Jugendring: Mascha Hausmann: „Wo ist noch Freiraum, einfach jung zu sein und sich auszuprobieren?“

Jugendring: Mascha Hausmann: „Wo ist noch Freiraum, einfach jung zu sein und sich auszuprobieren?“

Mascha Hausmanns achtet mit dem Jugendring darauf, dass die Jugendarbeit in Wuppertal nicht ins Hintertreffen gerät.

Wuppertal. In diesem Jahr feiert der Jugendring sein 70-jähriges Bestehen. Über die Arbeit des Jugendrings spricht die Geschäftsführerin Mascha Hausmanns mit der WZ.

Frau Hausmanns, was ist eigentlich der Jugendring?

Mascha Hausmanns: Eine Arbeitsgemeinschaft der Wuppertaler Jugendverbände, von ganz kleinen mit nur 30 Mitgliedern bis zur Sportjugend mit mehr als 25 000 Mitgliedern. Er ist einerseits Netzwerk und andererseits Interessenvertretung gegenüber der Stadt und der Politik allgemein.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit?

Hausmanns: Jeder Mitgliedsverband kann zwei Delegierte zu den monatlichen Mitgliederversammlungen schicken. Die Zahl von zwei Delegierten gilt unabhängig von der Größe der Mitgliedsverbände. So kann nicht ein Verband alle anderen überstimmen.

Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich?

Hausmanns: Wir haben immer wieder Projekte. Vor der OB-Wahl haben wir einen Abend veranstaltet, bei dem sich die Kandidaten Jugendlichen vorgestellt haben. Dann hatten wir ein Projekt zur interkulturellen Öffnung der Jugendverbände. Sie konnten reflektieren, ob sie Jugendliche mit Migrationshintergrund ansprechen, ob es Teilnahme-Barrieren gibt. Bei den Mitgliederversammlungen gibt es immer wieder ein Thema des Monats, zum Beispiel Flüchtlinge oder sexuelle Vielfalt.

Gibt es auch ganz praktische Themen?

Hausmanns: Viele davon lassen sich direkt lösen. Wenn zum Beispiel ein Verband Räume zum Tanzen braucht, meldet sich ein anderer und sagt, das könnt ihr bei uns. Der Jugendring kann gut Kontakte vermitteln, auch zur Stadtverwaltung. Und dann sind natürliche die Zuschüsse ein wichtiges Thema.

Inwiefern?

Hausmanns: Wir erarbeiten einen Vorschlag, wie die Zuschüsse der Stadt unter den Jugendverbänden aufgeteilt werden. Er geht an den Jugendhilfe-Ausschuss, der die Zuschüsse letztendlich beschließt. Es geht um insgesamt rund 100 000 Euro, die nach einem Mitgliederschlüssel verteilt werden.

Was hat ein Verband von der Mitgliedschaft im Jugendring?

Hausmanns: Er profitiert von der Vernetzung, von der Erfahrung der anderen Verbände und vom Einsatz für die gemeinsamen Interessen. Dabei kann er sich auch einbringen.

Wie setzt sich der Jugendring für Jugend-Interessen ein?

Hausmanns: Wir haben einen guten Kontakt zur Politik, sind ja auch mit drei Stimmen im Jugendhilfeausschuss vertreten. In den letzten Jahren hat sich der Jugendring dafür eingesetzt, dass über den notwendigen Ausbau der Kinderbetreuung hinaus die Jugendarbeit nicht aus den Augen verloren wird.

Mit welchem Erfolg?

Hausmanns: Nach jahrelangem Stillstand haben wir vor zwei Jahren eine Erhöhung des Zuschusses unter anderem für den Jugendring erreicht, aus dem die Zuschüsse für die Jugendverbände bestritten werden. Das gleicht zwar nicht die Inflation aus, ist aber doch ein Zeichen, dass trotz der schwierigen Kassenlage die Jugendarbeit nicht nach hinten kippt.

Wie bekannt ist Ihrem Eindruck nach der Jugendring?

Hausmanns: In der Politik und bei den Jugendverbänden sind wir bekannt. Aber ich glaube, nicht, dass jeder Wuppertaler uns kennt. Das liegt sicher auch daran, dass unsere Arbeit nicht für jeden relevant ist. Aber durch große Veranstaltungen mit Kooperationspartnern wie bei „Es lebe die Freiheit“ - zum Gedenken an das KZ Kemna 2013 erreichen wir viele Menschen.

Welche Themen beschäftigen Sie derzeit?

Hausmanns: Eine ganz wichtige Diskussion ist der Umgang mit den veränderten Zeitbudgets. Immer mehr Kinder und Jugendliche haben bis nachmittags Unterricht. Da ist die Frage: Wo ist da noch Freiraum, einfach jung zu sein, sich auszuprobieren?

Das Thema betrifft auch Ihre Mitglieder.

Hausmanns: Ja, Kinder und Jugendliche haben oft erst später am Tag Zeit. Und auch unsere Jugendleiter, zum Beispiel Studenten, haben nicht mehr so viel Zeit wie früher. Deshalb gibt es das „Bündnis für Freiräume“ des Landesjugendrings. Dies setzt sich dafür ein, dass es einen freien Nachmittag pro Woche gibt und der Stundenplan der Schule höchstens 35 Stunden umfasst.

Muss sich auch Jugendverbandsarbeit verändern?

Hausmanns: Die Angebotszeiten verschieben sich eher in den Abend oder ins Wochenende. Ferienfreizeiten sind kürzer, eher zwei statt drei Wochen. Man muss flexibel sein. Auch die interkulturelle Öffnung wird weiterhin Thema bleiben.