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Maskenpflicht in Wuppertal: Wellensittiche und Unterhosen

Begrabt mein Herz in Wuppertal : Hellblaue Wellensittiche auf der Schulter und Unterhosen im Gesicht

Unser Kolumnist Uwe Becker über die Maskenpflicht.

Wenn man Jugendliche später einmal fragt, ob sie sich noch an ihren ersten leidenschaftlichen Kuss erinnern, werden einige antworten: „Ja, aber wir hatten beide noch die Maske auf!“ Auf der Straße sieht man immer häufiger Menschen, deren Schutzmaske permanent unter ihrem Kinn hängt, um sie nur noch kurz hochzuziehen, wenn es erforderlich ist.

Mich erinnert dieser Anblick an eine herunterhängende Unterhose. Ein äußerst entwürdigender Anblick - das muss nicht sein. Ich glaube, es fällt vielen erst beim abendlichen Blick in den Spiegel auf, dass ihnen die Schutzmaske noch im Gesicht und an den Ohren hängt. Wer keine Abendtoilette durchführt, geht womöglich mit Maske ins Bett. Zu erotischen Rollenspielen wird der medizinische Mund- Und Nasenschutz wahrscheinlich schon länger eingesetzt: „Ah, Herr Doktor, gut dass Sie kommen…“ Aber ich bin da tolerant, kannte übrigens Beate Uhse persönlich.

Manche tragen ihre Masken auch in Situationen, in denen es nicht nötig ist, weil sie sich schon arg daran gewöhnt haben. Eventuell begleiten uns die Gesichtsmasken noch für eine sehr lange Zeit oder gar bis in alle Ewigkeit. Nicht nur, weil es zum Schutz nötig ist, sondern weil viele junge Menschen es einfach krass und cool finden. Genau wie die Baseball-Kappen. Damals, als sie modern wurden, waren allerdings keine Viren in der Luft, vor denen man sich durch das Tragen der Schirmmützen hätte schützen müssen.

Die Art, wie die Leute ihre Maske tragen, wenn sie nicht gerade zwingend Nase und Mund verdecken soll, ist individuell. Von meinem Fenster beobachte ich oft Menschen, die gerade mit der Schwebebahn angekommen sind. Ohne Brille betrachtet, haben einige der Menschen hellblaue Wellensittiche auf ihrer Schulter sitzen. Aber es sind doch wohl eher die Schutzmasken, die jetzt nur noch mit einer Schlaufe am Ohr baumeln.

Kürzlich sah ich, wie ein Mann vorm Supermarkt seine schmutzige Schutzmaske aus der Hosentasche zog und aufsetzte. Die Maske sah so schlimm aus, dass ich befürchtete, er würde sie auch zum Naseputzen verwenden. Ich stellte mir dann vor, wie er später an der Kasse steht. Plötzlich geht das Licht aus und ein Spot an, der nur auf ihn gerichtet ist. Und aus dem Off ertönt die Stimme des Marktleiters: „Herr Stratmann trägt seine fucking ekelige  Einwegmaske bei uns heute zum 500. Mal. Herzlichen Glückwunsch, Sie altes Ferkel! An der Kasse werden Ihnen für ihren Einkauf daher heute keine Payback-Punkte gutgeschrieben. Und unsere Kassiererin wünscht Ihnen keinen schönen Tag!“

In einer Gaststätte belauschte ich Schalke 04-Fans, die von ihren Schutzmasken schwärmten, die es im Fan-Shop des ehemaligen Vizemeisters zu kaufen gibt. Der eine mochte lieber den Mundschutz mit dem dezent aufgedruckten Vereins-Logo, der andere eher die blau-weiße Behelfsmaske mit einem großen „S04“ auf Höhe der Nasenspitze. Irgendwie niedlich, wie die Männer sich über ihre Masken unterhielten und freuten. Ob es aber die beliebte Stadion-Wurst aus der Schweinefabrik von Präsident Tönnies in der kommenden Saison noch in der Arena auf Schalke zu kaufen gibt, kann man heute noch nicht sagen. Allerdings würde eine gute Bio-Bratwurst von glücklichen Schweinen dem Verein gut tun. Der Preis hierfür wäre aber wohl knapp 10 Euro. Ich finde, einmal in14 Tagen könnte der Fan sich das leisten, schließlich kosten die Schalke-Masken auch 9,95 Euro. Und die Wurst macht satt und ein gutes Gewissen.

Ich habe übrigens von meinem Lieblingsverein keine Behelfsmasken. Vielmehr habe ich am Sonntagabend mein HSV-Trikot und den Schal verbrannt. Fußball ist für mich aber auch aus ganz anderen Gründen gestorben. Dieser Irrsinn darf keine Zukunft mehr haben. Der DFB, ein größenwahnsinniger Verband, gehört abgeschafft. Irrsinnig hohe Spielergehälter - weg mit alledem! Und sind wir ehrlich: seit Wochen leere Stadien -  da geht doch eh kein Mensch mehr hin. Gott sei Dank!