Mietspiegel: Preise ziehen leicht an

Mietspiegel: Preise ziehen leicht an

Die ortsüblichen Vergleichsmieten sind im Mittelwert aller Baualtersbereiche seit 2009 von 4,85 auf 5,11 Euro angestiegen.

Wuppertal. Im zweiten Anlauf ist es der Stadt gelungen, einen aktuellen, qualifizierten Mietspiegel zu erstellen. Der Mietspiegel 2017 weist als Mittelwert über alle Baualtersbereiche hinaus eine Anhebung der Mietpreise in Wuppertal von 4,85 Euro pro Quadratmeter auf 5,11 Euro pro Quadratmeter im Vergleich zur letzten Erhebung im Jahr 2009 aus. Es ist davon auszugehen, dass der Rat der Stadt den „Mietspiegel für nicht preisgebundene Wohnungen in Wuppertal 2017“ in seiner Sitzung am 20. Februar zustimmend zur Kenntnis nimmt. Damit erhielte der Mietspiegel, man spricht auch von der ortsüblichen Vergleichsmiete (Nettokaltmiete), Rechtsgültigkeit und es könnte auf ihn in einem gerichtlichen Verfahren zum Beispiel über die Zulässigkeit einer Mieterhöhung Bezug genommen werden.

Ein erster Anlauf zur Erstellung eines Mietspiegels war 2015 gescheitert, da der Rücklauf bei einer Umfrage zu gering war und sich die Daten nicht auswerten ließen. Im zweiten Versuch wurde ein Jahr später das Institut Inwis beauftragt. 9000 Fragebögen wurden an Vermieter in der Stadt verschickt, um Informationen über die Größe, das Alter, die Ausstattung, den Mietpreis und den Modernisierungsstand der Mietwohnungen zu sammeln. Die mit Stand Oktober 2016 erhobenen Daten wurden nun von den Fachabteilungen der Stadt, den Mietervereinen, den Haus- und Grundbesitzervereinen sowie dem Gutachterausschuss für Grundstückswerte diskutiert und flossen in die Mietspiegeltabellen ein.

„Das Ergebnis ist aus unserer Sicht sehr positiv, der Mietspiegel beruht jetzt auf einer wissenschaftlichen Grundlage“, sagt Gerd Lange, Vorsitzender des Deutschen Mieterbundes. Daher habe der Mieterbund dem Mietspiegel 2017 zugestimmt. Grünes Licht gab es auch vom Haus-, Wohnungs- und Grundstückeigentümer-Verein in Wuppertal und Umgebung. „Dieser aktualisierte, qualifizierte Mietspiegel war überfällig. Wir benötigen ein Instrument, das die Situation von Vermietern und Mietern in der Stadt tatsächlich widerspiegelt. Das war durch den alten Mietspiegel nicht mehr gegeben, wenn man alleine die Inflationsrate seit 2009 bedenkt“, sagt Hermann-Josef Richter, Vorsitzender von Haus und Grund Wuppertal und Umgebung.

Kompromisse mussten in dem Arbeitskreis bei der Bewertung von Zu- und Abschlägen gefunden werden. So wird ein Zuschlag von 31 Cent pro Quadratmeter Wohnfläche berechnet, wenn die Wohnung mit Badezimmer mit Badewanne und separater Dusche ausgestattet ist. Für ein Gäste-WC oder eine Dusche in einem zweiten Badezimmer kann ein Zuschlag von 18 Cent gefordert werden. Zuschläge gibt es auch für einen großen Balkon (plus 36 Cent), einen Garten zur alleinigen Nutzung (plus 17 Cent) oder eine exklusive Wohnlage (plus 1,32 Euro). Die Wohnungen sind in sechs Baualtersbereiche von 1948 bis 2016 eingeteilt. Der ermittelte Preis für Altbauwohnungen beträgt im Schnitt zwischen 5,58 Euro/Quadratmeter (Wohnungsgröße bis 50 Quadratmeter) und 5,10 Euro (Wohnungen über 90 Quadratmeter). Die höchsten Preise werden in Neubauten ab 2005 erzielt. Hier liegt der Quadratmeterpreis im Schnitt bei 7,17 Euro (Wohnungen zwischen 50 und 90 Quadratmeter) und 7,06 Euro (Wohnungen über 90 Quadratmeter). Im Vergleich zu den überhitzten Wohnungsmärkten in Köln und Düsseldorf sind viele Wohnungen in Wuppertal noch regelrechte Schnäppchen.

„Die Stadt sollte mit den relativ niedrigen Mieten in Düsseldorf aktiv Werbung betreiben“, schlägt Hermann-Josef Richter vor. Er weist zugleich auf die 12 000 noch immer leer stehenden Wohnungen hin. Auch über die Umwandlung aufgegebener Ladenlokale in barrierefreie Erdgeschosswohnungen müsse intensiver nachgedacht werden. “ S. 16

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