Mehr als 300 Menschen lesen die Bibel vor

Mehr als 300 Menschen lesen die Bibel vor

Rund um die Uhr hallen die Stimmen der Leser durch die Laurentiuskirche.

Elberfeld. Wenn es dunkel wird, locken in dieser Woche zwei Reihen leuchtender Kerzen Menschen in die Laurentiuskirche. Drin hallen die Worte der Bibel durch das große Kirchenschiff und das rund um die Uhr. Der Elberfelder Bibelmarathon ist am Dienstag in einer Prozession von der evangelischen Sophienkirche in die katholische Kirche St. Laurentius gezogen und läuft dort noch bis heute Abend.

Mittwoch Abend steht Gertrud Ziller am Ambo und liest aus dem Buch Jeremia. Welche Stelle genau sie lesen würde, wusste sie vorher nicht. „Man meldet sich für eine Zeit an und weiß nicht genau, wie weit die Leser bis dahin gekommen sind“, erklärt sie später vor der Kirche. Sie und andere Mitglieder der niederländisch-reformierten Gemeinde am Katernberg lesen drei Stunden lang.

Gertrud Ziller ist die letzte der Runde, als um neun Uhr Anna Petrotta die Stufen zum Rednerpult hinaufsteigt. Sie legt ihre Bibel vor sich und beginnt zu lesen — auf italienisch. „Ich finde es toll, dass jeder in seiner Sprache lesen darf“, sagt Petrotta. Fünf Mitglieder der italienischen Gemeinde Wuppertal füllen die nächste Stunde des Marathons mit italienischen Bibelversen.

Pastoralreferentin Christa Neumann ist mit dem Bibelmarathon sehr zufrieden. Selbst die Nachtzeiten seien fast alle mit Vorlesern besetzt, nur einmal hätten die Hauptamtlichen der Kirche übernehmen müssen. Die Stimmung in der Kirche sei sehr besonders: „Letzte Nacht wurden die Psalmen vorgelesen, die Gebete haben natürlich eine besondere Bedeutung. Das war wirklich anrührend.“

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