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Wuppertaler Nils Walbrecht ist WM-Koch in Ägypten

Teamkoch : Wuppertaler Nils Walbrecht kocht für WM-Handballer in Ägypten

Nils Walbrecht muss für vier Mahlzeiten am Tag sorgen und die Deutschen für die WM in Ägypten fit halten. Dass er wegen Corona nicht mitfliegt, war für ihn nie ein Thema.

Er ist dabei. Wieder dabei. Als der Flieger an diesem Dienstag gen Kairo abhob, gehörte Nils Walbrecht der deutschen Delegation an. Bei der Handball-WM in Ägypten (13. bis 31. Januar) wird der gebürtige Wuppertaler für die deutsche Nationalmannschaft kochen, ist damit ein wichtiger Faktor.

Für den 39-jährigen Ehemann und zweifachen Vater hatte sich die Frage nie gestellt, ob er mit in das nordafrikanische Land reisen soll. Ein Spieler nach dem anderen hatte aus persönlichen Gründen abgesagt, Walbrecht ist dem Team treu geblieben. „Die Corona-Blase um uns herum ist sehr sicher“, glaubt der Mann vom Herd. „Wir werden keinen Kontakt zu anderen haben.“

Er betont, keine Angst vor dem Virus zu haben. Dabei hat er Corona schon am eigenen Leibe erlebt. Im Oktober war er positiv, litt an hohem Fieber, dazu ging der Geruchssinn flöten. Er ist genesen, sodass er ohne jegliche Einschränkungen seiner Arbeit als Koch nachkommen kann. Darauf freut sich Nils Walbrecht. Bei der Europameisterschaft vor genau einem Jahr hatte er dem Team erstmals angehört und seine Sache offenbar so gut gemacht, dass sich der Deutsche Handballbund auch jetzt wieder einen eigenen Koch bei einem solchen Großturnier gönnt. Für Walbrecht steht fest: „Ich bin glücklich, und die Mannschaft ist glücklich.“

Nils Walbrecht und BHC-Spieler David Schmidt sind am Dienstag in Richtung Ägypten aufgebrochen. Foto: WZ/NW

Er ist für vier Mahlzeiten zuständig: fürs Frühstück, für das Mittagessen, für einen Snack vor der Partie und für das Abendessen. Da müssen die zeitlichen Abläufe nicht nur passen – es muss auch schmecken. Und Walbrecht hat natürlich mit seinen Speisen dafür zu sorgen, dass die einzelnen Akteure nach ihren Auftritten schnell regenerieren können, zudem Unverträglichkeiten berücksichtigt werden.

Da kann er nichts dem Zufall überlassen. „Die Aufregung ist bei mir immer noch da“, sagt er. Dabei hat er sich bei der EM (damals in Österreich, Norwegen und Schweden) ebenso bewährt wie auch bei späteren Lehrgängen. Man weiß beim DHB, was man an dem ganzheitlichen Ernährungs- und Vitalstoffberater hat, der in Dortmund eine Kochschule betreibt (Erlebbar), große Unternehmen berät und eben auch für die Handball-Nationalmannschaft kocht. Walbrecht ist belastbar, muss es angesichts von extrem langen Arbeitstagen auch sein.

Er möchte dazu beitragen, dass das Team erfolgreich abschneidet. Trotz der personellen Nöte. Die Generalproben mit den EM-Qualifikationsspielen in Österreich (36:27) und dem Rückspiel in Köln (34:20) waren sehr gelungen. Damit hat das Team das EM-Ticket bereits in der Tasche.

Jetzt fiebern alle dem Start in die WM an diesem Freitag gegen Uruguay entgegen. Eine lösbare Aufgabe für das Team von Trainer Alfred Gislason, der das Nationalteam von Christian Prokop übernommen hat und mit David Schmidt und Lukas Stutzke gleich zwei Spieler des Handball-Bundesligisten Bergischer HC für die WM nominierte. 

„Die deutsche Mannschaft ist grandios“, findet Nils Walbrecht. Dabei bezieht er sich vor allem auf das Miteinander im Team: „Man wird bei jeder Mahlzeit herzlich begrüßt und spürt die Dankbarkeit der Spieler.“ Zu einzelnen Akteuren wie Jogi Bitter (Stuttgart) und Marcel Schiller (Göppingen) hält er auch außerhalb von WM oder EM Kontakt. „Marcel bittet mich beispielsweise schon mal nach Ernährungstipps“, sagt Walbrecht. „Ist doch klar, dass ich ihm dann helfe.“

Man spürt: Es passt bestens mit Walbrecht und der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Und die Zusammenarbeit muss nach der Weltmeisterschaft in Ägypten noch längst nicht beendet sein. Weitere große Ziele stehen an. Man denke nur an die Olympischen Sommerspiele in Tokio (Japan), die für dieses Jahr terminiert sind.

Der in Wermelskirchen lebende Nils Walbrecht hofft, auch dann wieder ein wichtiger Teil der deutschen Mannschaft zu sein: „Solange ich für die Jungs kochen darf, mache ich das natürlich sehr gerne. Ich liebe meinen Job.“ Was er mit seinen Kochkünsten morgens, mittags und abends beweist.