Warum der WSV einen Traumstart in der Regionalliga hingelegt hat

Fußball : Marzullo trifft und der WSV hebt ab

Dritter Sieg in Folge: Nach dem 3:1 (1:0) in Homberg heißt das Saisonziel weiter Klassenerhalt.

Als der Schuss von Gianluca Marzullo (88.) zur 2:1-Führung im Tor des VfB Homberg einschlug, da schien die Schwerkraft für einige Sekunden aufgehoben. Alle Wuppertaler im Stadion hoben im wahrsten Sinne des Wortes ab, keinen hielt es in diesem Moment am Boden. Welche Glücksgefühle der Fußball auslösen kann, war am Jubel der Mannschaft, der Trainer, Betreuer und Fans abzulesen.

Emotional kam beim Treffer zum 2:1 für den WSV kurz vor dem Ende der Partie ja auch einiges zusammen. Es war der Augenblick, in dem sich die Mannschaft für ihren großen Einsatz in den ersten drei Saisonspielen selbst belohnte und die Hoffnung auf einen Traumstart Realität wurde. „Und dann trifft Marzullo ins kleine Netz“, beschrieb Hombergs Trainer Stefan Janßen den Kunstschuss des WSV-Torjägers, der mit Vollspann aus 18 Metern flach ins Eck gezielt hatte. Da blitzte Marzullos fußballerische Klasse auf.

Der Fußballkunst ging eine Willensleistung des WSV mit gewonnenen Zweikämpfen an der Mittellinie voraus und einem Sturmlauf von Lukas Knechtel, der den Ball in die Spitze zu Marzullo schleppte. Und dann dauerte es nur noch Sekundenbruchteile, bis sich der Stürmer Gegner und Ball zurecht gelegt hatte – und dann nur noch einen Atemzug, bis alle Wuppertaler unter den 720 Zuschauern für eine Sekunde schwebten.

Die Partie hatte den Charakter des Duells zweier Aufsteiger. So spielen jedenfalls Aufsteiger zu Beginn einer Saison. Sie werfen alles, was sie aufzubieten haben, in die Zweikämpfe. Fehler werden gemacht – und so gut es geht – von Mitspielern ausgebügelt. Fehler gab es reichlich in dieser Partie. Die Gastgeber leisteten sich den entscheidenden in der 88. Minute. „Beim 1:2 hätten wir den Angriff an der Mittellinie stoppen können, aber dann läuft das Spiel weiter“, sagte Janßen nach dem Spiel.

WSV-Trainer Andreas Zimmermann ließ sich nicht von seinen positiven Emotionen leiten, analysierte den Spielverlauf sehr sachlich: „Es war das erwartet schwere Spiel, das wir am Ende sehr, sehr glücklich 3:1 gewonnen haben.“ Der WSV ist zwar kein Aufsteiger, aber nach den Turbulenzen im Verein zum Ende der vergangenen Saison und dem Neuaufbau einer kompletten Mannschaft hat das Team die Spielphilosophie eines Aufsteigers angenommen. Diese Einstellung betrifft auch das Saisonziel, das Zimmermann weiterhin klar mit „Klassenerhalt“ benennt.

Edin Pepic hat in Pfosten
und Latte treue Verbündete

Es gibt gute Gründe für den WSV, die bisherige Zielsetzung beizubehalten. Nach dem 1:0-Führungstreffer von Lukas Knechtel (26.) mussten die Wuppertaler vor allem in der zweiten Spielhälfte einige bange Momente überstehen. Der Ausgleichstreffer von Berisha (54.) deutete sich mehrfach an, weil der WSV unter anderem Probleme auf seiner rechten Abwehrseite bekam. Dort musste Semir Saric für die verletzten Noah Salau und Nick Osygus (kurzfristig am Fuß verletzt) die defensive Rolle übernehmen.

Die Gastgeber wollten mehr, wechselten offensiv aus. Die beste Chance der Homberger war ein Fernschuss von Kacinoglu, der volley aus 25 Metern die Latte traf. Es war der fünfte gegnerische Pfosten- oder Lattentreffer in zwei Spielen. Wie würde die Bilanz des WSV wohl aussehen, wenn der wieder große Sicherheit ausstrahlende WSV-Keeper Edin Pepic nicht solch treue Verbündete hätte? Doch auch ohne Pfosten und Latte ist auf Pepic Verlass, der seinen jungen Vorderleuten den Rücken stärkt. Seine Verpflichtung hat sich als Glücksgriff erwiesen. Bei Berishas Kopfball war er machtlos.

Unter dem Strich stehen für den WSV neun Punkte aus drei Spielen und der zweite Tabellenplatz. Am Freitag (Anstoß 19.30 Uhr) kommt die U 23 des 1. FC Köln ins Stadion am Zoo. Der WSV wird wieder als Außenseiter auflaufen und muss wieder wie ein Aufsteiger um den Klassenerhalt kämpfen.

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