Mehr Platz für legale Graffiti

Mehr Platz für legale Graffiti

Um illegale Schmiereien zu vermeiden, könnten geeignete Flächen freigegeben werden. Später sollen die jungen Künstler Schäden an den Motiven selbst beseitigen.

Oberbarmen. Die Straßen sind dreckig und die Häuser voller Graffiti — so lautet immer wieder das (Vor-)Urteil in Oberbarmen. Im November bekam deshalb das Quartierbüro Vierzwozwo den Auftrag, ein Handlungskonzept zur Vermeidung hässlicher Schmierereien und zur Förderung der Sauberkeit zu entwerfen. In der Bezirksversammlung Oberbarmen stellten die Mitarbeiter jetzt ihre Maßnahmen vor.

Foto: Andreas Fischer

„Wir haben viele Gespräche mit dem ESW, der Polizei und verschiedenen Bürgergruppen geführt“, erzählt Stefanie Rolf vom Quartierbüro. Vier konkrete Projekte sollen jetzt das allgemeine Verständnis verbessern und bei betroffenen Gruppen zum Umdenken führen. So wurde die Treppe zwischen Langobardenstraße, Normannenstraße und Krühbusch mit Mosaiken bunt gestaltet. Am Freitag wurde sie mit einem Fest gemeinsam mit der katholischen Kirchengemeinde St. Johann Baptist eingeweiht. Dabei erklärte der Künstler Robert Kaller auch den Anwohnern, wie sie Graffiti direkt wieder von den Mosaiksteinen entfernen können.

Vor allem aber wollen die Verantwortlichen den meist jugendlichen Sprayern Flächen zur Verfügung stellen, auf denen sie legal sprühen können. In den Sommerferien sollen Jugendliche aus dem Jugendzentrum Wi4U in Wichlinghausen unter fachlicher Anleitung geeignete Motive entwerfen, mit denen entsprechende Flächen verziert werden können. „Dort gibt es Jugendliche, die bei den Hip-Hop-Jams bereits Interesse am Thema Graffiti gezeigt haben“, erklärt Rolf. Sie sollen nun neben der Weiterentwicklung ihrer gestalterischen Möglichkeiten auch Verantwortung für ihr Schaffen lernen.

Gleichzeitig sollen sie im direkten Kontakt mit Hauseigentümern erfahren, welche Folgen illegale Graffiti haben. Für die von ihnen gestalteten Flächen sollen sie später die Verantwortung übernehmen und mögliche Schäden durch Vandalismus an ihren Kunstwerken eigenständig reparieren. Bisher gibt es allerdings noch keine geeignete Fläche für die geplante Verschönerung. Die Mitarbeiter des Quartierbüros hoffen auf Angebote von Hausbesitzern. Auch das nötige Geld für Spraydosen fehlt bisher.

Stefanie Rolf, Quartiermanagerin

Im September möchte Vierzwozwo an der bundesweiten Woche des bürgerschaftlichen Engagements teilnehmen. Angedacht ist etwa ein Picobello-Tag auf dem Wichlinghauser Markt in Zusammenarbeit mit dem Bürgerverein „Wir in Wichlinghausen“ am Samstag, 15. September. Kurz zuvor soll der Eigenbetrieb Straßenrenigung das Straßenpflaster auf dem Wichlinghauser Markt reinigen.

Auch die europäische Woche der Abfallvermeidung vom 17. bis 25. November möchte Vierzwozwo einbinden. Die ISG Berliner Straße möchte dann das Projekt „Sicher, Sauber, Lebenswert“ durchführen. Schulen, die Wuppertaler Tafel und das BOB Kulturwerk könnten ebenfalls Ideen dafür entwickeln. Schwerpunkte sollen auf dem entstehenden Müll durch Coffee-to-go-Becher und Verpackungen liegen sowie deren Vermeidung oder Wiederverwendung.

Langfristig möchte Vierzwozwo eine legale Graffiti-Fläche in Oberbarmen und Wichlinghausen einrichten. „Es gibt schon Flächen in der Nähe von Jugendzentren, wo das gut funktioniert“, sagt Stefanie Rolf. Wichtig sei, dass Nachbarn nicht gestört werden. Hilfreich wäre es auch, wenn Hauseigentümer illegale Graffiti schnell entfernen. „Je schneller das Graffiti weg ist, desto eher sucht sich der Sprayer einen anderen Platz“, nennt die Quartiermanagerin die Erfahrung. Sie setzt auch auf Sensibilisierung der Jugendlichen durch Projekte und auf Info- und Diskussionsabende, bei denen Künstler Kontakte zur Bürgerschaft bekommen.

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