Bildung: Mentoring an der Bergischen Uni: Freundschaften fürs ganze Leben

Bildung : Mentoring an der Bergischen Uni: Freundschaften fürs ganze Leben

Im Mentorenprojekt „Balu und Du“ fördern Studierende der Uni Wuppertal Grundschulkinder — und knüpfen dabei teilweise enge Bindungen.

Sie sind die besten Freunde im Dschungel: Balu, der Bär, und Mogli, das Menschenkind. Mogli schaut zu Balu auf, und der will nur das Beste für Mogli — auch wenn das heißt, dass er ihn seinen eigenen Weg gehen lassen muss. Kein Wunder, dass das Mentorenprojekt „Balu und Du“ nach den Helden des Dschungelbuchs benannt ist: Hier schließen junge Erwachsene (Balus) Freundschaften mit Grundschulkindern (Moglis) — eine Erfahrung, von der beide Seiten profitieren sollen.

Der 2004 gegründete Verein Balu und Du hat mit seinem Programm bereits 9000 Kinder an 90 Standorten in Deutschland und Österreich erreicht. Sandra Seeliger ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in den Erziehungswissenschaften und betreut das drittmittelgeförderte QPL-Projekt an der Uni Wuppertal. „Balu und Du hat den Charme, dass es ein 1:1-Projekt ist“, sagt sie.

So entstünden oft enge Bindungen zwischen Mentor und Grundschulkind. In Wuppertal sind meist zwischen zehn und 15 Gespanne gleichzeitig aktiv. Die Rahmenbedingung: Balu soll sich für mindestens ein Jahr in bis zu drei Stunden pro Woche mit Mogli beschäftigen — Schulferien ausgenommen entspricht das 40 Treffen. „Von Waldspaziergängen und Fahrradtouren bis zu Besuchen im Tierpark oder der Bibliothek ist alles möglich“, erklärt Seeliger.

Die Balus erhalten ein monatliches Taschengeld von zehn Euro für ihre Aktivitäten. „Das wird oft nicht gebraucht“, so Seeliger. „Mit der Zeit kommen den Balus immer mehr Ideen, was man für kleines Geld machen kann.“ Der Zeitaufwand erfolgt ehrenamtlich.

Für Studierende hat die Teilnahme am Projekt verschiedene Motivationen: Bis zu 18 Leistungspunkte werden Balus im Optionalbereich ihres Studiums gutgeschrieben. „Aber allein wegen der Leistungspunkte sollten sich Studierende nicht für das Projekt entscheiden“, sagt Seeliger.

Wertvoller sei der Erwerb von Metakompetenzen, die nicht nur für angehende Lehrer oder Erziehungswissenschaftler von Bedeutung seien: „Ein Maschinenbauer lernt zum Beispiel, Dinge herunterzubrechen und verständlich zu machen.“

Ein begleitendes Seminar bietet den Balus Raum zum Austausch und für die Vermittlung theoretischer Grundlagen zu informellem Lernen und Spieltheorie, um potentielle Lernsituationen mit ihren Moglis reflektieren und später selbst erzeugen zu können. Ihre Erfahrungen halten die Teilnehmer in einem Online-Tagebuch fest.

Jedes Grundschulkind kann zum Mogli werden: „Es geht nicht darum, dass die Kinder aus schwierigen Verhältnissen kommen“, erklärt Seeliger. „Das Programm soll nicht stigmatisieren, es soll ein Privileg sein, einen Balu zu haben.“

Allerdings würden die größten Effekte bei Kindern beobachtet, die noch Entwicklungsbedarf haben — auf welche Art auch immer. „Wir fragen die Lehrer unserer Partnerschulen, um welches Kind sie sich Sorgen machen“, so Seeliger. „Das können Kinder sein, die in der Schule hinterherhängen, die besonders schüchtern sind oder neben ihren Geschwistern vielleicht nicht genug Aufmerksamkeit bekommen.“

Vor den Sommerferien erhielten die Wuppertaler Moglis im Rahmen einer Abschlussfeier mit allen aktiven Zweierteams eine Medaille. Für viele Gespanne endete damit die gemeinsame Zeit. „Mogli hat mehrmals wiederholt, dass sie es sehr schade findet, dass dies unser letztes Treffen ist“, schreibt Balu Sarah Lilienthal in ihrem Online-Tagebuch.

„Ich habe ihr versichert, dass wir uns trotzdem noch wiedersehen werden. Ich habe ihr vorgeschlagen, dass sie mich nach ihrem Urlaub anrufen soll und wir dann einen Termin absprechen, wann wir uns sehen und uns gegenseitig von unseren Sommerferien erzählen können.“ Zum Abschied schenkte Sarah Lilienthal ihrer Mogli ein Fotoalbum zur Erinnerung an die gemeinsame Zeit.

Auch für das kommende Wintersemester werden noch Balus gesucht, vor allem männliche Teilnehmer sind gern gesehen. „Das Projekt ist hier leider noch kein Selbstläufer geworden“, Sandra Seeliger. „Es ist schon eine große Verantwortung, aber wer sich darauf einlässt, sammelt wichtige Erfahrungen und findet vielleicht eine Freundschaft fürs Leben.“

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