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Wuppertaler Schwimmer belohnen sich in Berlin

Schwimmen : Schwimmer belohnen sich in Berlin

Nach schwieriger Vorbereitung schneiden die Starter des SV Bayer bei den Deutschen Meisterschaften überraschend gut ab. Die Medaillen für Emre Demirdas und Jan Delkeskamp bilden den krönenden Abschluss.

Ohne große Erwartungen war SV-Bayer-Trainer Michael Bryja mit seiner kleinen Schwimm-Abordnung nach Berlin zu den Deutschen Meisterschaften gefahren. Schließlich hatten bis auf den in den USA studierenden Jan Delkeskamp alle in den vergangenen zwölf Wochen pandemiebedingt kein Wassertraining, weil sie keinem National- oder Landeskader angehören. Umso erfreulicher war für Bryja das Abschneiden seiner Schützlinge, das am Sonntag durch die Silbermedaille von Emre Demirdas über 50 Meter Schmetterling und Bronze von Jan Delkeskamp über 200 m Lagen noch eine unerwartete Krönung erfuhr. „Ich bin sehr positiv überrascht“, freute sich Bryja.

Das Krafttraining, das in den vergangenen Wochen nur möglich gewesen sei und teilweise im eigenen Wohnzimmer der Schwimmer stattgefunden habe, habe sich ausgezahlt. Wenig verwunderlich, dass gerade die Sprinter wie Demirdas und Moritz Schaller die wenigsten Einbußen zu verzeichnen gehabt hatten. In diesem Zusammenhang hob Bryja aber auch die Leistung von Brustspezialist Alexander Kühling hervor, der über 100 und 200 m Brust den B-Endlauf erreichte, über 100 m sogar eine persönliche Bestzeit aufstellte und über 50 m ins A-Finale schwamm. Vivien Selling sei über 50 m Brust und Rücken nahe an ihre Bestzeiten herangeschwommen. Jana Markgraf, die sich über 100 und 200 m Schmetterling stellte, habe man dagegen den Trainingsrückstand am meisten angemerkt.

Bei Emre Demirdas und Moritz Schaller - beide Jahrgang 2000 - hatte dagegen im Finale über 50 Meter Schmetterling alles gepasst: Start, Tauchphase, Übergang und Anschlag. Zumal auf der kurzen Strecke schon Winzigkeiten den Ausschlag geben. Demirdas hatte am Morgen vorsorglich die 100 m Freistil abgemeldet, um nicht an Explosivität einzubüßen, und das zahlte sich aus. Im Vorlauf waren Schaller und Demirdas die dritt- und viertbeste Zeit geschwommen und legten im Finale beide noch etwas drauf. Für Demirdas reichte es mit einer persönlichen Bestzeit von 24,37 Sekunden zu Platz zwei, Schaller wurde in 26,56 Sekunden Sechster.

Sonnyboy im Team war aber von Beginn an Jan Delkeskamp. „Er hat sich in den USA auch menschlich ungeheuer weiterentwickelt“, sagt Michael Bryja über den 21-Jährigen, der in diesem Jahr auch schon mit seinem Collegeteam Erfolge gefeiert hat. „Über 100 und 200 Meter Brust hatte ich fast noch einen Ticken mehr erwartet, über die 200 Meter Lagen ist dann der Knoten geplatzt“, kommentierte Bryja den Auftritt seines Teamleaders. Nach den Plätzen sieben und sechs über die Bruststrecken war es genau diese Lage, die Delkeskamp am Sonntag nach vorne brachte. Am Morgen habe ich mich schon gut gefühlt, bin da schon persönliche Bestzeit geschwommen. Im Finale habe ich dann richtig taktiert, bin etwas langsamer angegangen, und das hat sich nach hinten heraus ausgezahlt“, sagte der 21-Jährige. In 2:02,91 Minuten steigerte er seine persönliche Bestzeit noch einmal um zwei Sekunden.

Sarah Poewe verliert Uralt-Rekord an Top-Talent Anna Elendt

Eine Wuppertaler Schwimm-Ikone ist ihren Uralt-Rekord in Berlin losgeworden. Seit elf Jahren, seit der DM in Rom, stand Sarah Poewe mit 1:07,01 über 100 Meter Brust in der deutschen Bestenliste. Jetzt schwamm die 20-jährige Anna Elendt, die in Rekordzeit auch Meisterin über 50 Meter wurde, eine halbe Sekunde schneller. „Ich habe mich sehr gefreut, es wurde ja Zeit“, kommentierte den neuen Rekord Sarah Poewe, die in Wuppertal am Fernsehschirm zugeschaut hatte und in zwei Wochen ihr zweites Kind erwartet.