Mit alter Liebe und neuen Liedern Musik und Literatur auf der Spur

Mit alter Liebe und neuen Liedern Musik und Literatur auf der Spur

Cornelia Niedzkowskis Uni-Reihe endet mit drei Aufführungsterminen.

Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist, sagt der Volksmund. Auch Cornelia Niedzkowski schwärmt für ihre Tätigkeit. Aufhören will sie eigentlich nicht. Doch das hat die 65-jährige Gesangsdozentin im Fach Musikpädagogik an der Bergischen Universität nicht in der Hand. Und deshalb endet nun die Reihe „Musik trifft Literatur“. „Alte Liebe. Neue Lieder“ heißt das letzte Programm der Reihe, es geht am Donnerstag, Freitag und am 24. April über die kleine Bühne in der Uni. Niedzkowski: „Die Arbeit hat mich sehr erfüllt und hat viel Spaß gemacht.“

15 Jahre hat die Dozentin ihre Schöpfung betreut, die sie als Fortsetzung der Gesprächskonzerte initiiert hatte. Ein freiwilliges, zeit- und einsatzintensives Angebot an die Studierenden, damit die künftigen Lehrkräfte später auf Projektarbeit, vom Musical bis hin zu Weihnachtsfeier oder Sommerfest, vorbereitet sind: „Sie sammeln Bühnenerfahrung und gewinnen Einblicke in die Logistik von Projekten.“ Ein Engagement, das sich lohnt, wie ehemalige Studierende rückmelden, die mittlerweile als Musiklehrer arbeiten.

Seit zehn Jahren ist Thorsten Keller an Bord, der als männlicher Darsteller anfing und immer mehr in die Regiearbeit hineinwuchs, für Soundcollagen und Videoinstallationen verantwortlich zeichnet. Heute ist der 32-Jährige Musiker, Pädagoge und Lehrbeauftragter der Universität. Das aktuelle Projekt verknüpft den Blick zurück mit neuer Musik, wurde mit Hilfe der fünf weiblichen und eines männlichen Protagonisten binnen acht Monaten entwickelt. Geprobt wurde zunächst einmal pro Woche, zum Schluss täglich. Niedzkowski: „Die Studierenden lernen dabei die eigenen Belastbarkeitsgrenzen kennen. Es macht Spaß, ihre Ressourcen zu wecken.“ Und das Zusammenwachsen des Teams zu erleben, ergänzt Keller, das dieses Mal aus sechs Anfängern besteht, die sich vorher nicht kannten.

Sieben mal sechs Meter ist die Bühne klein, die durch ein aufgeklebtes Dreieck unterteilt ist, einige weiße Pappkisten bieten Gelegenheit zum Sitzen, an der Rückwand sind auf einer schwarzen Tafelfolie mit Kreide Zeichen aufgemalt: (Halb-)Kreis, Dreiecke, ein Stern. Zeichen, die sich im Programmheft wiederfinden, die Inhalte des 75-minütigen Programms (ohne Pause) illustrieren. „Thematisch geht es um gute und schlechte Emotionen. Sie zu erfahren, auch Hass und Wut, und damit zu leben, Frieden zu schließen, ins Positive zu kommen“, erklärt Keller. Himmel, Hölle und Erde dienen als Symbole für die kontrastierenden Gefühlswelten. Die ausgewählte Literatur besteht aus Fantasiesprachen-Texten der Dadaisten Klabund und Hugo Ball, die als Prolog und Epilog Erd-Gefühle, Höllenerfahrungen und Himmelsfreuden einrahmen, die durch Prosa- und Lyrik-Texte unter anderem von Heinrich Heine, Jean Paul Sartre und Kurt Tucholksy ausgedrückt werden. Die Musik „unterstützt die atmosphärische Spannung, die durch die Dialoge entsteht“, so Keller. Sie wird als Playback eingespielt oder a capella gesungen, reicht von Liszts Dante Sinfonie bis zu Debussys „Clair de lune“ oder vertonten Tucholsky-Texten.

15 Jahre — das bedeutet auch viele schöne Erinnerungen an Aufführungen, Freundschaften, Zusammenarbeit. Nennen will die Gesangsdozentin keine. Die Liste wäre endlos.

“ Termine: 19.4., 20.4. und 24. 4. jeweils 20 Uhr, Musiksaal, M.09.01, Universität, Gaußstraße 20. Karten: wuppertal-live.de; blass@uni-wuppertal.de