Interview: Vor dem WSV-Ligastart: Für Trainer Britscho ist kein Spieler gesetzt

Interview : Vor dem WSV-Ligastart: Für Trainer Britscho ist kein Spieler gesetzt

Seit Januar ist Christian Britscho (48) Cheftrainer beim WSV und erhält von allen Seiten viel Lob. Wir sprachen mit ihm über seine Ziele und Erwartungen.

Am Samstag startet der Fußball-Regionalligist Wuppertaler SV in die Meisterschaft. Wir haben mit WSV-Cheftrainer Christian Britscho vor dem Ligastart gesprochen.

Foto: Otto Krschak

Jeder erwartet vom WSV im ersten Spiel gegen einen Aufsteiger einen Sieg. Warum wird das aus Ihrer Sicht gegen den TV Herkenrath nicht einfach?

Foto: Daniela Ullrich

Britscho: Weil der Aufsteiger sicherlich mit einer totalen Euphorie hierhinkommen wird. Manuel Bölstler hat mir erzählt, wie beim WSV die Hinserie nach dem Aufstieg gewesen ist, völlig euphorisch, da zu sein, wo man sein möchte. Es kribbelt viel mehr. Da bin ich mir auch bei Herkenrath absolut sicher, das war jedes Mal so, wenn wir sie beobachtet haben. Diese Mannschaft lebt total, sie pushen sich gegenseitig. Sie werden hierhinkommen, einen klaren Plan haben und versuchen, uns ein, zwei Eier ins Tor zu legen. Da sind wir dann an dem Punkt, wo eine Erwartungshaltung — so ein, man muss das Spiel gewinnen — sehr schnell umschlagen kann. Deshalb sage ich ganz klar. Wir müssen gar nichts. Wir müssen eine gute Leistung bieten und versuchen, die Details, die uns ausmachen auf den Platz zu bringen und wir müssen vor allem Leidenschaft auf den Platz bringen. Alles andere werden wir dann sehen.

Vom Ligastart des WSV gegen den TV Herkenrath berichten wir am Samstag aktuell: Hier geht es zu unserem Liveticker!

Am Dienstag erst war Bundesligist Bayer Leverkusen im Stadion am Zoo. Warum lohnt es sich, auch gegen einen auf den ersten Blick nicht so attraktiven Gegner wie Herkenrath ins Stadion zu kommen?

Britscho: Mir geht es in erster Linie nicht um die Gegner, mir geht es um uns. Ich finde, was die Mannschaft hier leistet, was jeder einzelne im Verein leistet, um rund um die Mannschaft herum eine Wohfühlatmosphäre aufzubauen, ist toll. Die Leute sollen kommen und sich „ihre Jungs“ angucken.

Der WSV hat beim Fantalk das Ziel genannt, schön und erfolgreich spielen und sehen, wo man vor dem Winter steht, dabei das Wort Aufstieg vermieden. Würden Sie es konkreter fassen wollen.

Britscho: Nein. Wir werden immer wieder damit konfrontiert: Mensch ihr ward Dritter, wenn Ihr Euch steigern wollt . . . . Sie wissen, wie der Satz weitergeht. Man muss aber sehen, wenn wir das letzte Spiel nicht gewonnen hätten, wären wir Sechster gewesen, hätten wir in den letzten beiden Spielen weniger Punkte geholt Achter. Es war alles eng zusammen. Meine Jungs haben die Spannung hoch gehalten. Wir haben den dritten Platz gern mitgenommen, aber daraus kann man nicht automatisch die Zielsetzung für die kommende Saison ableiten.

Was ist für Sie die Charakteristik der neuen Mannschaft, auch wenn 14 aus der alten noch dabei sind?

Britscho: Die alte Mannschaft hat ausgezeichnet, dass sie charakterlich gefestigt war, dass sie mental stark war. Wir haben nur Spieler dazu geholt, die dazu passen, die uns vom Charakter her ergänzen und verstärken und dann spielerisch nach vorne bringen. Ich erwarte die gleiche mentale Stärke, erwarte aber, dass wir lauter werden, noch mehr reden. Dass man merkt, die Jungs laufen nicht nur nonstop, sondern coachen sich auch 90 Minuten. Wir sind auf einem guten Weg.

Dass Ihre Mannschaft in der Breite zulegte, hat man in der Vorbereitung gesehen, glauben sie, dass sie auch mehr Qualität besitzt?

Britscho Wir können jetzt definitiv Ausfälle leichter ersetzen. Das A und O im Fußball ist aus meiner Erfahrung, dass die Trainingseinheiten eine hohe Qualität haben. Wenn du — ich übertreibe bewusst — im letzten Jahr 13, 14 gute Spieler hattest und hast jetzt 20, 22, dann steigert sich automatisch die Qualität der Trainingseinheiten und jeder einzelne steigert sich noch mal um einige Prozentpunkte. Wenn man beispielsweise sieht, was für eine tolle Vorbereitung Daniel Grebe gespielt hat — das ist der Wahnsinn. Es zeigt, dass sich auch erfahrene Spieler noch mal hochpushen konnten.

Gibt es jemanden, der sie in der Vorbereitung am meisten überzeugt hat?

Britscho Oh, da waren viele. Da möchte ich unsere älteren Spieler, angefangen von Kapitän Gaetano Manno nennen. Der war in der Rückrunde verletzt und musste sich zu Beginn der Vorbereitung hart reinarbeiten. Wenn man jetzt sah, wie er gegen Leverkusen über den Platz geschnellt ist, muss man Gaeta und seinen Altersgenossen ein Lob aussprechen. Und wenn ich auch die junge Garde sehe, mit Saric oder Meurer und Alabas, wie sie sich geschlagen habe, das war echt gut.

Gibt es gesetzte Spieler?

Britscho (überlegt) Nein!

Auch nicht der Kapitän?

Britscho: Nein, wenn Gaetano spielt, dann weil er es sich verdient hat und zwar jetzt und nicht in der Vergangenheit. Das sieht er selbst genauso.

Mit David Kröger haben sie einen neuen Fitnesscoach. Spüren sie schon die Erfolge?

Britscho: Das werden wir in der Saison merken. Wir als Trainerteam empfinden es als Verstärkung und die Jungs sind total begeistert von der Arbeit, die geleistet wird. Ich bin überzeugt, dass uns das auf Dauer richtig nach vorne bringt.

Und wie hält sich der Trainer fit, der in seinem Hauptberuf ja auch noch 30 Wochenstunden für die Polizei arbeitet?

Britscho Mit der Familie. Wir machen Fahrradtouren, wenn es die Zeit zulässt, und wenn es mein Rücken demnächst wieder zulässt, werde ich auch wieder joggen gehen.

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