Volleyball-Bundesliga: Die nächste Bergische Gesamtproduktion

Volleyball-Bundesliga: Die nächste Bergische Gesamtproduktion

Die Bergischen Volleys starten in der Volleyball-Bundesliga durch. Das Team stammt aus Solingen, Wuppertal ist jetzt zweiter Standort.

Solingen/Wuppertal. Sang- und klanglos waren die Solingen Volleys am Ende ihrer Bundesliga-Premieren-Saison sportlich zurück in die Zweitklassigkeit gerutscht. Doch hinterließ der Verein außerhalb des Spielfeldes einen guten Eindruck. Strukturell wie wirtschaftlich. Und die lediglich elf Vereine umfassende Volleyball Bundesliga sucht dringend Vereine, die auf dem Weg zur angestrebten 14er-Staffel eine gute Rolle spielen könnten. Der Antrag auf den freien Platz als Nachrücker wurde folgerichtig positiv beschieden. „Für uns ist es die nächste Stufe“, sagt Helmut Weissenbach zum Verbleib und zur Zukunft in der 1. Liga — gleich in mehrerlei Hinsicht hat der Geschäftsführer, der zusammen mit Daniel Mey und dem bisherigen Mannschaftskapitän Oliver Gies das aufgestockte Management bildet, Recht.

Foto: Horn

2011 war es, als die Volleyball-Abteilung des TSV Bayer 04 Leverkusen der Zweitliga-Mannschaft mitteilte, dass es unter dem Dach des Großvereins keine Zukunft gebe. Der damalige Coach von Bayer, das seine Sportförderung neu ordnete: Helmut Weissenbach, dem es gelang, die populäre Sportart samt Lizenz in seine Heimatstadt zu lotsen. Mit Erfolg, gleich vier Mal sprang der dritte Zweitliga-Platz heraus, ehe 2016 die Meisterschaft in der 2. Bundesliga Nord und der Aufstieg ins Oberhaus folgten. Parallel dazu setzte der Verein auf die Karte Beachvolleyball - mit Olympiasieger-Etikette. Julius Brink stand sogar im Hallen-Kader der damaligen TSG Solingen. Sein Gold-Kollege von London, Jonas Reckermann, lebt mittlerweile in der Klingenstadt und ist bei den Volleys oft zu sehen. Auch er hofft auf eine bessere Rolle als im letzten Jahr. Um die sportliche Konkurrenzfähigkeit zu steigern und den Anforderungen der Liga gerecht zu werden, bedurfte es eines erhöhten Etats. Von 266 000 auf 360 000 Euro wurde der wirtschaftliche Rahmen verbessert, 400 000 Euro sind das Ziel. Damit einher ging die Ausstattung des Kaders. Statt deutschen Spielern, die nebenher noch studieren, setzen die Volleys nunmehr auf Profis. Aus den USA, aus Brasilien, Australien, Ungarn und anderen Ländern. Englisch ist die Teamsprache. „Alle sind fit und arbeiten sehr gut mit“, lobt der neue Mann an der Seitenlinie — Johan Isacsson kommt aus Schweden und ist dort auch Nationaltrainer.

Foto: dpa, Beier, Horn

Im Bergischen Land hat er professionelle Bedingungen vorgefunden, von fünf auf zehn ist die Anzahl der Trainingseinheiten gegenüber der vergangenen Saison gestiegen. Und es geht über die Stadtgrenzen hinaus. Aus den Solingen Volleys wurden die Bergischen Volleys, Wuppertal ist jetzt analog zu den Profi-Handballern des Bergischen HC — nach dem Abstieg verlustpunktfreier Zweitliga-Tabellenführer — der zweite Standort. In der Sonnborner Bayerhalle wird morgens trainiert, am Wupperufer finden auch fünf Heimspiele statt.

Noch größer als in Solingen ist in Wuppertal die Volleyball-Tradition verankert. Mit dem 2011 verstorbenen Hee Wan Lee als Trainer setzten die Wuppertaler Ende der 90er-Jahre unter der Bayer-Flagge zum Höhenflug an, prägten über das Bundesliga-Geschehen. Das Team um den überragenden Wolfgang Kuck sicherte sich vor voll besetzten Rängen in der Unihalle zwei Deutsche Meisterschaften. 2008 übernahmen die Titans die Hauptrolle, ausgerechnet nach der Zweitliga-Meisterschaft 2012 — mit Bergischen Derbys gegen Solingen — kam aus finanziellen Gründen das Aus.

An der alten Sonnborner Wirkungsstätte der Titans werden unter anderem der Deutsche Meister aus Berlin und der Pokalsieger aus Friedrichshafen erwartet. Das Team von Bodensee entschied gerade den Supercup mit 3:1 zu seinen Gunsten. „Ich denke, dass die beiden große Favoriten auf den Titel sind“, sagt Andrea Giani. Als Bundestrainer führte er die deutsche Nationalmannschaft kürzlich zum historischen EM-Silber. Auch davon will die Liga profitieren.

Bei einem geschätzten Etat von 2,5 Millionen Euro ist das deutsche Top-Duo aus Berlin und Friedrichshafen immer noch weit von den westdeutschen Volleys entfernt. Wie auch von den mitfavorisierten United Volleys Rhein Main oder einem Exoten in der höchsten deutschen Liga: Aus dem TSV Unterhaching, mit der ersten Wild Card überhaupt ausgestattet, wurden die Tirol Alpenvolleys Haching mit Begegnungen in Innsbruck. Johan Isacsson weiß um all deren Stärke und um die von Auftakt-Gegner Lüneburg oder West-Rivale Düren. Selbstbewusst ist er dennoch: „Wir wollen in die Play-offs.“ Das wäre schon ein Quantensprung gegenüber der vergangenen Saison.