Vom Lehrpult in die EM-Arena

Vor der am Dienstag beginnenden Rollhockey-EM in Cronenberg sprach die WZ mit der deutschen Top-Spielerin Beata Geismann, von Beruf Grundschullehrerin.

Wuppertal. Freuen Sie sich schon auf die Herbstferien Frau Geismann?

Beata Geismann: Ja, natürlich. Aber es ist für mich jetzt nicht das Gefühl, in die Herbstferien zu gehen, sondern dass die Europameisterschaft beginnt — und das ist auch schön so.

Ist für eine voll Berufstätige eine intensive Vorbereitung überhaupt möglich?

Geismann: Ja, aber es zehrt sehr an den Kräften. Die Phase zwischen Sommer- und Herbstferien war schon sehr hart, weil wir viele Wochenendlehrgänge mit der Nationalmannschaft hatten und der Beruf gleichzeitig voll fordert. Das war auch der Grund, warum ich 2008 aus der Nationalmannschaft zurückgetreten bin.

Was hat sie zur Rückkehr bewogen, schließlich ist es ihre inzwischen siebte Europameisterschaft?

Geismann: Als feststand, dass diese EM in Cronenberg stattfindet, bin ich von vielen Seiten angesprochen worden. Da es nebenan ist, ich die Halle und den Boden sehr mag und mein Hauptverein die Titelkämpfe ausrichtet, hat das natürlich einen besonderen Reiz für mich. Auch der Termin in den Herbstferien passt gut.

Was sind ihre Ziele bei der EM?

Geismann: Das Ziel ist auf jeden Fall eine Medaille, erst recht, weil leider nur fünf Mannschaften am Start sind.

Welche Gegner müssen Sie dafür schlagen?

Geismann: Ein Sieg gegen die Schweiz im Auftaktspiel ist schon Pflicht. Die übrigen Gegner Frankreich, Spanien und Portugal spielen alle auf einem ähnlichen, sehr hohen Niveau. Zumindest einen davon müssen wir aber auch besiegen, um am Ende etwas um den Hals hängen zu haben.

Mit ihrer Teamkollegin Maren Wichardt haben Sie beim Spaßturnier des RSC im Sommer sogar der männlichen Konkurrenz das Fürchten gelehrt. Ist das auch ein deutsches Traumduo für die EM?

Geismann: Das hoffe ich schon. Ich habe ja früher bei Cronenberg lange mit ihr zusammengespielt. Es ist in der Tat so, dass wir uns auf dem Feld suchen und sehr gut ergänzen.

Wie sind sie zum Rollhockey gekommen?

Geismann: Ich bin als Sechsjährige von einer Freundin mit zum Rollkunstlauf genommen worden. Das war damals in Konstanz, wo ich geboren bin. Die hatten da auch eine Rollhockeyabteilung, und so bin ich dann nach einem Jahr Rollkunstlauf dort hängengeblieben.

Sie haben eine Saison in Portugal gespielt. Dort ist Rollhockey sehr populär. Sehen sie eine Chance, dass der Sport hierzulande einen ähnlichen Stellenwert erhalten könnte?

Geismann: Ich wünsche mir das, aber es ist sehr schwierig. Über Cronenberg hinaus kann doch kaum jemand etwas mit Rollhockey anfangen, da müsste man ganze Strukturen aufbrechen. Auch in Portugal ist es übrigens kaum mehr möglich, vom Rollhockeyspielen allein zu leben.

Wie sehen die letzten Tage vor der EM aus?

Geismann: Wir treffen uns am Sonntagabend in der Bildungsstätte Burgholz. Die ist für die Titelkämpfe unser Quartier. Wir wollen dort viel Zeit verbringen und auch selber Kochen. Montag ist dann noch einmal Training, bevor es am Dienstag losgeht.

Werden ihre Cronenberger Schüler Sie bei der EM anfeuern?

Geismann: Ja, einige, die nicht in die Ferien fahren, werden sicher dabei sein. Ich habe schon mitbekommen, dass da einige Bastelaktionen gelaufen sind.

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