Lügen und wie man damit umgeht

Lügen und wie man damit umgeht

Correctiv-Reporter Marcus Bensmann und WZ-Lokalchef Lothar Leuschen diskutierten in der Uni über Fake News.

Mit Blick auf die Weltlage lässt sich — frei nach Marx und Engels — derzeit vermutlich sagen: „Ein Gespenst geht um in Europa. Es ist das Gespenst des Populismus!“ Als Transmissionsriemen für die entsprechenden gesellschaftlichen Befindlichkeiten und Stimmungslagen dienen dabei die sogenannten Fake News — mit Absicht erdachte und vornehmlich im Internet verbreitete Falschmeldungen, die nur darauf abzielen, den politischen oder gesellschaftlicher Widersacher bloßzustellen und zu schwächen.

Wie man als Bürger und als Gesellschaft mit diesen bedenklichen Tendenzen umgehen sollte und welche Rezepte es dagegen gibt, darüber sprachen am Montagabend zwei Journalisten bei einer Podiumsdiskussion des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) der Bergischen Uni: Marcus Bensmann vom gemeinnützigen Recherchezentrum Correctiv und Lothar Leuschen, stellvertretender WZ-Chefredakteur und Leiter der Lokalredaktion Wuppertal. Moderiert wurde die Veranstaltung von dem Asta-Vertreter Markus Wessels.

Bensmann gab zunächst einen Abriss zu dem Phänomen „Fake News“. Solche mit Absicht gefälschten und tendenziösen Meldungen richteten sich stets gegen eine bestimmte Gruppe, wollten die „Realität desavouieren“ und den Zusammenhalt der Gesellschaft unterminieren, erklärte er. Das Internet biete dabei die ideale Spielwiese, um solche Falschmeldungen zu lancieren und viral zu beschleunigen. Das traditionelle Kommunikationsmodell von einem Sender und vielen Empfängern sei unwiderruflich zerstört. Heute gebe es nur noch viele Empfänger und viele Sender - entscheidend für die Glaubwürdigkeit einer Nachricht sei nicht mehr die Quellenlage und faktische Überprüfbarkeit, sondern ob der Empfänger dem Sender vertraut.

Das Internet sei eine „große Agora“, betonte Bensmann mit Verweis auf die griechische Geschichte: Ein Marktplatz, auf dem sich alle möglichen Teilnehmer tummeln — manche mit lauteren, andere mit eher zweifelhaften Absichten. Um der letztgenannten Gruppe etwas entgegenzusetzen, plädierte der Correctiv-Vertreter unter anderem dafür, von journalistischer Seite aus der Desinformation durch Fake News mit „Verlässlichkeit“ zu begegnen. Zugleich sollten die liberal-demokratischen Kräfte Strategien entwickeln, wie der Verbreitung von Vorurteilen und Ressentiments — vor allem im Internet — das Wasser abgegraben werden kann.

Der stellvertretende WZ-Chefredakteur Leuschen verwies darauf, dass es gerade in Zeiten des digitalen Wandels eine „gesellschaftliche Aufgabe“ sei, die Medienkompetenz in der Bevölkerung zu verbessern und den Menschen deutlich zu machen, dass eine Meldung in einem Social-Media-Kanal nicht unbedingt eine vertrauenswürdige Nachricht sein muss. Diese Aufklärung sei „mit Arbeit verbunden“, betonte Leuschen, gleichwohl sei sie unverzichtbar.

Der WZ-Journalist setzt dabei auf die Macht des Wortes: „Das einzige, was uns hilft, ist der Diskurs.“ Man dürfe die Debatte nicht Populisten mit ihren vermeintlichen Lösungen überlassen und müsse immer wieder bereit sein, sich der Diskussion zu stellen. Es gelte das Prinzip: „Steter Tropfen höhlt den Stein!“ Wenn 15 Prozent der Bevölkerung rechtsradikale oder rechtskonservative Ansichten verträten, müsse man sich als Journalist mit dieser Tatsache auseinandersetzen.

Correctiv-Vertreter Bensmann riet in diesem Zusammenhang dazu, nicht auf jede rechtskonservative oder rechtsradikale Einlassung etwa vonseiten der AfD mit Empörung zu reagieren. Geboten sei vielmehr die argumentative Auseinandersetzung mit den entsprechenden Aussagen. Dass es mitunter schwierig sein kann, einen in seiner Filterblase gefangenen Populisten mit sachlichen Argumenten zu erreichen, ist dem Experten gleichwohl klar. Auch wenn man nicht immer etwas bewegen könne, sollte man es aber zumindest versuchen.

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