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Mein erstes Mal (12): Ninjutsu ist älter als Karate

Mein erstes Mal (12): Ninjutsu ist älter als Karate

Ninjas sind japanische Untergrundkämpfer. Redakteurin Annabell Fugmann hat es ausprobiert.

Wuppertal. „Sempai“, grüßt mich Helmut, und stellt mir meine „große Schwester“ Natalie vor. Große Schwester, weil alle eine Familie sind, und sie soll mich in die Kunst der Ninjas einführen. Natalie ist selbst noch ein wenig ratlos — denn sie hat auch ein paar Wochen zuvor erst angefangen, Ninja zu sein. Und so zerbrechen wir uns gemeinsam den Kopf darüber, wie die Bekleidung richtig angezogen wird. Am Ende bleiben zahlreiche Schnüre übrig.

Helmut klärt auf: „Das ist richtig so“, sagt er. Die rechte Schnur, da könne man eine Schlaufe machen und Schwerter festbinden. Die Linke: da sei Platz für eine Wasserflasche. Denn Ninjas sind manchmal tagelang in der Natur unterwegs und verstecken sich auf Bäumen — da auf Kampfsport ausüben die Todesstrafe stand (deswegen die Vermummung). Und wenn Helmut und seine Ninjas draußen unterwegs sind, dann tragen sie auch die Kopfbedeckung. Muss lustig aussehen.

Dann müssen wir uns aufwärmen. „Situps“, ruft Helmut und zählt auf japanisch herunter. Es sind unzählige. „Die Ninjas haben doch keine Situps gemacht?“ frag ich. „Doch“, so Helmut: Ninjutsu sei 1200 nach Christus entstanden, und um nicht mit dem Training aufzufallen, mussten die Ninjas schnelle effektive Übungen machen.

Ich erschrecke mich: „Kiaaaai“, ruft Helmut, ein Kraftruf. Er schlägt in die Luft („Tsuki“), macht Ansagen (die ich nicht verstehe), ich ahme es mehr schlecht als recht nach und muss an den Film Karate Kid denken. „Karate ist eine viel jüngere Kampfkunst“, so Helmut.

Dann soll ich an einem Seil hochklettern, das konnte ich schon in der Schule nicht: Wir setzen uns keine Grenzen, sagt Helmut. „Na toll“, denke ich. Woher Helmut denn so viel von Ninjas weiß? Zunächst war er in Düsseldorf auf einer internationalen Schule, hat Japanisch gelernt und dann war er ein Jahr in Japan und hat seinen Meister in Ninjutsu gemacht.

Dann muss ich kämpfen, Natalie über die Schulter werfen, mit Julius ringen (er hat schon einen roten Gürtel!). Ich greife an und verteidige mich. Und schließlich lerne ich Punkte an Menschen kennen, die bei Druckausübung auch töten kann. Die verrate ich hier aber nicht. Mein Muskelkater am nächsten Tag bescheinigt ein ausgewogenes Training.