Blick auf die untere Tabellenhälfte ist für den Wuppertaler SV Pflicht

Fußball-Regionalliga : Die Anzahl der Chancen spricht für den WSV

Analyse: Bei der 0:1-Niederlage gegen die U 21 des 1. FC Köln offenbarten die Wuppertaler ihre Stärken und Schwächen.

Fünf Punkte Vorsprung hat der Wuppertaler SV auf die Abstiegsplätze in der Regionalliga West. Nach der 0:1-Niederlage gegen die U 21 des 1. FC Köln und mit der Partie beim Spitzenreiter SV Rödinghausen vor der Brust ist es für die Wuppertaler an der Zeit, den Blick wieder auf die unteren Regionen der Regionalliga West zu richten. WSV-Trainer Andreas Zimmermann begann damit gleich nach der Partie gegen die Kölner am Freitagabend. „Wir sind enttäuscht, weil wir ungeschlagen bleiben wollten. Jetzt schütteln wir uns und wissen genau, dass die bisher eingefahrenen neun Punkte gegen den Abstieg sind.“

Die erste Niederlage in einem Pflichtspiel war für Spieler, Trainer und Fans sehr aufschlussreich, um Stärken und Schwächen zu erkennen. Ernüchternd verliefen weite Phasen der ersten Spielhälfte, als der WSV keinen Zugriff bekam und die Kölner ohne Gegendruck ihr Spiel in die Breite ziehen konnten. Da wurden die Räume weit und der WSV rannte hinterher.

Entlastung nach vorne gab es kaum, weil das Umschaltspiel nicht in Fahrt kam. So musste sich der WSV mehrfach mit Befreiungsschlägen helfen. Das ist als Mittel in höchster Not legitim, aber da die Bälle gleich mehrfach nach vorne gedroschen wurden, wurde deutlich, wie sehr die WSV-Spieler in dieser Phase mit dem Rücken zur Wand standen.

Für den WSV spricht, dass die Mannschaft selbst dann noch zu guten Torchancen kam. Mit langen Bällen überraschte der WSV den Gegner, was schon in den Partien gegen Aachen, Dortmund oder Homberg gelungen war. Großes Manko gegen Köln: Diesmal blieben die vier, fünf klaren Torgelegenheiten ungenutzt. Hätte der WSV das berühmte Quäntchen Glück im Abschluss gehabt, wäre ein Punkt möglich gewesen. „Wir hatten aber natürlich viel Glück in den letzten Wochen“, sagte Zimmermann nach der Partie. Wohlwissend, dass das Glückskonto des WSV bei nunmehr sieben Pfosten- und Lattenschüssen der Gegner schon arg strapaziert worden ist.

Der WSV kam bisher auch gegen spielstärkere Teams wie Dortmund, Aachen oder Köln zu einer Reihe von sehr guten Chancen. Torchancen sind das Kriterium, das vielleicht am meisten darüber aussagt, ob eine Mannschaft in einer Liga konkurrenzfähig ist. Unabhängig davon, ob die erspielten oder erarbeiteten Chancen verwertet werden, lässt dies für den weiteren Saisonverlauf hoffen.

Gegen Köln setzte sich das
WSV-Team zu sehr unter Druck

Am Einsatzwillen der Mannschaft gibt es keinerlei Zweifel. Gegen den 1. FC Köln war allerdings spürbar, dass Erwartungsdruck auf der Mannschaft lastete. In der Anfangsphase fehlte die Lockerheit und Unbekümmertheit. Erstmals - so schien es - setzte sich das Team selbst unter Druck.

Die WSV-Spieler liefen Ball und Gegner hinterher, ließen sich aber nicht zermürben. Weil die Kölner durch ihre Nachlässigkeit vor dem Wuppertaler Tor die Tür offen ließen, setzten die Gastgeber nach und boten ihren Fans eine dramatische Schlussphase. Und die 2680 Zuschauer im Stadion am Zoo gingen voll mit, nachdem sich zwischenzeitlich Ernüchterung auf den Rängen breit gemacht hatte.

„Wir müssen um jeden Punkt fighten und werden das auch in Rödinghausen tun“, kündigte Zimmermann an. Der WSV-Trainer hat die Leistungsfähigkeit seiner Mannschaft bisher immer sehr treffend eingeordnet. Dass die Mannschaft nach dem fünften Spieltag (mit einem ausgetragenen Spiel weniger als einige Konkurrenten) mit neun Zählern auf dem dritten Tabellenplatz der Regionalliga steht, ist weit mehr als zu erwarten war. Doch wichtiger ist, wie Zimmermann fordert, den Blick auf den 15. Tabellenplatz zu richten. Auf den hat sich der VfB Homberg mit nunmehr vier Punkten auf der Habenseite vorgearbeitet.

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