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Begrabt mein Herz in Wuppertal: Mit bunten Masken und Tagträumen gegen Corona

Begrabt mein Herz in Wuppertal : Mit bunten Masken und Tagträumen gegen Corona

Unser Kolumnist Uwe Becker berichtet von Momenten der Furcht.

Obwohl der Frühling uns wärmt, sind die Zeiten doch kalt und hart, wie die bunten Hühnereier in unseren Osternestern. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass wir schon bald wieder ein normales Leben führen werden. Die Anzahl der Decken, die einigen Leuten zu Hause auf den Kopf fallen, ist wahrscheinlich ziemlich hoch. Da kann man sich schon glücklich schätzen, wenn man einen kleinen Garten, eine Terrasse oder einen Balkon hat.

Mir fiel über die Feiertage auf, und das freut mich sehr, erstaunlich viele Menschen halten sich an die Abstandsregel. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, da geht’s dann auch nicht anders, wie kürzlich, als mich eine Spaziergängerin leicht streifte, als wir auf einem engen Feldweg aneinander vorbei gingen. Da wir aber beide eine Maske trugen, die fremde Frau eine eher medizinische Profi-Schutzmaske, ich eine bunte, selbstgenähte Behelfsmaske, waren wir jetzt nicht direkt in höchster Ansteckungsgefahr.

Ich habe zwei dieser Masken, damit eine immer in die Wäsche kann. Ich finde meine recht hübsch, und wenn wir sie irgendwann immer tragen müssen, fände ich das nicht so schlimm. Masken stehen ja eigentlich jedem. Manche Bürgerinnen und Bürger sind vielleicht sogar froh, wenn sie nur noch mit Maske aus dem Haus dürfen. Ich kenn einige, deren Selbstwertgefühl nicht sehr ausgeprägt ist. Sie fühlen sich immer hässlich und unattraktiv. Bei einem Maskenzwang würden sie sich eventuell sicherer in der Öffentlichkeit bewegen. Wenn man allerdings in naher Zukunft womöglich selbst mit Schutzmaske nicht mehr vor die Tür darf, dann werden auch die, die sich für attraktiv und schön halten, bald nervöser agieren.

Pessimisten befürchten sogar, langfristig würde das Grundgesetz wegen der Corona-Krise abgeschafft. Bei einer dauerhaften Ausgangssperre nützt uns das Grundgesetz eh nix mehr. Wichtig wäre dann nur, ob wir weiterhin Hausrecht haben. Wenn keiner raus darf, darf keiner rein - meine Meinung. Natürlich sind jetzt auch wieder Denunzianten mit oder ohne Behelfsmaske unterwegs, um Menschen anzuschwärzen, die sich nicht an die neuen Regeln halten. Ich hasse diese selbsternannten Hilfspolizisten, die oft am Fenster stehen und kommentieren: „Da dürfen sie nicht parken!“ „Sie sind ja zu fünft, das geht nicht, wohnen sie denn alle zusammen? „Machen sie die Hundekacke weg, haben sie denn keinen Beutel mit?“

Ich beobachtete mal, wie einer dieser Blockwarte sich dermaßen aufgeregt mit einem Nachbarn stritt, dass sein Kissen vom Fensterbrett auf die Straße segelte. Als der nette, freundliche Nachbar ihm auch noch anbot, das Kissen hochzubringen, schimpfte er wie ein Rohrspatz weiter und schrie: „Packen sie mein Kissen nicht an. Lassen sie das Kissen bloß da liegen. Ich hole es selber!“

Es ist schon beängstigend, wie verrückt einige Menschen sind. Oder liegt es nur an der extremen Situation, dass viele die Nerven verlieren? Es gibt auch bei mir Momente der Furcht, Momente, wo ich zweifele und mich frage, ob alles wieder so wie früher wird. Meine persönliche Rettung sind dann oft Tagträume, die mich wieder in eine heitere Stimmung versetzen können. Letztens stellte ich mir vor, mein Vermieter würde bei mir klingeln. Er meinte, wenn ich viel öfters zu Hause wäre, ob es da nicht nur fair wäre, wenn ich etwas mehr Miete zahlen würde, da ja eine zeitlich intensivere Nutzung vorliegen würde. Das war schon ein ulkiger Gedanke.

Hübsch war auch der Traum, den ich in der letzten Vollmondnacht hatte: Ein Wuppertaler Journalist, der schon zahlreiche Reiseführer bei einem renommierten Verlag herausgegeben hat, schrieb aus Langweile einen Reiseführer über seine eigene Wohnung. Da er auch Fotograf ist, schmückte er sein Werk auch noch mit zahlreichen Bildern. So entstanden auch beeindruckende Aufnahmen aus der Küche vor und nach dem Abwasch. Aber auch Bilder aus seinem Schlafraum und der Toilette. Sehr schön beschrieb er auch die unterschiedlichen Lichtverhältnisse seiner Wohnung, je nach Tages- oder Jahreszeit. Auch gab er Tipps für Ausflüge. Besonders empfahl er eine Wanderung vom Schlafzimmer in das Arbeitszimmer im 1. Stock, von dem man bei schönem Wetter den Kölner Dom sehen könnte. Als ich ihn dann fragte, wer denn solch einen seltsamen Reiseführer kaufen würde, da antwortete er sehr überzeugend: „Mein Nachmieter!“