Wuppertal gratuliert Beer Sheva

Wuppertal gratuliert Beer Sheva

Hapoel, der Club aus Wuppertals Partnerstadt, ist wieder israelischer Meister geworden. Einen Austausch im Fußball gab es noch nicht.

Im Gegensatz zum Wuppertaler SV, der derzeit erst wieder Anlauf in Richtung Profifußball nimmt, ist der Fußballverein aus Wuppertals Partnerstadt Beer Sheva in Israel eine ganz große Nummer. Gerade hat Hapoel Beer Sheva zum dritten Mal in Folge die israelische Meisterschaft gefeiert. Sehr zur Freude von Amiram Paltin, Vorstandsmitglied des Wuppertaler Freundeskreises Beer Sheva, der ein begeisterter Hapoel-Anhänger ist.

Paltin ist aus der ersten Ehe hervorgegangen, die zwischen einer Wuppertalerin und einem Israeli aus Beer Sheva geschlossen wurde. „Seine Mutter Veronika aus Oberbarmen war mit beim ersten Jugendaustausch in Beer Sheva“, erinnert sich Ernst-Andreas Ziegler, 1977 einer der Mitorganisatoren der Städtepartnerschaft. Diese war damals die erste überhaupt zwischen einer deutschen und einer israelischen Großstadt und sorgte für große Aufmerksamkeit.

Amiram Paltin lebt seit 14 Jahren in Deutschland, verfolgt aber stets am Liveticker mit, wie sein Herzensclub in Isreal spielt. „Es war eine sehr schwierige Saison“, berichtet der Dozent für Medienwissenschaft an der Uni Bochum, zählt langwierige Verletzungen von Stammspielern, eine wohl ungerechtfertigte Dopingsperre gegen den Stamm-Innenverteidiger und den im Training erlittenen Herzstillstand von Kapitän Elyaniv Barda auf. Er wurde zwar gerettet, musste aber mit dem Fußball aufhören und durfte am Montag beim letzten Saisonspiel gegen Netanja noch einmal für eine Minute aufs Feld. Die Meisterschaft war da bereits in trockenen Tüchern.

Paltin denkt schon lange darüber nach, mal einen deutsch-israelischen Fußballaustausch zu initiieren. „Es wäre schön, wenn ich Beer Sheva zum Trainingslager nach Deutschland holen könnte. Ich weiß allerdings nicht, wie hoch die Bereitschaft bei den Isrealis ist, etwa gegen den WSV zu spielen“, sagt Paltin angesichts des Klassenunterschieds. Beer Sheva, dessen Kader mit rund 20 Millionen Euro einen vergleichbaren Marktwert hat wie der von Fortuna Düsseldorf, traut er durchaus zu, sogar in der ersten Bundesliga mitzuspielen.

Zu Beginn der Städtepartnerschaft in den späten 70er-Jahren war der Unterschied noch deutlich geringer. Der WSV war gerade aus der ersten Liga abgestiegen, Hapoel hatte 1975 seinen ersten von jetzt fünf israelischen Meistertiteln gefeiert, war aber etwas auf dem absteigenden Ast.

„Wir haben in den Anfangsjahren immer wieder versucht, einen Fußballaustausch hinzukriegen“, erinnert sich Ernst-Andreas Ziegler. In anderen Sportarten, etwa im Handball, wo Karl-Heinz Scheer mit dem LTV einen Besuch in Isreal organisiert hat, habe das auch sehr gut funktioniert, in puncto WSV — Beer Sheva aber nicht. Ziegler: „Die Bereitsschaft war da, aber es war dem WSV wohl zu teuer.“

Vielleicht könnte es ja nun — nicht nur durch Freundeskreis-Vorstandsmitglied Amiram Paltin — einen neuen Anlauf geben. Schließlich hat WSV-Sportvorstand Manuel Bölstler selbst 2011/12 als Spieler des damaligen Zweitligisten Hapoel Kfar Saba Isreal kennen- und liebengelernt. „Ich hatte da die beste Zeit meiner Fußballerkarriere, die Israelis sind ungeheuer gastfreundlich“, berichtet Bölstler. Wenn sich eine Fußballbegegnung möglich machen würde, sei er sehr daran interessiert, zumal er noch nicht gewusst habe, dass Beer Sheva Wuppertals Partnerstadt sei. Mit Hapoel habe er damals sogar gesprochen. „Ein möglicher Wechsel in die erste israelische Liga war mir aber zu unsicher, weil Beer Sheva an der Grenze zum GazaStreifen liegt und damals täglich Raketen flogen.“

Amiram Paltin hätte in Bölstler jedenfalls jetzt einen israelaffinen Ansprechpartner. „Mir schweben bei einem möglichen Deutschlandbesuch von Hapoel Spiele gegen Erstligisten und den WSV vor.“ Auch in Oberbürgermeister Andreas Mucke fände Paltin einen Befürworter. „Das wäre ein tolles Zeichen im Sinne der Völkerverständigung. Vielleicht findet sich ja ein Sponsor“, so Mucke, der ein Glückwunschschreiben an seinen israelischen Amtskollegen sendet.

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