Ministerin Scharrenbach in Wuppertal: „Heimat verbindet Menschen“

Neujahrsempfang : Ministerin Scharrenbach in Wuppertal: „Heimat verbindet Menschen“

Beim Neujahrsempfang der Ronsdorfer CDU sprach die NRW-Ministerin über Herausforderungen.

NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach (CDU) hatte auch schon gehört, dass es Wuppertal in die internationalen Reisetipps geschafft hat: „Laut CNN muss man Wuppertal gesehen haben.“ So eröffnete sie ihre Rede beim Neujahrsempfang der CDU in Ronsdorf. Und fügte dann hinzu: „Aber man kann Wuppertal nicht gesehen haben, wenn man nicht in Ronsdorf war.“ Gelächter und Beifall im Saal der reformierten Gemeinde - das Eis war gebrochen. Naturgemäß lag der Gastrednerin, die beim Land auch für die Bereiche Kommunales, Bauen und Gleichstellung zuständig ist, das Thema Heimat am Herzen: „Heimat ist etwas, was Menschen verbindet und nicht, was Menschen trennt.“ Trotzdem sei ihr aufgefallen, dass im ganzen Land nur immer das Trennende gesucht werde. „Das liegt vor allem daran, dass wir das Verbindende nicht betonen“, sagte Scharrenbach.

Die Ministerin stellte fest, dass sich weltpolitisch derzeit vieles im Umbruch befindet und blickte auf die Herausforderungen für das kommende Jahrzehnt: beispielsweise die Anpassung an die neuen Klimastandards und die künstliche Intelligenz. Wobei sich Scharrenbach mit Nachdruck dafür aussprach, dass die Menschen wieder mehr auf das eigene Denken setzen sollten: „Wir sind langsamer als eine Maschine, aber beständiger.“ Der versammelten Wuppertaler CDU-Prominenz - unter anderem mit Kämmerer Johannes Slawig, Sozialdezernent und CDU-Kreisverbandsvorsitzenden Matthias Nocke und dem von der CDU unterstützten OB-Kandidaten Uwe Schneidewind - wünschte die Ministerin für das neue Jahr „alles, was man mit Geld nicht kaufen kann“. Etwa kreative Gelassenheit und Mut zur Entscheidung.

Vor der Gastrednerin hatte sich Benjamin Jung, der relativ neue Vorsitzende der CDU Ronsdorf und Nachfolger von Kurt von Nolting, noch einmal bei den Christdemokraten vorgestellt. „Ich möchte Bewährtes fortsetzen, aber auch neue Wege gehen und verkrustete Strukturen aufbrechen“, kündigte Jung an. Unter anderem müsse die Partei die Jugend mehr mitnehmen. Und: „Wir wollen unseren Vorstand weiblicher machen. Noch ist das nicht so von Erfolg gekrönt.“

Das anschließende Grußwort von Pfarrer Jochen Denker war, wie er selbst vorweg stellte, „geistlicher als gewohnt“. Er bete mit Blick aufs Weltgeschehen für „Besonnenheit und Friedensmut“. Verstehen könne er Menschen, die angesichts der Instrumentalisierung von Glauben und Religion sagen: „Lasst Gott endlich aus dem Spiel.“ Davon solle sich jedoch niemand das persönliche Gebet nehmen lassen. Und wenn nur gebetet werde „Herr, schmeiß Hirn vom Himmel“, so der Pfarrer. Das sorgte dann für einen spontanen Applaus im Saal und sogar die Ministerin nahm später diesen Faden wieder auf und ergänzte: „Es muss dann nur jemanden geben, der das Hirn auch empfängt.“

Beim Thema Kirchenasyl trafen
Standpunkte aufeinander

Nicht ohne Zündstoff war das Thema „Kirchenasyl“, das Pfarrer Denker bewusst ansprach. „Kirchenasyl sollte es bei uns eigentlich gar nicht geben müssen. Aber so wie die Lage zurzeit ist, brauchen wir es.“ Das sei noch eine Mehrheitsmeinung, er stelle aber fest, dass die „Stimmung kippt“. Als er anmerkte, dass Kirchenasyl für ihn eine Verbesserung des Rechtsstaates darstelle, kam der Zwischenruf „Falsch!“. Denker zeigte ins Publikum: „Wer das gesagt hat - wir diskutieren das gleich.“

Lange musste Denker nicht auf die Gegenrede warten. Bundestagsabgeordneter Jürgen Hardt machte in seinem Grußwort keinen Hehl daraus, dass er beim Thema Kirchenasyl anderer Meinung ist. Den Behörden würden sogar beim Verfahren der Abschiebung eher noch zu viele Hürden in den Weg gelegt. Und er ergänzte: „Kein Mensch, der von Tod und Verfolgung bedroht ist, muss zurück.“