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Memeler Straße in Wuppertal-Vohwinkel: Abriss statt Sanierung

Stadtentwicklung : Memeler Straße: Abriss statt Sanierung

Die Gebäude der Eisenbahn-Wohnungsbaugenossenschaft sollen im gleichen Stil wieder aufgebaut werden.

Neue Entwicklung beim geplanten Großprojekt der Eisenbahn-Bauverein Wohnungsbaugenossenschaft (EBV) im Vohwinkeler Norden: Die Häuser Memeler Straße 48, 50, 54 und 56 werden nun doch abgerissen und durch neue Gebäude ersetzt.

Das Konzept sah bisher einen Erhalt des städtebaulichen Ensembles und eine Sanierung in diesem Bereich vor. Dazu gab es sogar einen Architektenwettbewerb. Die daraus entstandenen Planungen sind laut Investor allerdings nicht realisierbar.

„Umfangreiche Bestandsanalysen haben ergeben, dass die Gebäude an der Memeler Straße in einem schlechteren Zustand sind als erwartet“, heißt es in einer Stellungnahme der Wohnungsbaugenossenschaft. Aus diesem Grund sei ein Erhalt der alten Bausubstanz baulich nach zeitgemäßen Wohnkriterien nicht umsetzbar. Für den Erhalt des Charakters einer Genossenschaftssiedlung sollen die Bestandsobjekte durch neue Gebäude in der gleichen historischen Baustruktur ersetzt werden.

Gleichwohl stieß die Entwicklung in der letzten Sitzung der Vohwinkeler Bezirksvertretung auf Kritik. „Es ist unverständlich, dass eine Prüfung der Bausubstanz erst nachträglich durchgeführt wurde“, sagt SPD-Fraktionssprecher Georg Brodmann. Er bedauert den Abriss der Häuser.

Für Bauressortleiter Jochen Braun ist das Verfahren dagegen gut nachvollziehbar. „Im Rahmen eines Architektenwettbewerbs kann aus finanziellen Gründen nicht bis tief in die Bauphysik vorgedrungen werden“, so Braun. Der jetzt notwendige Abriss sei daher nicht absehbar gewesen.

Die Genossenschaft berichtet, dass es unter anderem erhebliche Probleme mit Feuchtigkeit gegeben habe. Die aktuellen Auflagen an Schalldämmung, Brandschutz, Fluchtwege und Energieeffizienz wären allein mit einer Sanierung nicht zu erfüllen gewesen. „Der Erhalt der Bausubstanz wäre völlig unwirtschaftlich“, ergänzt Jochen Braun. Die Stadt hat daher dem Abriss unter Auflagen zugestimmt.

„Wir haben es uns nicht leicht gemacht“, betont EBV-Vorstandsvorsitzende Anette Gericke. Nach den Vorgaben der Stadt werde das Gebäudeensemble in gleicher genossenschaftlich-historischer Bauweise wiederaufgebaut, um den visuellen Eindruck des Straßenzugs zu erhalten. Gericke verweist in diesem Zusammenhang auf das Beispiel des Gebhardgebäudes im Vohwinkeler Zentrum. Auch hier war der Fassadenerhalt durch einen anderen Investor aus technischen Gründen nicht realisierbar, weshalb ein Abriss und Wiederaufbau in der alten Backsteinoptik erfolgte.

Unverändert bleiben die EBV-Planungen bezüglich der Häuser Nathrather Straße 41, 43 und 45. Deren Abbruch ist bereits seit 2017 vorgesehen. Sie stehen zusammen mit den EBV-Häusern an der Memeler Straße leer, den Mietern wurden laut Genossenschaft andere Wohnungen vermittelt. Ziel ist es, im ersten Bauabschnitt bis 2023 eine Klimaschutzsiedlung zu entwickeln. Dabei sollen verschiedene Nutzergruppen wie Familien und Senioren im Vohwinkeler Norden eine neue Heimat finden.

Das Projekt bleibt allerdings umstritten. „Wir bleiben bei unserer Kritik“, sagt Anwohnerin Nicole Kleinert. Sie ist Mitinitiatorin einer Interessengemeinschaft mit rund 30 Nachbarn. Diese befürchten „massive Einschnitte“ für die Wohn- und Lebensqualität im Quartier durch eine aus ihrer Sicht überdimensionierte Bebauung.

Dagegen wehrt sich Anette Gericke. „Der Wohnungsmarkt nicht nur in Wuppertal schreit nach zeitgemäßen Wohnungen“, betont sie. Neue, unbebaute Grundstücke für Wohnungsbau gebe es kaum, so dass sich die EBV auf ihren Grundstücksbestand besinnen müsse. „Wir wollen auch zukünftig unseren Mitgliedern, also den Bürgern Wuppertals, bedarfsorientierte Wohnungen anbieten, ohne den Klimaschutz aus den Augen zu verlieren“, so Gericke.