Corona in Wuppertal Maskenpflicht: „Eine absolute Zumutung für Schüler und Lehrer“

Wuppertal · Nach einer Woche Unterricht offenbaren sich Probleme - die Schulen reagieren mit unterschiedlichen Lösungen.

 Maskenpflicht herrscht auch auf dem Schulhof – für Schulen ist das auch eine Frage der Organisation.

Maskenpflicht herrscht auch auf dem Schulhof – für Schulen ist das auch eine Frage der Organisation.

Foto: Fischer, Andreas

Die Maskenpflicht offenbart sich nach einer Woche Praxis als große Herausforderung für die Schulen in Wuppertal. Personalrat Tino Orlishausen von der Lehrergewerkschaft GEW in Wuppertal sagt: „Die Masken sind sehr problematisch in der Organisation.“ Gerade bei den aktuell höheren Temperaturen. Er stelle zudem fest, dass nach anfänglicher Akzeptanz die Disziplin immer mehr schleifen gelassen werde. Besonders klare Worte findet Jörg Merbecks, Schulleiter der Vohwinkeler Pina-Bausch-Gesamtschule: „Die Maskenpflicht ist eine absolute Zumutung für Schüler und Lehrer.“ Zwar sei diese Lösung noch immer besser als der vor den Sommerferien betriebene Heimunterricht, Merbecks rechne aber nicht damit, dass die strikte Maskenpflicht an Schulen in NRW über den 31. August hinaus fortgesetzt wird.

Derzeit ist es so, dass Schüler und Lehrer auf dem gesamten Schulgelände einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen haben - auch im Unterricht. Das ist in anderen Bundesländern, etwa in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern, nicht der Fall. Die NRW-Regelung gilt zunächst nur für den August. Doch während einige Lehrer auf eine Lockerung der Maskenpflicht in den Schulen zum Ende des Monats hoffen, gibt Schuldezernent Stefan Kühn zu bedenken: „Die aktuellen Corona-Zahlen geben im Moment überhaupt keinen Anlass für Lockerungen.“

Die Herausforderungen, die eine Maskenpflicht an den Schulen bringt, sind vielfältig. Zum Beispiel ist da die Frage: Wann und wo dürfen die Schüler ihre Maske zum Essen und Trinken abnehmen? Dabei haben drei Wuppertaler Schulen drei unterschiedliche Herangehensweisen. An der Hauptschule Barmen-Südwest dürfen die Schüler ausschließlich auf dem Schulhof essen und trinken. „Wenn genug Abstand gehalten wird, können die Schüler ihre Maske auf dem Schulhof dafür abnehmen“, sagt Schulleiterin Svea Marxmeier.

Anders an der Realschule Leimbach in Barmen: Hier dürfen die Schüler wie Rektor Oliver Clemens berichtet, ausdrücklich nicht auf dem Schulhof essen, weil das die Tür dafür öffnen könnte, dass zwischen den Unterrichtsstunden im großen Rahmen auf die Maske verzichtet wird. „Wir machen dafür Pausen im Unterricht, in der die ganze Klasse die Maske abnehmen darf, um zu essen und zu trinken.“

An der Vohwinkeler Pina-Bausch-Gesamtschule ist wiederum der Schulhof der Ort für die Essens- und Getränkepause, es werde aber von der Aufsicht genau darauf geachtet, dass die Regelung nicht ausgenutzt wird, damit der Keks in der Hand nicht zum Freifahrtschein für den unbedeckten Mund wird. Schulleiter Merbecks sagt: „Es ist schwer, ganz allgemeine Regeln zu definieren. Man muss von Fall zu Fall und mit Fingerspitzengefühl entscheiden.“ An allen Schulen wird den jungen Leuten bei Bedarf erlaubt, die Maske kurz zu lüften oder in Ausnahmefällen frische Luft auf dem Schulhof zu schnappen.

Was tun mit Schülern, die ein
ärztliches Attest vorweisen?

Unterschiedlich gehen die drei Schulen auch mit den einzelnen Schülern um, die wegen eines ärztlichen Attests von der Maskenpflicht befreit sind. An der Realschule Leimbach muss ein einziger Schüler Mund und Nase nicht bedecken. Er könne für kurze Zeit mit Maske am Unterricht teilnehmen, werde darüber hinaus mit Distanzunterricht versorgt, heißt es vom Schulleiter. Anders bei den zwei Schülern, die an der Pina-Bausch-Gesamtschule vom Mund-Nasen-Schutz befreit sind. Sie nehmen normal am Unterricht teil und halten dabei aber Abstand zu den Mitschülern. An der Hauptschule Barmen-Südwest befindet man sich für den ersten Attest-Fall noch in der Lösungsfindung. „Wir lassen prüfen, ob ein Gesichtsschutz im Unterricht ausreicht“, sagt Leiterin Svea Marxmeier.

Gewerkschafter und Lehrer Tino Orlishausen fasst zusammen: „Am Ende ist die Maskenpflicht nicht zu Ende gedacht.“ Es gebe viele Grauzonen im Alltag. Was sinnvoll ist, müssten die Schulen in vielen Fällen selbst entscheiden - „aber wir sind doch keine Virologen“. Die Vorgaben des Schulministeriums kamen viel zu spät. Die Schulen müssten jetzt per „Trial and error“ (Versuch und Irrtum) die Konzepte entwickeln. Auch Schulleiterin Svea Marxmeier berichtet, dass die Mail vom Ministerium am Montag in der Woche vor dem Schulstart kam: „Das war relativ knapp.“

In einigen Fällen stehen den Schulen gar nicht alle Werkzeuge zur Verfügung, um die Konzepte durchzusetzen, sagt Orlishausen. Er berichtet, dass es eigentlich vorgesehen ist, dass Klassen, die wegen eines Coronafalls aus dem Präsenzunterricht genommen werden, ab dann zunächst digital beschult werden. Doch Orlishausen beteuert: „Wir haben noch immer keine Endgeräte, die wir den Schülern geben können.“

Das Fazit von Schuldezernent Stefan Kühn zur Einführung der Maskenpflicht fällt moderater aus: „Ich denke, in der Regel ist das gut gelaufen. Es wird wohl ganz verantwortungsbewusst damit umgegangen.“ Aus seiner Sicht seien die Schulen ein vergleichsweise sicherer, weil regulierter Raum. Er sorge sich viel mehr über das Verhalten der Menschen bei privaten Partys, Hochzeiten und beim Feiern im öffentlichen Raum.

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