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Maikundgebung: „Aufschwung kommt nicht an“

Maikundgebung: „Aufschwung kommt nicht an“

Rund 1000 Demonstranten wollen höhere Löhne und mehr Gerechtigkeit.

Wuppertal. "Ein KFZler ohne Tarifvertrag ist wie ein Auto ohne Motor.” So stand es am Donnerstag auf einem schwarzen VW-Käfer, der nichts mehr unter der Haube hatte und deshalb auf einem Anhänger den Weg vom Bahnhof Unterbarmen zum Alten Markt zurücklegen musste. Die Mahnung: Wenn die Gesellschaft allzu viele ihrer Mitglieder ziehen muss, kann sie nur krank werden.

Immerhin etwa 1000 Demonstranten begleiteten das lahmende Fahrzeug zur Maikundgebung nach Barmen. So ein imposanter Zug darf um so mehr erfreuen, als in Istanbul zeitgleich alle Proteste und Reden von der Polizei niedergeknüppelt wurden. "Keiner schiebt uns weg”, sang derweil in Wuppertal der Frauenverband "Courage” zuversichtlich, eine Äußerung, die eben nur auf einer demokratischen Grundlage Gültigkeit hat. Eine solche Basis ermöglicht freilich auch, dass ein prominentes Mitglied der SPD und der IG Metall umwälzende Konzepte entwirft, die den Arbeitern in den Knochen stecken. "Mindestlohn wieso? Wozu gibts denn Hartz IV”, schrieb dazu am 1. Mai die Wuppertaler CDU auf ein Banner.

Der Alte Markt war zum Bersten gefüllt, darunter wie immer auch jene Menschen, die schon gänzlich durch das soziale Netz gefallen sind und selbst von Hartz IV nur träumen können. "Die Arbeitslosigkeit wurde in den vergangenen Jahren deutlich gesenkt”, skandierte Ehrengast Hannelore Kraft, SPD-Führerin im Landtag. Der Aufschwung aber komme zu wenig bei den Menschen an. Was die von ihr angeprangerte "klaffende Schere” in der Realität bedeutet, war dann eben bildlich zu vernehmen: die Hüpfburg, die bunten Stände mit Flugblättern und leckeren Kuchenstücken - und gleich daneben die Clochards, für die kein Krümel abfiel.

Wie ein Wink des Himmels, der so etwas nicht billigen kann, setzte mit Krafts ersten Worten heftiger Regen ein. "Sehr gut besucht”, hatte sich Ver.di-Geschäftsführer Dietmar Bell ein wenig zu früh gefreut. Das Unwetter vertrieb einen beträchtlichen Teil der Zuschauer. Der beharrliche Rest applaudierte zu den Forderungen der Gewerkschaft, die sich vor allem die Abschaffung der Dumpinglöhne für Leiharbeiter auf die Fahnen geschrieben hatte.

Oberbürgermeister Peter Jung rief unterdessen zur Teilnahme am Gedenkmarsch nach Kemna im kommenden Juni auf. Dabei bekräftigte er auch, dass es in seiner Amtszeit keine von ihm gebilligte Demonstration der NPD geben werde. "Gute Arbeit muss drin sein”, so das diesjährige Motto des DGB, das eben nur dann Bestand haben kann, wenn auch die braune Liga ausgebremst wird.