Wuppertal: Maceo Parker lässt die Stimmung in der Börse kochen

Wuppertal : Maceo Parker lässt die Stimmung in der Börse kochen

Die 76-jährige Jazz-Legende feuerte rasendschnelle Tonfolgen aus seinem Saxofon.

Alle Parkplätze rund um das Kommunikationszentrum „Die Börse“ waren besetzt. Drinnen platzte der große Saal aus allen Nähten. Als es dann losging, kochte sofort die Stimmung über. Das ohrenbetäubende Pfeifen und Grölen dauerte bis zum Schluss des etwa 20-minütigen Zugabensets. Kein Wunder, da man doch lange, ungefähr 24 Jahre, warten musste, bis die lebende Legende wieder in Wuppertal war. Und wer weiß, ob und wann der Herr wieder kommt, der weltweit zu den besten Saxophonisten zählt. Denn 76 Jahre ist er alt. Ist der Groschen gefallen? Aber klaro: Maceo Parker, der „Inbegriff des Funk“ war auf Einladung des Veranstalters „The Bowl“ mit seiner Band da.

Wuchtig war der Druck vom ersten Stück an, der von der Bühne kam. Die Bässe gingen unter die Haut. Die knackige Bass-Drum tat ihr Übriges. Die Rhythmen fetzten, was das Zeug hielt. Eine treibende Nummer löste die andere ab. Beim Publikum blieb kaum ein Bein mehr ruhig auf dem Boden stehen. Die Hände flogen begeistert in die Luft. Für die jung gebliebenen Fans, die Parker über Jahrzehnte treu sind, war diese Show wohl wie eine Frischzellenkur.

Das Ensemble wirbelt energiegeladen auf der Bühne

Dafür sorgten nicht nur Parker selbst, sondern auch seine sechs Spitzenmusiker. Rodney Curtis slapte so wieselflink auf seinem E-Bass, dass einem schwindelig werden konnte. Nikki Glaspie wirbelte energiegeladen auf Trommeln und Becken herum. Will Boulware bearbeitete unentwegt seine Keyboards. Bruno Speight behandelte seine E-Gitarre genauso temperamentvoll. Sie alle hatten außerdem zwischendurch Zeit, mit ihren atemberaubenden jazz-rock-funky Soli ihre ganz hohe Virtuosität zu präsentieren.

Diesen Qualitäten stand Posaunist Greg Boyer in nichts nach, der sich mit Parker wie blind verstand. Sie warfen sich atemberaubende quirlige musikalische Spielbälle zu. Zuständig für den erstklassigen Background-Gesang war Darliene Parker, die überdies mit dem Hit „Stand By Me“ einen ganz großen Soloauftritt hatte.

Dem Soul-Funk-King Parker merkte man sein hohes Alter überhaupt nicht an. Fit wie ein Turnschuh bewegte er sich. Was er aus seiner „Kanne“ (Altsaxofon) herausholte, waren gestochen scharfe, absolut intonationsreine, rasendschnelle Tonfolgen, die keine Wünsche offenließen. Aber auch einen erstklassigen Rap schickte er durch das Gesangsmikrophon.

Das Album „It’s All About Love“ hatte er sich letztes Jahr zu seinem 75. Geburtstag selbst zum Geschenk gemacht. Hier geht es ausschließlich um die Liebe. Die Titel „Who‘s Making Love” oder „I Love You A Bushel And A Peck“ sprechen für sich. Aber auch der Standard „Over The Rainbow“ war gegen Ende mit dabei. Aber nur kurz wie hier ging es etwas ruhiger zur Sache. Es überwog eine geballte Ladung an schweißtreibendem funky Jazz and Soul, die diese Veranstaltung zu einem ganz großem Höhepunkt im diesjährigen Wuppertaler Musikleben werden ließ.

Mehr von Westdeutsche Zeitung