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Vereine noch länger im Ausnahmezustand

Vereinssport : Länger im Ausnahmezustand

Vereine sind zum Teil vorbereitet und skeptisch, ob der erweiterte Lockdown Ende Januar endet.

Überraschend kommt die Verlängerung des Lockdowns bis mindestens 31. Januar auch für die Sportvereine nicht. Entsprechend gefasst reagierten die Verantwortlichen am Mittwoch, obwohl die Herausforderungen durch die Corona-Krise für sie immer größer werden. Fast alle Vereine haben mehr oder minder Mitglieder verloren, weil es derzeit so gut wie keine Neuanmeldungen gibt, die die normale Fluktuation in der Regel ausgleichen.

„Die letzte Neuanmeldung hatte ich im September“, sagt Friedhelm Bursian, Geschäftsführer des SSV Germania. Dagegen habe er auch jetzt zum Beitragseinzug am 1. Januar (der SSV macht das Halbjahr am 1. Januar und 1. Juli) wie nach dem ersten Lockdown wieder Schreiben von Mitgliedern erhalten, die sich überrascht zeigten, dass Beiträge eingezogen würden, obwohl derzeit keine Kurse und kein Training stattfinden. Die meisten ließen sich aber davon überzeugen, dass Vereinsbeiträge - anders als etwa in Fitnessstudios - nichts mit einer bestimmten Leistung zu tun haben. Nur im Ausnahmefall gehe es sogar bis zum Gericht, wenn Mitglieder auch nach zweifacher Mahnung ihren Beitrag nicht bezahlten. Während Bursian für seinen Verein derzeit nur punktuell Möglichkeiten sieht, auch online-Angebote zu machen, gehen andere Klubs, dort wo möglich, verstärkt diesen Weg, um ihre Mitglieder zu binden. Um die Übungsleiter, die das Herz des Vereins seien, bei der Stange zu halten, habe Germania ihnen eine Entschädigung für ausgefallene Kurse bezahlt.

Bei der SSG Wuppertal gibt es inzwischen zehn Kurse, die im Dezember zum Schnuppern noch frei zugänglich waren, seit Anfang Januar aber an eine Mitgliedschaft oder eine „Zehnerkarte“ gebunden sind. „Wir habe darüber schon eine Handvoll Neumitgliedschaften erzeugt und vier Zehnerkarten verkauft“, freut sich der 1. Vorsitzende Michael Eckers. Zum ersten Zumbakurs am Montag hätten sich 20 Teilnehmer eingeloggt. Nach dem Testlauf im Dezember habe man über Weihnachten die beste technische Lösung fest installiert. Sehr gut angekommen sei auch, dass der Verein zu Weihnachten als Präsent Mund-Nasenschutz mit Vereinslogo an alle Mitglieder verschickt habe. Derzeit sieht Eckers seinen Verein nicht gefährdet.

Das sehen auch die hauptamtliche VSTV-Geschäftsführerin Sigrun Leisner und Bärbel Schröder, 2. Vorsitzende des Barmer TV, für ihre Vereine so. Auch dort hat man das Online-Angebot ausgeweitet. Es soll in der kommenden Woche starten. „Neu bei uns ist jetzt auch der Rehasport mit einem Digitalangebot“, sagt Sigrun Leisner. Gleichzeitig sei man dabei, Freiluftkonzepte zu erarbeiten, denn auch sie gehe nicht davon aus, dass es nach dem Lockdown uneingeschränkt weitergehen werden. „Ich glaube nicht, dass Hallen, die derzeit gesperrt sind, dann schon alle wieder öffnen, außerdem ist es draußen leichter, Hygienekonzepte einzuhalten.

Sehr gefreut habe man sich über die Erhöhung der Übungsleiterpauschalen von 2400 auf 3000 Euro jährlich und der Ehrenamtlichenpauschale. Das gebe dem Verein mehr Spielräume. „Vorher war es eine Überlegung, je nach Umfang der Übungsleiter-Tätigkeit Mini-Jobber-Verträge zu machen, die für uns dann aber zusätzliche Abgaben bedeuten.“

Natürlich müsse man sich in Folge der Pandemie auch die Frage stellen, ob man als VSTV die Hauptamtlichkeit und das breite Angebot aufrecht erhalten könne. 2020 habe das trotz Corona aber noch funktioniert. „Man muss als Verein kreativ werden“, ist sie überzeugt.

Auch Bärbel Schröder stellt sich die Frage, inwieweit jetzt der richtige Zeitpunkt für Umstrukturierungen wäre, um in Zukunft auch wieder Mitglieder zu gewinnen. Motto: was läuft gut, was weniger? „Derzeit haben wir noch Energie“, sagt sie im Hinblick auf die großen Herausforderungen der Pandemie für die Übungsleiter und Vereinsverantwortlichen. Aber natürlich sei auch die endlich, je länger die Beschränkungen dauern.