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Marienheim in Wuppertal: Anwohnern ärgern sich über die Dauerbaustelle

Stadtentwicklung : Marienheim: Ärger über Dauerbaustelle

Seit Jahren läuft der Umbau des ehemaligen Krankenhauses an der Hardt. Wirklich voran kommt er nicht, klagen die Nachbarn. Der Eigentümer wehrt sich gegen Kritik.

Wenn von großen Dauerbaustellen in Wuppertal die Rede ist, wird fast zwangsläufig das Marienheim genannt. Seit Jahren wird das ehemalige Krankenhaus an der Hardt umgebaut. So wirklich vorangekommen, ärgern sich Nachbarn, seien die Arbeiten nicht. Und ein Ende ist auch nicht abzusehen. Der Eigentümer will sich auf WZ-Anfrage gar nicht mehr zu einem möglichen Fertigstellungstermin äußern, Stadt und Politik seien die Hände gebunden, heißt es, und rund um die Baustelle wächst der Unmut.

„Wie lange müssen Anwohner solche Baumaßnahmen ertragen?“, fragt eine WZ-Leserin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Seit 2012 werde nun schon am und im Gebäude gewerkelt - mit den üblichen Konsequenzen einer Baustelle. Zuletzt habe wieder ein Schwerlaster mit Metallmatten für längere Zeit den Verkehr - inklusive WSW-Bus - behindert, „da er aufgrund seiner Größe und Länge die gesamte Schlieperstraße für die Dauer des Abladeprozesses blockierte“, erzählt die Frau. Über die Jahre habe es immer wieder Einschränkungen für die Anlieger gegeben. Sie spricht von Lärm- und Staubbelästigungen. Die Lebensqualität leide darunter.

Ein anderer Anwohner, Bodo Heinemann, nennt es den „Turmbau von Babel“. Man werde „ab und zu das Gefühl nicht los, dass es hier besonders leicht ist, den lokalen öffentlichen Einrichtungen und Bedarfsträgern auf der Nase herumzutanzen.“ Er macht sich Sorgen um das Erscheinungsbild der Stadt. „Möchte man die Hardt oder den Botanischen Garten besuchen, so passiert man ein Bild des Grauens“, sagt er mit Blick auf die Dauerbaustelle. Für die Besitzer von Eigentum an der Hardt-, Gartenstraße und Runenweg sei es doch unmöglich, bei beabsichtigtem Immobilienverkauf überhaupt zu einem üblichen Marktwert zu veräußern. „Also liebe Verantwortliche der Stadt Wuppertal: Wer nimmt hier das Zepter in die Hand?“

Doch die Möglichkeiten der Verwaltung seien begrenzt, sagt Marc Walter vom Planungsamt. Es gebe eine Baugenehmigung und die erlösche auch nicht, wenn kontinuierlich gearbeitet werde. Dass gearbeitet wird, bestätigen die Anwohner. Doch nur sehr langsam gehe es voran. Oft seien, wenn überhaupt, nur sehr kleine Bautrupps zu sehen.

Den größten „Fortschritt“ gebe es an der Seite Gartenstraße, wo unter anderem seit einigen Jahren die neuen Balkone zu sehen sind. An der Hardtstraße hingegen, wo früher der Eingang zum Krankenhaus lag, hängen teilweise noch die alten Schilder. Viel verändert hat sich nicht gegenüber Ende 2011, als das WZ-Mobil dort Station machte - außer, dass mittlerweile ein Bauzaun dort steht.

Das hatten  auch die WZ-Leser schon vor Jahren gefordert. Thema war der Zustand des leeren Gebäudes. Einige Anwohner äußerten die Hoffnung, dass sich endlich etwas ändere und setzten auf den Eigentümer, der an anderer Stelle in Wuppertal schon gute Arbeit geleistet habe, wie es hieß. Sogar eine Interessentenliste für Wohnungen im Marienheim gab es damals, so erzählte ein Anwesender.

Doch wann dort jemand einziehen wird, ist offen. Der Eigentümer gibt sich auf Anfrage zurückhaltend. Schon vor Jahren hatte er das gesamte Projekt in drei Bauabschnitte aufgeteilt. Der erste sei schon ziemlich weit. Doch gerade im Eckbereich Hardt- und Schlieperstraße gebe es „genehmigungsrechtliche Probleme“. Die Kritik der Anwohner,  Lärm und Staub betreffend, könne er in Teilen nachvollziehen. Allerdings nicht, „dass sie sich beschweren, dass nichts auf der Baustelle passiert, und dann wieder, wenn gearbeitet wird“.

Von 100 geplanten Wohnungen war einmal die Rede

Ein weiteres Problem, das ihn seit Jahren begleitet, ist geblieben: Vandalismus. Mehrfach hatte es in der Vergangenheit gebrannt. Immer wieder, auch noch zuletzt, wurde eingebrochen - trotz diverser Sicherheitsmaßnahmen, die der Eigentümer ergriffen hatte.

Wie viele Wohnungen dort einmal entstehen sollen, könne er aktuell nicht sagen. Es gebe mittlerweile unterschiedliche Entwürfe. 12 000 Quadratmeter umfasst das gesamte Areal, von rund 100 Wohnungen war einmal die Rede.

Dass es Nachfrage geben wird, ist sicher, zeigt sich Marc Walter überzeugt. Auch die Stadt sehe gerne eine Realisierung. Das Marienheim sei ein Prototyp für Bauen im Bestand. Innen- statt Außenentwicklung, die immer wieder gefordert wird, also kein Bauen auf der grünen Wiese.

Die Auffassung der Stadt teilt auch Thomas Kring, Vertreter der SPD im Rat und in der Bezirksvertretung Elberfeld. In der BV sei das Marienheim immer wieder mal Thema gewesen. „Es gab die eine oder andere Beschwerde“, erinnert er sich. Dass sich der Bau so lange hinziehe, „ist schon sehr ärgerlich“. Der Einfluss der Politik sei aber sehr beschränkt. „Es ist nun mal Privateigentum.“ Bedarf an Wohnraum, gerade in dieser Lage, sei auf jeden Fall gegeben.

Der Investor bekräftigt: „Ich will das zu Ende bringen.“ Sauer ist er auf den Vorwurf aus der Nachbarschaft, die angesichts der langen Zeit von einem „Abschreibungsprojekt“ spricht. „Nichts wäre mir lieber, als dass es fertig wird“, gibt er sich entschlossen.