Wenn in Russland die anderen jubeln . . .

Wenn in Russland die anderen jubeln . . .

Der Wuppertaler Peer Kuni erlebt auf der Fanmeile in St. Petersburg das deutsche WM-Aus.

Für die Westdeutsche Zeitung in Wuppertal berichtet Peer Kuni vorwiegend vom lokalen Fußballgeschehen, spielte selbst beim SSV Germania. Aktuell studiert er in Hamburg. Eine Woche lang war er jetzt zur WM im Gastgeberland in St. Petersburg und verfolgte das gestrige Spiel der deutschen Mannschaft gegen Südkorea auf der dortigen Fanmeile mit. So erlebte er das deutsche WM aus.

Als Toni Kroos Deutschland gegen Schweden zum Sieg schießt, herrscht in der FIFA-Fan-Zone in St. Petersburg nur eins: Große Ernüchterung. Der Großteil der Fans in der Zarenstadt war gegen den amtierenden Weltmeister. Vorneweg die zahlreichen Mexikaner mit ihren Sombreros und die blau-gelben schwedischen Anhänger. Doch beim Public Viewing geht es noch viel bunter zu. Fans aus allen Ländern feiern friedlich eine große WM-Party. Mittendrin bin ich mit meinem grünen EM-Auswärtstrikot von 2012. Ein bisschen veraltet, aber grün steht ja schließlich für die Hoffnung und ist bekanntlich auch die Farbe des WM-Auswärtsjerseys 2018. Mit meinen beiden besten Freunden Seba und Christian schaue ich mir die Deutschland-Spiele gemeinsam mit 15 000 Fans an.

Die Fan-Zone liegt zentral im Stadtzentrum direkt neben der im altrussischen Stil erbauten Auferstehungskirche und liefert damit ein beeindruckendes Panorama. Auf drei riesigen Leinwänden werden alle Spiele gezeigt. Vor dem Abpfiff und zwischen den Partien gibt es eine Bühnenshow mit viel Tanz, Musik und einem Wolfshund, der jeweils auf den Sieger des nächsten Spiels tippt. Mit der Stimmung bei der WM 2006 in Deutschland kann die russische WM nicht mithalten. Dafür sind die Russen offenbar nicht fußballbegeistert genug.

St. Petersburg wird in diesen Tagen dominiert von einer riesigen lateinamerikanischen Fraktion. Allen voran Brasilianer, Argentinier, Mexikaner und Kolumbianer. Auch viele Deutsche haben den Weg in die Fünf-Millionen-Metropole an der Ostsee gefunden und tragen in der Regel stolz das Weltmeistertrikot von 2014 oder das aktuelle Jersey. Atmosphärisch herrscht in der Stadt ein friedliches und farbenfrohes Fußballfest. Schwierig ist nur die Kommunikation mit den Russen. Denn die können in der Regel kein oder nur sehr schlechtes Englisch. Als ich das erste Mal versuche, in die Fan-Zone zu kommen, wird 200 Meter vor der Auferstehungskirche von Polizisten der Eingang versperrt. Ein junger Polizist brüllt etwas in ein Megafon. Erst ein russischer Fan übersetzt für mich und erklärt, dass die Fan-Zone temporär wegen Überfüllung gesperrt ist. Erst 20 Minuten später werden die Tore dann plötzlich geöffnet und hunderte Menschen stürmen jubelnd in den Public-Viewing-Bereich.

15 Minuten vor dem Anpfiff des entscheidenden letzten Gruppenspiels der deutschen Elf gegen Südkorea kommt der Wolfshund auf die Bühne. Zwei Fressnäpfe werden ihm hingestellt. Auf dem einen ist die Flagge Südkoreas, auf dem anderen die Deutschlands. Der Hund tippt den Ausgang der Partie. Je nachdem aus welchem Napf er frisst. Auf ein Kommando hin werden alle Fußballfans ruhig und der hungrige Wolfshund wird von der Leine gelassen. Schnurstracks geht er auf den Napf mit der südkoreanischen Flagge zu und frisst.

Der Rest der Geschichte ist bekannt. So viel zu meinem hoffnungsvollen, grünen Trikot. Die meisten Fans jubeln, als Deutschland das Vorrundenaus ereilt. Vorneweg die Schweden und Mexikaner.

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