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Mallorca-Mord: Der JVA-Mann und das angebliche Geständnis

Mallorca-Mord: Der JVA-Mann und das angebliche Geständnis

Warum ein wichtiger Zeuge erst im neuen Prozess alles über den angeklagten Torsten T. erzählt.

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p class="text">Wuppertal. Knasterfahrung hat Torsten T.jede Menge. Allein in der Justizvollzugsanstalt Schwerte saß der heute 43-Jährige drei Mal, 2001, 2003 und 2005. Beim letzten Mal stand der Wuppertaler schon im Verdacht, im Sommer 2002 auf Mallorca den Tod der damals 15 Jahre alten Steffi R. aus Lüdenscheid verschuldet zu haben. Und schon damals soll er einem JVA-Mitarbeiter mehr oder weniger direkt seine Schuld am Tod des Mädchens gestanden haben. Der Haken an der Sache: Im ersten Prozess hat der JVA-Mann, obwohl er als Zeuge gehört worden war, nichts von diesem angeblichen Geständnis erzählt. Am Mittwoch nun trat der Mann erneut in den Zeugenstand, bestätigte noch einmal, dass er den Angeklagten aus der JVA Schwerte gut kenne, man sich mehrfach unterhalten habe. Knast-Alltag. Damals, im Jahr 2005, sei T. allerdings mies drauf gewesen. Auf Nachfrage habe T. ihm erklärt: "Wie würdest du dich fühlen, wenn du für den Tod eines Menschen die Verantwortung trägst?" Das klingt schon ziemlich deutlich. Umso genauer fragte das Gericht nach, warum der JVA-Mann das damals nicht spätestens im ersten Prozess gegen Torsten T. ausgesagt habe. Die Antwort des Zeugen: Man habe ihn nicht danach gefragt. Außerdem habe es damals ja bereits jenes Geständnis gegeben, dass Torsten T. gegenüber einem verdeckten Ermittler des LKA abgelegt haben soll.

Verteidigung hält den Zeugen für nicht glaubwürdig

Zur Erinnerung: Genau dieser Einsatz von V-Mann "Dieter" hat dazu geführt, dass der so genannte Mallorca-Mord komplett neu verhandelt werden muss. So wollte es der Bundegerichtshof. Das konnte der JVA-Mann damals, zu Zeiten des ersten Prozesses, allerdings nicht ahnen. Wird so im Nachhinein die V-Mann-Pleite - das damalige Geständnis gilt im neuen Prozess als nichtig - doch noch zum Hebel, um ein Geständnis von Torsten T. zu erhalten? Die Sichtweisen gehen weit auseinander. Während Oberstaatsanwalt Ralf Meyer den Zeugen aus der JVA für glaubwürdig erachtet, hält Verteidiger Klaus Sewald, die Darstellung des Mannes für lebensfremd. Bei einer solchen Aussage eines Häftlings würde doch jeder sofort zu Kollegen gehen und erzählen, was er da gerade gehört hat. Eine wichtige Frage, die das Gericht im Urteil beantworten wird. Allerdings erst im Frühjahr. Bis dahin wird der Prozess mit weiteren Zeugenvernehmungen fortgesetzt. Hintergrund Skurril Von Zeugen ist im Prozess schon viel über das von Voyeurismus und Betrügereien geprägte Leben des Torsten T.gesagt worden. Gestern gab es neue Geschichten. So will T. nur deshalb im Besitz eines Elektro-Schockers und einer Gaspistole gewesen sein, um sich gegen die Zigaretten-Schmuggel-Mafia wehren zu können. Die soll er um 40000 Euro betrogen haben, mit dem Geld nach Mallorca geflüchtet sein. Die Ermittler gehen davon aus, dass T. den Elektro-Schocker für Sex-Angriffe brauchte.

Kurios Einst soll T. als falscher Pfarrer durch Deutschland getingelt sein, wollte so Spenden für Armenprojekte in Südafrika erschwindeln. Zur Erinnerung: Der inhaftierte Wuppertaler arbeitet derzeit in der JVA Simonshöfchen als Küster.