Wuppertal im Deutschen Bundestag: Mathias Höschel: „Meine erste Rede im Bundestag war eine Hürde, aber auch eine Ehre“

Wuppertal im Deutschen Bundestag : Mathias Höschel: „Meine erste Rede im Bundestag war eine Hürde, aber auch eine Ehre“

Bis zur Bundestagswahl vertritt Mathias Höschel Wuppertal für die CDU im Reichstag. Dann enden zehn abenteuerliche Monate. Sie begannen mit einem Drama.

Wuppertal. Für Mathias Höschel neigt sich eine spannende, herausfordernde Zeit ihrem Ende zu. Der Mann vertritt Wuppertal im Deutschen Bundestag. Er macht das seit Dezember noch bis zur Wahl im September. Dann endet sein Abenteuer, zumindest vorläufig. Der 50-Jährige gehört zu den Männern, die nie nie sagen. Möglich, dass er seine Partei irgendwann einmal wieder in Berlin vertritt. Dann vermutlich allerdings unter weniger dramatischen Umständen. Mathias Höschel hat den Ende vergangenen Jahres gestorbenen Peter Hintze in der Bundestagsfraktion der CDU ersetzt.

Höschel wohnt in Neuss, arbeitet eigentlich in Düsseldorf, seit Ende Dezember vornehmlich allerdings in Berlin. Dass er Peter Hintze ersetzt, ist dort kein Thema. „Nein, Herr Hintze hatte ja ganz andere Aufgaben. Er war Vizepräsident des Bundestages und saß deshalb in keinem Ausschuss“, erklärt Höschel. Bei ihm ist das anders. Er selbst arbeitet im Verteidigungsausschuss mit und kümmert sich in einem weiteren Ausschuss um Tourismuspolitik. Dabei ist Mathias Höschel von Hause aus Kieferorthopäde. Mit seiner Frau und mehreren angestellten Ärzten betreibt er drei Praxen. „Darum kümmert sich meine Frau jetzt“, sagt der Politiker.

Er selbst hat dazu bis nach der Wahl am 24. September keine Zeit. Auch ein Bundestagsmandat ist mit Arbeit verbunden. „Auf 60 bis 70 Stunden pro Woche kommt ein Abgeordneter schon, selbst wenn er bereits länger im Bundestag sitzt, also mehr Erfahrung und Bekanntheit hat“, sagt der vierfache Vater. Das Mandat ende nicht mit der Sitzungswoche. „Am Wochenende sind fast alle Kollegen in ihren Wahlkreisen unterwegs. Sie besuchen Vereine und versuchen, mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen.“

Diese Aufgabe nimmt auch Mathias Höschel sehr ernst. Termine in Wuppertal sind keine Seltenheit. Dass er dennoch nicht im Wahlkreis 102 antritt, den er derzeit in Berlin vertritt, ist für den 50 Jahre alten Arzt kein Problem. Das sei doch absolut verständlich. Die Wuppertaler CDU geht mit ihrem Kreisvorsitzenden und langjährigen Landtagsabgeordneten Rainer Spiecker ins Rennen gegen den SPD-Kandidaten Helge Lindh.

Damit Spieckers Aussichten auf Erfolg steigen, schickt der Parteifreund Verstärkung aus Berlin nach Düsseldorf. „Wir holen da schon ein paar prominente Unterstützer nach Wuppertal“, kündigt Höschel an.

Für ihn selbst endet die politische Arbeit auch ohne Sitz im Bundestag nicht. Er ist Gastmitglied im Vorstand der NRW-CDU. Als Mediziner vertritt er die Interessen seines Berufsstandes in verschiedenen Funktionen. Und außerdem besteht ja immer noch die Möglichkeit, dass er irgendwann wieder in ein Parlament einzieht. Seine Feuertaufe hat er schließlich hinter sich.

„Ich wollte auf keinen Fall in die Annalen eingehen als Abgeordneter, der keine Rede gehalten hat“, erzählt Höschel. Er hat zwei gehalten. Seine Erste fand vor vollem Hause statt. „Ich habe zum Einsatz der Bundeswehr in Somalia gesprochen“, berichtet er. Allzu viel Zeit, nervös zu werden, hatte er dabei nicht. „Am Dienstag erfuhr ich, dass ich donnerstags an er Reihe bin.“ Das Parlament war voll zur Premiere des Mannes aus Neuss. Dafür hatte die Bundestagspräsidentin Petra Pau (Linke) gesorgt. Gleich nach Höschel sollte die namentliche Abstimmung stattfinden. Wer daran nicht teilnimmt, zahlt 150 Euro. „Und Frau Pau hat für Ruhe gesorgt. Das fand ich ausgesprochen fair.“

Im Bundestag hat es Tradition, dass Neulinge während ihrer ersten Rede nicht unterbrochen werden. Auch daran hielt sich jeder. „Und dann haben mir alle applaudiert, auch die Kollegen der Opposition. Der Umgang miteinander ist im Bundestag sehr anständig.“ Die erste Rede sei eine hohe Hürde gewesen, „aber auch eine große Ehre“.