1. NRW
  2. Wuppertal

Mehr Wuppertaler leiden unter Einsamkeit

Corona : Mehr Wuppertaler leiden unter Einsamkeit

Die Kontaktbeschränkungen der Pandemie haben die Isolation von Menschen verstärkt. Hilfs­einrichtungen wie der Krisendienst und die Telefonseelsorge registrieren mehr Anrufe zu diesem Thema.

Stadt und soziale Träger sind bemüht, Kontakte zu hilfsbedürftigen Menschen trotz der Beschränkungen aufrecht zu erhalten. Das ist einem Bericht zu entnehmen, den die Verwaltung auf Anfrage der CDU für den Sozialausschuss des Rates erstellt hat.

„Kontinuierlich mehr Anrufe“ und einen „erhöhten Bedarf nach Krisenintervention“ in den Jahren 2019, 2020 und 2021 stellte der Krisendienst fest, eine Einrichtung, bei der Menschen in der Nacht und am Wochenende anrufen können. Oft gehe es nicht um Einsamkeit, aber um deren Auswirkungen, etwa Angst, Depression und Redebedarf. Besonders viele Anrufe mit Ängsten und Sorgen erhielt der Krisendienst nach der Hochwasserkatastrophe im Juli 2021.

Fast ein Viertel der Anrufer klagt über Einsamkeit

Die Telefonseelsorge berichtet, dass der Anteil der Anrufenden, die über Einsamkeit klagen, seit etwa zehn Jahren kontinuierlich steigt. 2020 habe dieser Anteil mit 23 Prozent „einen Spitzenwert“ erreicht, heißt es in dem Bericht. Es hätten zudem auch Menschen über Einsamkeit geklagt, die außerhalb der Pandemie ihren Alltag gut strukturieren konnten und nun auf sich selbst zurückgeworfen waren.

Viel Leid erleben die Helfer bei der Mailseelsorge. 2020 haben sie rund 500 Mails beantwortet. 26 Prozent der Schreibenden hätten über depressive Verstimmungen, 26 Prozent über Ängste, 26 Prozent über Stress geklagt. Bei 30 Prozent waren suizidale Gedanken, Absichten, ein früherer Suizidversuch oder eine Betroffenheit durch den Suizid anderer Thema. Die Mailseelsorge nutzen vor allem jüngere Menschen, so fehlten vielen Studierenden Ansprechpersonen. Auch in der Kinder- und Jugendarbeit erleben die Mitarbeiter Kinder, die sich zurückgezogen haben, sich alleingelassen fühlen.

Einsamkeit ist ein grundsätzliches Problem in Großstädten

Um der Isolation entgegenzuwirken, haben soziale Einrichtungen ihr Angebot unter besonderen Bedingungen aufrechterhalten. Die Bezirkssozialdienste waren während der gesamten Zeit tätig, nutzten das Telefon, machten Spaziergänge mit den Menschen, die sie betreuen. Senioreneinrichtungen organisierten Telefonkontakte, schrieben Briefe, luden ebenfalls zu Spaziergängen und organisierten Einkaufs- und Essensangebote. Ähnliches gilt für Einrichtungen der Suchthilfe und der Wohnungslosenhilfe.

Doch nicht nur in Coronazeiten, sondern allgemein steigt die Tendenz, dass Menschen sich einsam fühlen. Daher sei es auch zentrale Aufgabe der kommunalen Sozialplanung, die soziale Teilhabe zu ermöglichen und der Einsamkeit und sozialen Isolation entgegenzuwirken. Das erfolge in Zusammenarbeit mit den Freien Trägen.

Sozialdezernent Stefan Kühn stellte fest: „Einsamkeit ist ein grundsätzliches Thema in Großstädten.“ Und er machte deutlich, dass eine Stärkung der sozialen Infrastruktur einer Stadt immer auch ein Beitrag dazu sei, Einsamkeit und Isolation zu verhindern – ein Appell an die Politiker, das bei ihren Entscheidungen zur Finanzierung dieser Infrastruktur zu berücksichtigen.