglichen Leben. Wenn Heinz Grosser nach der Bedeutung dieses Angebots für ihn gefragt wird, antwortet er deshalb lachend: „Wir brauchen ja etwas zu essen.“

Ob zum Einkaufen oder zum Arzt, wenn Klaus Jacobs seine Fahrgäste ins Dorf bringt, bleibt dabei auch immer Zeit für den Austausch. Einige „Vertällscher“ werden auch mit Maske gewechselt, man kennt sich eben. Die soziale Bedeutung und der Gemeinschaftssinn im Bürgerbus werden von beiden Vereinen auf den Südhöhen gern betont. Zwar beginnt deren ehrenamtlicher Dienst an der Gesellschaft zahlenmäßig schleppend, doch er beginnt erleichtert. Das ist bei einer Fahrt durch Cronenberg spürbar.