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Luisenviertel: „Beim Lärm ist die Grenze erreicht“

Luisenviertel: „Beim Lärm ist die Grenze erreicht“

Über das „Zusammenleben im Luisenviertel“ diskutierten Anwohner mit Gastronomen und Vertretern der Stadt. Der Tenor: Es müsse eine Lösung her, geredet worden sei genug.

Luisenviertel. Dass „Zusammenleben im Luisenviertel“ offenbar ein Thema ist, das zieht, wurde am Donnerstagabend deutlich. Die gleichnamige Veranstaltung, zu der die Bezirksvertretung (BV) Elberfeld und die Stabstelle Bürgerbeteiligung und Bürgerengagement der Stadt eingeladen hatte, lockte fast 100 Teilnehmer in die Sophienkirche. An drei Thementischen und dem Offenen Tisch konnten sie Probleme, Wünsche und Ideen für das Viertel diskutieren. Und auch wenn viele Bereiche angerissen wurden — praktisch an jedem Tisch kam das Gespräch früher oder später auf die Lärmproblematik. Sie war es auch, die im vergangenen Jahr dafür gesorgt hatte, dass sich erneut eine breite Öffentlichkeit und die Medien mit dem Thema befassten.

Der im gleichen Zeitraum für viel Furore sorgende Vorschlag fürs Bürgerbudget, die Luisenstraße „autofrei“ zu machen, hatte damals endgültig die Politik auf den Plan gerufen, die die Verwaltung beauftragt hatte, dazu ein Beteiligungskonzept zu entwickeln. Das Ergebnis präsentierten Marcel Solar und Clara Utsch von der Stabsstelle gemeinsam mit ihrem Team in der Sophienkirche.

Die Ausführung kam gut an. Zu den Themen Gastronomie, Sicherheit und Lärm, Verkehr und Mobilität, sowie am offenen Tisch gab es rege Diskussionen. Fragestellungen waren unter anderem, was die Beteiligten selbst tun können, was die BV anstoßen kann oder was grundsätzlich verbessert werden muss. So wurden am offenen Tisch zum Beispiel Zukunftsvisionen besprochen, etwa Möglichkeiten, nach dem Vorbild Arrenberg an einem klimaneutralen Luisenviertel zu arbeiten. Ebenfalls ein Wunsch: Eine Beschilderung, die noch deutlicher darauf hinweist, dass in der Einbahnstraße Fahrradfahrer entgegenkommen können.

Bei der Gastronomie waren sich die meisten Teilnehmer, darunter auch einige Wirte, einig, dass der Status quo erhalten werden soll. „Nicht noch mehr Gastronomie“, hieß es mit Blick auf die Herzogstraße. Die Idee der „autofreien“ Luisenstraße fand indes nur wenige Fürsprecher. „Die Autos sind ja gar kein Problem“, erklärte zum Beispiel Marlene Schmidt-Büchele, seit Jahrzehnten im Viertel wohnhaft. Was sich die Teilnehmer von der Politik beim Thema „Verkehr und Mobilität“ wünschen? Zum Beispiel mehr Anwohnerparkplätze, eine „Brötchentaste“ für Kurzbesuche und Kontrollen, dass das Durchfahrverbot am Katzengold eingehalten wird. Alles Vorschläge, die nun auch die in die Planungen für die Qualitätsoffensive Elberfeld einfließen werden.

Die hitzigsten Diskussionen — Solar nannte sie „extrem intensiv“ — gab es aber dann doch vor allem am Tisch „Sicherheit und Lärm“, an dem unter anderem Vertreter des Ordnungsamtes saßen. Schon bei der Begrüßung hatte Bezirksbürgermeister Hans Jürgen Vitenius (SPD) eingeräumt, dass sobald das Wetter wieder schöner war, bei ihm die ersten Beschwerden über nächtlichen Lärm aufgelaufen waren. Einige Anwohner, die seit Jahrzehnten im Viertel leben, schilderten eindrücklich ihre Erfahrungen, und wer im vergangenen Jahr bei der Diskussionsrunde in der Sophienkirche dabei war, erlebte ein Deja-vu. „Es hat sich überhaupt nichts getan“, bestätigten Anwohner gegenüber der WZ. Von Nachtruhe könne am Wochenende oft nicht die Rede sein.

Ihre Kritik richtete sich aber nicht nur an die nächtlichen Partygänger, sondern auch an Gastronomen und Stadt. Dass das Ordnungsamt zum Beispiel kontrolliere, ob die Außenbestuhlung einiger Lokale um wenige Zentimeter zu weit auf die Straße reiche, „wollen wir doch gar nicht“. Die Außengastronomie mache schließlich das Viertel aus. Aber beim Thema Lärm war die Meinung eindeutig: „Es muss etwas passieren. Die Grenze ist erreicht.“ Dass die Gastronomen erneut einwarfen, auf Gäste, wenn sie denn ihren Laden verlassen und lautstark durchs Viertel ziehen, wenig Einfluss nehmen können, wollten die Anwohner so nicht gelten lassen.

Doch gibt es eine Lösung? Erneut kam vermehrt die Idee auf, über Banner oder ähnliches die Besucher des Viertels zu sensibilisieren. Tenor der Anwohner: „Das Luisenviertel ist Wohnviertel.“ Ob das hilft? Die Skepsis überwog. „Zumal das gleiche ja schon beim letzten Mal vorgeschlagen wurde und noch gar nicht umgesetzt wurde.“ Andere forderten mehr Kontrollen. Das sahen auch einige Politiker so. „Es geht nicht ganz ohne Druck“, stellte Gerd-Peter Zielezinski (Linke). Und Joachim Knorr (CDU) erklärte dazu, eine gewisse Präsenz von Ordnungsamt und Polizei „muss schon da sein“. Spielregeln müssten eingehalten werden, so Vitenius, und regelmäßige Streifen würden sicher helfen. Er könne die Sorgen der Anwohner gut nachvollziehen und geredet worden sei nun genug.