Mädchen gegen Jungs

Mädchen gegen Jungs

Sänger Andreas Schleicher präsentiert das zweigeschlechtliche Konzertieren im Café Ada.

Wuppertal. Mädchen gegen Jungs? Das kann man als Konflikt sehen, der schon Alice Schwarzer schlaflos-grüblerische Nächte beschert hat. Mann kann daraus aber auch ein Konzept machen — wie Andreas Schleicher. „Mädchen gegen Jungs“ heißt dessen neues Doppelalbum, bei dem er sich eine Männer-Combo sowie das Indigo-Streichquartett in Person von Heike Haushalter, Petra Stalz, Monika Malek und Gesa Hangen an die Seite geholt hat.

Auf Schleichers Album werden dieselben zehn Songs mal von den Indigo-Damen, mal von einer Männer-Band gespielt — jeweils verstärkt durch Schleichers Gesang. Das ergibt „doppelte Arbeit“, so der Musiker, aber auch vielschichtigen Hörgenuss.

Was beim zweigeschlechtlichen Konzertieren herauskommt, war jetzt im Café Ada zu erleben. Erstaunlicherweise war im Publikum ein leichter Überhang von Jungs zu verzeichnen. Die kamen vielleicht auch, um Mädels zu gucken — die Mädels derweil, um zuzuhören oder Schleicher zu gucken. Immerhin ist er „der schöne Andrzej“ aus der „Popolski Show“ und mit seinem blonden Lockenkopf optisch ein würdiger Nachfolger von Christian Anders.

Apropos: Wenn sich Schleichers „Füße in Beton“ auf „das war’s auch schon“ reimen, wird man unschön an handelsübliche deutsche Schlager erinnert. Ruhe vor solchem Sturm hatte man in der ersten Halbzeit, als Schleicher zu Stings „Shape of my Heart“ griff. Gitarrist André Krengel servierte den Song mit allzu zittrigem Plektrum-Wechselschlag, wo solides Fingerpicking das bessere Ergebnis geliefert hätte.

Was Schleicher den Fans ersparte, war die direkte Gegenüberstellung ein und desselben Songs in wechselnder Besetzung. So wurde es ein klanglich abwechslungsreiches Konzert, in dem vor allem die volle Besetzung mit Jungs und Mädels Genuss bescherte. Denn, um es mal aus der Sicht chinesischer Philosophen zu sagen: Was ist Yin ohne Yang?

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