Mehr Kinder, weniger Mehrlinge

Mehr Kinder, weniger Mehrlinge

Die Zahl der Geburten ist in Wuppertal 2015 gestiegen. Entgegen dem Trend gab es weniger Zwillinge.

Wuppertal. 2015 war ein kinderreiches Jahr in der Metropole des Bergischen Lands. Laut Angaben der Stadt sind im vergangenen Jahr 2811 Kinder hier zur Welt gekommen. Das sind 123 mehr als im Jahr davor. Wuppertal liegt damit im bundesdeutschen Trend. Denn den aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes von 2014 zufolge, steigt die Zahl der Geburten seit drei Jahren konstant. Wenn man Wuppertal als Maßstab nimmt, gilt das auch für 2015.

Entgegen dem Trend steht Wuppertal allerdings bei den Mehrlingsgeburten, zumindest im vergangenen Jahr. Während deutschlandweit die Zahl der Mehrlingsgeburten in der Zeit von 2010 bis 2014 von 11838 auf 13270 gesteigen ist, hat sie in Wuppertal im Jahr 2015 sowohl im Helios Klinikum als auch im Agaplesion Bethesda Krankenhaus abgenommen — jeweils im Vergleich zum Vorjahr.

In der Helios Klinik gab es 2014 1813 Geburten, davon waren 52 Zwillingsgeburten (also 104 Kinder). 2015 gab es dort mit 1860 Geburten zwar einen Anstieg, aber dafür nur 49 Zwillingsgeburten. Kliniksprecher Jörn Grabert sagt: „Drillinge gab es zuletzt 2013 bei uns.“

In der Geburtshilfe des Bethesda Krankenhauses haben 2014 709 Mütter Kinder zur Welt gebracht. Margarete Just, Sprecherin des Hauses, sagte, dass darunter acht Mehrlingsgeburten waren (also 16 Kinder). 2015 habe es mit 807 Geburten einen deutlichen Anstieg gegeben. Dennoch seien nur drei Mehrlingsgeburten darunter gewesen (sechs Kinder).

Beide Kliniken verweisen aber auf einen eigentlichen Trend zu Mehrlingsgeburten in den vergangenen Jahren. Warum sie 2015 ausgeblieben seien, ist aber nicht klar.

Für Werner Mendling, den Gynäkologen und kommissarischen Leiter der Helios Klinik an der Vogelsangstraße, ist das nicht leicht zu beantworten. „Mehr Geburten müssen nicht gleich mehr Mehrlinge bedeuten. Es kommt darauf an, wer die Kinder bekommt.“

Denn Mehrlingsgeburten lassen sich laut Mendling auf drei Weisen erklären. Erstens dadurch, dass Schwangerschaften durch Medikamente, die auf die Eierstöcke wirken, beeinflusst werden. Die würden etwa in Kinderwunschkliniken verabreicht, wenn eine 33 Jahre alte Frau seit Jahren ihren Kinderwunsch nicht erfüllen konnte — trotz gesunden Partners, erklärt Mendling. „Die Medikamente haben es in sich und führen häufig zu Mehrlingsgeburten“, so Mendling. Zweitens gebe es vermehrt künstliche Befruchtungen, bei denen ebenfalls eine höhere Wahrscheinlichkeit zu Mehrlingsgeburten besteht.

Drittens bekämen Frauen heute immer später ihr erstes Kind. Mendling: „Die Natur hat das so eingerichtet, dass älterer Frauen eher Mehrlinge bekommen.“ Die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft sei im Alter geringer. Dadurch, dass dann mehr Kinder auf einmal kämen, sorge die Natur dafür, dass die Arterhaltung sichergestellt sei. „Darauf sind alle biologischen Prinzipien ausgerichtet.“

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