Weitere BHC-Spiele im ISS-Dome sind denkbar

Handball : BHC wartet auf neue Impulse in der Hallenfrage

Interview Vor dem Knüller gegen Kiel in Düsseldorf sprach die WZ mit BHC-Geschäftsführer Jörg Föste.

Das Echo nach dem ersten Heimspiel ISS-Dome war geteilt. Welche Lehren ziehen Sie aus der Premiere in Düsseldorf?

BHC-Geschäftsführer Jörg Föste: Wir haben das Feedback ausgewertet und in einer Manöverkritik beleuchtet. Zu den positiven Aspekten gehören unsere ehrenamtlichen Kräfte, die die neue Situation im ISS-Dome bewundernswert gemeistert haben. Das Sicherheitskonzept war gut, der Zuspruch und die Logenbetreuung hervorragend. Auch die Stimmung war für eine Premiere gut. Darauf können wir aufbauen. Einen Vergleich mit einer berstend vollen Klingenhalle sollten wir dem ISS-Dome nicht zumuten.

Was kann man beim Spiel gegen Kiel am Donnerstag besser machen?

Föste: Verbesserungswürdig war die Verkehrssituation. Bei den Eishockeyspielen, die sonst im ISS-Dome stattfinden, reisen die meisten Fans mit der Straßenbahn an. Ein so hohes Pkw-Aufkommen wie gegen die Rhein-Neckar Löwen ist daher neu für dieses Umfeld. Wir haben angemerkt, dass wir mit einer veränderten Ampelschaltung hinter der Autobahn einen besseren Verkehrsfluss wünschen. Das soll schon gegen Kiel am Donnerstag besser laufen. Auch die Partnerbetreuung im Businessbereich werden wir konsequent umstellen und damit deutlich verbessern.

Werden in dieser Saison weitere Spiele im ISS-Dome stattfinden?

Föste: Wir schließen das nicht aus. Im Auge haben wir das letzte Saisonspiel gegen die SG Flensburg-Handewitt. Das hängt aber von der Tabellensituation ab. Geht es bei dem Spiel für die Flensburger noch um die Deutsche Meisterschaft, käme Düsseldorf infrage. Ansonsten findet das Spiel in Wuppertal statt.

Welche Bedeutung haben die Auftritte in Düsseldorf für die Vereinskasse?

Föste: Die beiden Spiele im November machen 40 Prozent unserer gesamten jährlichen Ticketeinnahmen aus.

Sind Ihre Wunden nach den geplatzten Arena-Träumen verheilt?

Föste: Der Verzicht auf ein schlechtes Geschäft hat noch niemandem geschadet. Wir haben uns bewusst gegen die Weiterführung der Planung entschieden. Wir haben die aktuellen Bau- und Grundstückspreise in unsere langfristige Kalkulation überführt und festgestellt, dass wir mit hoher Wahrscheinlichkeit in ein schwieriges Feld laufen. Letztlich war es die wirtschaftliche Vernunft, die uns bewogen hat, von diesem Vorhaben angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen Abstand zu nehmen. Von der ersten bis zur letzten Planungsphase haben sich die erwarteten Kosten um mehr als 50 Prozent erhöht.

Was bedeutet das für den Wunsch nach einer BHC-Arena im Bergischen?

Föste: Bei den aktuellen Bau- und Grundstückspreisen halten wir den Neubau einer Arena grundsätzlich nicht für umsetzungsfähig, jedenfalls nicht nach gängigen Finanzierungskriterien. Sollten sich diese Parameter wieder ändern, könnte das natürlich auch die Betrachtungsweise verschieben.

Wo trägt der Bergische HC auf lange Sicht seine Heimspiele aus?

Föste: Das wird man sehen. Die Situation, in der wir stecken, kann kreative Kräfte freisetzen. Wir warten auf Impulse, und es ist schon einiges an uns herangetragen worden.

Wie könnte eine Lösung aussehen?

Föste: Eine Verbesserung der bestehenden Infrastruktur halten wir grundsätzlich für notwendig. Um- und Ausbaupläne sind für die Hallen in Solingen und Wuppertal ein Denkmodell. Das erscheint in der gegenwärtigen Situation zumindest sinnvoller als ein Neubau.

Wie konkret sind die Pläne?

Föste: Das sind frische Impulse, die nach und nach auf Umsetzungsfähigkeit geprüft werden müssen. Mit Blick auf die nahe Zukunft haben wir beschlossen, in der Saison 2019/20 die aktuelle Konstellation beizubehalten. Das heißt, wir werden in der kommenden Saison in der Klingenhalle, der Uni-Halle und dem ISS-Dome spielen. Wie die Verteilung aussehen wird, kann erst ab April mit Bekanntgabe des neuen Spielplans erörtert werden.

Müssen die Fans im Bergischen einen kompletten Umzug des BHC nach Düsseldorf fürchten?

Föste: Nein. Mehrere Punkte sprechen dagegen. Wir haben unsere Wurzeln im Bergischen Land. Hier gibt es eine Kultur, in der der Handball die Sportart Nummer eins ist. Außerdem haben wir hier sehr viel mit unseren Fans erlebt. Wenn ich an das jüngste Pokalspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen in der emotionalisierten Klingenhalle oder an die denkwürdigen Minuten nach dem Abstiegsdrama gegen Hannover in der Uni-Halle denke – diese Orte sind Stätten wesentlicher Meilensteine in der Vereinshistorie. Für die Zukunft, die ich überblicken kann, ist daher ausgeschlossen, komplett aus dem Bergischen zu verschwinden.

Mehr von Westdeutsche Zeitung