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Wenn möglich geht’s zum Schulsport in Wuppertal nach draußen

Schulsport : Wenn möglich geht’s nach draußen

Wie die betroffenen Schulen mit den neuerlichen Hallenschließungen umgehen.

Die Turnhalle an der Grundschule Birkenhöhe ist eine der typischen, kleineren Hallen, die seit dieser Woche wegen unzureichender Lüftungsmöglichkeiten geschlossen bleiben müssen. Rundherum holzvertäfelt, eine Seite komplett mit Glasbausteinen bestückt, die zwar Licht hereinlassen, durch wenige, recht kleine Klappelemente aber kaum Frischluft, selbst wenn auf der anderen Seite die Türen geöffnet werden.

21 Turnhallen sind es mit den zehn seit Montag hinzugekommenen inzwischen, die vom Gebäudemanagement der Stadt gesperrt wurden, weil sie den Vorschriften der Corona-Schutzverordnung für einen notwendigen Luftaustauch durch Querlüftung nicht entsprechen.

 Die Turnhalle der Grundschule Birkenhöhe gehört zu denjenigen, die geschlossen werden mussten. Schulleiterin Gabriele Schmitz hat Verständnis dafür.
Die Turnhalle der Grundschule Birkenhöhe gehört zu denjenigen, die geschlossen werden mussten. Schulleiterin Gabriele Schmitz hat Verständnis dafür. Foto: Fischer, Andreas H503840/Andreas Fischer

Dutzende Schulen und gut 100 Vereinsangebote sind betroffen

Wie an der Birkenhöhe sind in der Hauptsache Schulen betroffen. Für insgesamt rund 20 Grundschulen fällt oft ihre einzige Halle weg. Die weiterführenden Schulen - auch hier ist ein gutes Dutzend betroffen - haben meist noch weitere Hallen. Für die Vereine - schon jetzt sind gut 100 Vereins-, Verbands- oder sonstige Gruppenangebote betroffen - ergibt sich die Problematik erst nach dem November, falls sie nach dem aktuellen Lockdown, den Betrieb wieder aufnehmen dürfen, was derzeit allerdings alles andere als sicher scheint.

„Schon für die Schulen können wir bei dieser Menge kaum Alternativen anbieten, auch wenn wir natürlich auf der Suche nach Lösungen sind“, sagt Sportamtsleiterin Alexandra Szlagowski. Ihr Amt ist für die Vergabe der Hallenzeiten verantwortlich. Und sie rechnet im Winter eher noch mit einer Verschärfung der Lage. Dann müssen eventuell weitere Hallen gesperrt werden, weil mit sinkenden Außentemperaturen und offenen Türen und Fenstern die Beheizung nicht mehr gewährleistet werden kann und Gebäudeschäden zu befürchten sind.

Momentan geht es an vielen Schulen zum Sportunterricht wenn möglich noch nach draußen. Außerdem ist Kreativität der Lehrer beim Thema Bewegung gefragt. „Bewegung ist wichtig, gerade auch in Coronazeiten“, sagt Gabriele Schmitz, Schulleiterin der Grundschule Birkenhöhe. Auch schon vor Corona hätten sie etwa Bewegungsstunden in der Klasse, so genanntes Braingym, fest in den Schulalltag eingebunden. Zu den Ritualen, die eben auch den äußeren Gegebenheiten - vornehmlich dem Wetter - angepasst würden, gehören an der Schule auch spontane Waldspaziergänge oder sogenannte Flitzepausen. „Wir lassen dann die Schüler einmal über den Schulhof flitzen“, berichtet Gabriele Schmitz. Zwiebellook bei den Schülern, bei dem für die Bewegung die ein oder andere Kleidungsschicht abgelegt und später wieder angelegt werden kann, sei in Zeiten regelmäßig durchgelüfteter Klassenzimmer ohnehin obligatorisch. 

Sportlehrer gekleidet
wie im Skiurlaub

„Von unseren Sportlehrern erhalte ich die Rückmeldung, dass sie selbst sich für die Sportstunde anziehen wie im Ski-Urlaub“, berichtet Heike Flowerday, Leiterin der Erich-Fried-Gesamtschule. Da von der Schließung nur eine von fünf Hallen an der Schule betroffen sei, halte sich die Beeinträchtigung in Grenzen. 50 Prozent der Hallenkapazität fallen mit der Schließung der Sporthalle Parlamentstraße dagegen für das Gymnasium Sedanstraße weg. Da aufgrund von Hygienevorschriften für einige Lerngruppen auch in der Heckinghauser Halle derzeit kein Unterricht möglich sei, sei der Ausfall sogar noch größer, so die stellvertretende Schulleiterin Silke Groß. „So lange das Wetter so gut ist, lässt sich das aber noch recht gut auffangen. Die Kollegen gehen mit ihren Klassen so häufig wie möglich raus, etwa auf die nahe gelegene Nordbahntrasse oder an den Gelben Sprung“, berichtet sie. Teilweise würden auch Klassenräume für Bewegungs- oder Theoriestunden zur Verfügung gestellt. So beschäftigten sich die Kurse dann etwa mit der Entwicklung eigener Spiele. Groß: „Die Kollegen sprechen sich ab, so dass nicht immer die gleiche Klasse betroffen ist.“

Kommunikation gibt es auch zwischen den Schulen. „Das begrüßen wir natürlich“, sagt Sabine Fahrenkrog, Leiterin des Stadtbetriebs Schulen. Als Beispiel nennt sie, dass sich die Schulleitung der Angelo-Roncalli-Schule nach der Schließung ihrer Halle an die der benachbarten Grundschule Reichsgrafenstraße gewandt habe, die über eine eigene Halle verfügt. „Die Solidarität untereinander ist groß“, bestätigt Fahrenkrog. Auch im Schulamt suche man nach Möglichkeiten. Sollte sich die Infektionslage bis dahin entspannen, könne sie sich vorstellen, zum Schulhalbjahr Sporttage zu veranstalten, um die Schüler zusätzlich in Bewegung zu bringen.

Die Schüler selbst gingen mit der Situation sehr diszipliniert um, ist von vielen Lehrern zu hören. „Die Kinder und die Kollegen machen das ganz toll“, bestätigt Gabriele Schmitz von der Grundschule Birkenhöhe wohl stellvertretend. Das betreffe sowohl das Maskentragen als auch das Abstandhalten. Dass die aktuelle Situation für alle einen riesigen Kraftakt bedeutet, ist dabei allerdings klar. Heike Flowerday etwa berichtet, dass sie am Mittwoch um 21.30 Uhr im Zusammenhang mit Corona noch die letzte E-Mail des Tages ans Ministerium geschrieben habe. Gabriele Schmitz betont, dass man für die getroffenen Maßnahmen - jetzt eben die Hallenschließung - Verständnis habe. „Wir versuchen eben, bestmöglich damit umzugehen.“