Mann auf der Gathe in Wuppertal auf offener Straße niedergeschossen

Wuppertal : Schüsse auf offener Straße in Elberfeld - wie sicher ist Wuppertal?

Ein Mann liegt blutend auf einer Straße in Elberfeld, sechsmal ist auf ihn geschossen worden - mitten in Wuppertal, auf offener Straße. Ist die Gathe ein Angstraum oder einfach nur Großstadtkiez?

Am Sonntagabend ist ein Mann auf der Gathe in Elberfeld angeschossen worden. Das bestätigte die Polizei der WZ am frühen Montagmorgen auf Nachfrage. Zeugen hatten gegen 21 Uhr berichtet, Schüsse gehört zu haben. Die ausgerückten Beamten fanden einen 36-jährigen albanischen Staatsbürger schwer verletzt auf dem Boden liegend. Sechs Schüsse sollen auf ihn abgefeuert worden sein, sonntagsabends auf offener Straße mitten in Wuppertal. Eine Stadt, die sich zu den sichersten Großstädte Deutschland zählen darf. Innenminister Herbert Reul und Wuppertals Polizeipräsident Markus Röhrl hatten dies bei der Eröffnung der neuen City-Wache in Elberfeld vor wenigen Wochen noch betont.

Wieder fragen sich viele Wuppertalerinnen und Wuppertaler: „Bin ich auf den Straßen in meiner Heimatstadt überhaupt noch sicher?“

Die Zahlen der Kriminalitätsstatistik sprechen da eine deutliche Sprache, sagt Polizeisprecher Stefan Weiand auf WZ-Nachfrage. „In den allermeisten Bereichen sind die Zahlen rückläufig. Wuppertal ist sicher“, erklärt er. Dass es in Wuppertal auf offener Straße geschossen wird, da fallen ihm nicht viele Fälle ein, obwohl er bereits 30 Jahre im Dienst sei. Schusswaffen-Gewalt ist kein Problem in Wuppertal.

Dennoch: Die Staatsanwaltschaft Wuppertal hat nach dem Vorfall auf der Gathe eine Mordkommission eingerichtet, die sich nun um  die Hintergründe der Tat kümmert. „Dabei ermitteln wir ergebnisoffen“, sagt er. Bei dem Opfer handelt es sich laut Polizei um einen albanischen Staatsbürger. Kleinkriminalität, Clankriminaltität - schnell werden im Netz Stimmen laut, die die Herkunft des Opfers mit dem Verbrechen und dessen Hintergründe verquicken. „Denkbar ist es“, sagt Polizeisprecher Weiand und betont: „Aber das ist nur eine von vielen Möglichkeiten.“

Daher laufen die Ermittlungen der Kriminaltechniker in alle Richtungen, noch am Sonntagabend suchten sie am Tatort nach Spuren. Mehrere Patronenhülsen wurden sichergestellt. Von dem Täter oder den Tätern fehle derzeit jede Spur. Die Mordkommission befragt Zeugen und wertet Handyvideos aus, die im Internet zu sehen waren.

Zunächst hatte es nach Angaben von Passanten geheißen, der Mann sei aus einem fahrenden Auto beschossen worden. Diese Angabe konnte die Polizei am Morgen nicht bestätigen. Demnach saß der 36-Jährige am Sonntagabend in seinem Wagen, als er von einem Schuss oder mehreren Schüssen getroffen wurde. Die Gathe war am Sonntagabend von 21.30 bis 23 Uhr mehrere Stunden wegen des Verbrechens gesperrt. Ein Verbrechen, wegen dem die Gathe für manche nun ein Angstraum sein mag, für andere wiederum ist der Kiez Großstadtleben pur.

(ull/dpa)
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