Skaten: Wicked Woods springt mit auf Europa-Niveau

Skaten : Wicked Woods springt mit auf Europa-Niveau

52 Scooter-Fahrer aus ganz Europa nahmen in Oberbarmen an der EM-Quali teil.

„Battle of the Ramps“, nannte sich der international hochwertigste Wettkampf, der in der Skater-Halle Wicked Woods bisher stattgefunden hat. Und wer am Samstagabend die atemberaubenden Flips (Salti) und Spins (Drehungen) verfolgte, die mit den kleinen Scooter-Rollern zum Teil drei- bis vierfach gezeigt wurden, der wusste, dass das nicht zu viel versprochen war. 52 Asse aus ganz Europa hatten sich in Wuppertal zu dieser Ausscheidung für die Europameisterschaften versammelt. Sie waren großteils schon in der Woche angereist, denn auf diesem Niveau ist Scooter-Fahren bereits Profisport, in dem die Ausrüster ihre besten Fahrer auch finanziell unterstützen, Hotelaufenthalt inklusive.

Weltmeister mit 379 000 Followern auf Instagram

Der Marktwert der Könner, die pro Woche teilweise 20 und mehr Stunden auf ihrem Brett stehen, bemisst sich in Klicks in Sozialen Netzwerken. Jordan Clarke, dreifacher Welt- und Europameister aus Großbritannien, etwa hat 379 000 Follower bei Instagram. „Wenn der hier startet, ist das für uns natürlich beste Werbung“, sagt Dirk Blaeser, Geschäftsführer von Wicked Woods, das in Trägerschaft von Wichernhaus und Jobcenter als Soziales Projekt betrieben wird, stolz. Wie weit die Halle mit ihren bescheidenen Mitteln, aber der in der Szene geschätzten Atmosphäre und hervorragenden Rampenanordnung gekommen ist, zeigt ein Vergleich. Bei einer ähnlichen Ausscheidung für Europa- und Weltmeisterschaften hatten sich in der Woche zuvor im Skaterpark von Eindhoven, einer Anlage die Millionen an Zuschüssen erhält, nur 29 Fahrer beteiligt.

„Die Halle hier ist für alle gut erreichbar, und die Wettkämpfe sind top-organisiert“, meinte der niederländische Shootingstar Daan Melis (18), der vor allem mit der Höhe seine Sprünge begeisterte. Einer war sogar so hoch, dass er eine Deckenplatte berührte. „Crazy boy“ nannte der professionelle Caller (Sprecher) aus Großbritannien, der jede der 45 Sekunden langen Läufe der Profis kommentierte“, den jungen Niederländer. Melis hatte bereits vor zwei Jahren in Wuppertal gewonnen, als der Wettkampf noch kleiner war, und im vergangenen musste er wegen eines Kreuzbandrisses passen. Seinen Wagemut hat das offensichtlich nicht geschmälert, wie überhaupt auf Top-Niveau kaum jemand mitfährt, der nicht schon mal eine schwere Verletzung hatte. Einen missglückten Sprung zu landen, ohne sich zu verletzen, gehört denn auch zu den vielleicht größten Kunststücken der Scooter-Fahrer. Auch das war am Samstag in Perfektion zu beobachten. Dass es dennoch die ein oder andere Verletzung gab - ein Teilnehmer aus Tschechien hatte sich den Mittelfuß gebrochen, wollte sich vom Rettungswagen aber nicht ins Krankenhaus fahren lassen, sondern lieber weiter zuschauen - gehört in diesem Sport zur Normalität. Zuschauen musste auch Malte Blum aus Mönchengladbach, einer der Locals, die regelmäßig in Wicked Woods trainieren. Er hatte sich am Vorabend bei einem von den Fahrern selbst veranstalteten Bowl-Contest in der sogenannten „Wanne“ von Wicked Woods den Fuß verknackst. „Zum Glück habe ich mich schon in der vergangenen Woche in Eindhoven für die EM qualifiziert“, meinte er. Trotz Humpelfuß war er in seinem sportichen Wohnzimmer natürlich dabei, um die Kumpels aus ganz Europa zu treffen. Darunter neben Weltmeister Jordan Clark, der auch diesmal nicht zu schlagen war, den erst elfjährigen britischen Teeniestar Charles Dyson oder den Tschechen David Senkyr, der sich hinter dem schon qualifizierten Clark das „Golden Ticket“ für die WM holte.

Dirk Blaeser und seine Crew konnten sich bei alledem weitgehend entspannt zurücklehnen, denn die ISA - die International Scooter Association - hatte die Organisation des Wettkampfes an eine Profiagentur aus Dänemark vergeben. „Auch von denen haben wir viel Lob für unsere Halle bekommen“, so Blaeser lächelnd.