MGV Sängerhain wird 125 Jahre alt

MGV Sängerhain wird 125 Jahre alt

Im Oktober wird es mit dem MGV Cäcilia ein großes Fest im Zentrum Emmaus geben.

Sudberg. „Sind wir von der Arbeit müde, ist noch Kraft zu einem Liede“ — ein schlichter Reim, der den Geist der Jahre 1868, dem Gründungsjahr des MGV Cäcilia in Barmen, ebenso spiegelt, wie des 1893 gegründeten Männergesangverein „Sängerhain“ in Sudberg. Beide Vereine sind zwar nach wie vor selbstständig, treten aber als Chorgemeinschaft auf und gestalten gemeinsam das große Jubiläumsfest am 14. Oktober im Emmaus Centrum in Cronenberg.

Als aussterbende Gattung bezeichnen sich die Männergesangvereine seit einiger Zeit, weil es große Nachwuchssorgen gibt. Doch die wackeren Sangesbrüder vom Sängerhain und der Cäcilia hat es besonders hart getroffen. Ende vorigen Jahres wurde die langjährige Vereinsgaststätte, das „Odenwaldhaus“ von Gaby Erhardt in Hintersudberg, geschlossen und abgerissen. Wobei man allerdings zeitweise in der Nikodemuskirche unterkommen konnte. Doch im Jubiläumsjahr kam es noch härter: Zunächst musste ein neuer Chorleiter gesucht werden. Das Barmer Domizil auf dem Sedansberg, das man mit Rücksicht auf die „Cäcilia“ abwechselnd zu Probezwecken nutzte, wurde kurzfristig geschlossen, und dann hat der Starkregen Anfang Juni das Ausweichquartier, das Barmer Kolpinghaus, überflutet und für Proben erst einmal unbrauchbar gemacht.

Es spricht für die 20 noch verbliebenen Sänger und ihren Vorstand mit Horst Olpe an der Spitze, dass sie sich nicht unterkriegen ließen und an dem für 2018 geplanten Jubiläumsprogramm festhalten werden. Probleme, von denen die Altvorderen aus den Gründungsjahren noch nichts ahnten. Da stand die Sangeslust noch höher im Kurs, wie ein Blick in die vom Geschäftsführer Richard Krüger überarbeitete Chronik des Sängerhains zeigt, der kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges sein 20-jähriges Bestehen mit einem großen Fest feierte.

Am 27. und 28. September 1913 hatten sich 30 Vereine und weitere 17 lokale Männergesangvereine sowie zwei Kapellen aus der unmittelbaren Nachbarschaft in Sudberg versammelt und marschierten in zwei Abteilungen singend und musizierend von Sudberg aus über die Südhöhen und fanden sich am Cronenberger Rathaus zu einer zentralen Feier mit gesanglichen Darbietungen zusammen, die bis nach Hahnerberg zu hören war.

Der Sängerhain besteht seit seiner Gründung ununterbrochen, wobei allerdings die beiden Weltkriege nicht nur die Aktivitäten des Vereins erheblich reduzierten, sondern auch die Reihen der Sänger schmerzvoll lichteten. Während der Nazizeit nahm allerdings auch die NSDAP starken Einfluss auf das Vereinsleben. Rechtes Liedgut war vorgeschrieben, ansonsten wurde man aus dem Deutschen Sängerbund ausgeschlossen. Dass der Sängerhain damals kaum größere Konzerte gab, spricht da sicher für sich. Nur bei Familienfeiern und bei gemeinsamen Auftritten mit dem katholischen Gesangverein Cäcilia Cronenberg gab es eher bescheidene Aktivitäten.

Nach dem Krieg blühte der Chorgesang wieder auf, als Karl Geldsetzer und Kurt Funke den Verein leiteten, der bei einem „Leistungssingen“ in Gelsenkirchen mit stimmlicher Qualität brillierte. Und auch später gab es prachtvolle Konzerte mit dem in Wuppertal lebenden Solisten Kenneth Spencer oder der japanischen Liedsängerin Sadako Sasaki aus Tokio.

Ein Höhepunkt im Vereinsleben des Sängerhains war sicher auch 1993 die Verleihung der „Zelter-Plakette“. Die vom einstigen Bundespräsidenten Theodor Heuß gestiftete Plakette ist die höchste staatliche Auszeichnung für Chorvereinigungen, die sich mindestens ein Jahrhundert um die Pflege der Chormusik und des deutschen Volksliedes verdient gemacht haben. Die Zeiten ändern sich, und damit auch der Publikumsgeschmack. Der Sängerhain-Vorstand unter Horst Olpe hat die Zeichen der Zeit erkannt und das Repertoire erweitert und verfolgt auch das Ziel, neben den traditionellen Auftritten bei Benefizveranstaltungen, Weihnachtsfeiern und in Seniorenheimen das Miteinander der Sudberger Bürger zu fördern. „Rudelsingen“ und Bingoabende gehören dazu ebenso wie das beliebte Sommerfest, das auch das finanzielle Überleben der Chorgemeinschaft sichern soll.