Turnverband Wuppertal stellt Sportmanager ein

Turnverband Wuppertal stellt Sportmanager ein

Philipp Kübler soll sich beim Turnverband Wuppertal in einem Pilotprojekt vor allem um Projektarbeit kümmern.

Wuppertal. Das Problem ist in jedem Sportverein bestens bekannt: Die Clubarbeit ruht in der Hauptsache auf dem Rücken von Ehrenamtlichen, und die bringen zwar die Begeisterung für den Sport mit, kommen aber oft vor lauter Papierkram, organisatorischer Arbeit und vielleicht noch Verbandsarbeit kaum dazu, selbst ihren Sport zu betreiben, geschweige denn für den Verein perspektivisch Konzepte zu entwickeln.

Beim Turnverband Wuppertal, mit rund 50 Vereinen und 14.000 Mitgliedern größte Fachschaft im Wuppertaler Sport, hat man darauf jetzt reagiert. Seit Oktober 2012 ist Philipp Kübler als Sportmanager hauptamtlich für die Wuppertaler und die benachbarten Turnverbände Niederberg (in Solingen) und Mettmann tätig. Zunächst umfasst die Stelle nur 15 Wochenstunden, aber es ist zumindest ein Anfang.

„Wir sind nach der Turnregion Süd mit Köln, Rhein-Sieg und Bonn erst der zweite Verband, der dieses Angebot des Rheinischen Turnerbundes aufgegriffen hat“, berichtet die Vorsitzende Dorothee Hartmann ein wenig stolz. Es ist ein Pilotprojekt, das zunächst für zwei Jahre läuft und vom Rheinischen Turnerbund auch finanziell unterstützt wird.

Dort hat man erkannt, wie wichtig es ist, neue Trends zu erschließen, um den Sport auch für neue Mitglieder interessant zu machen, die vor allem in der Altersspanne ab 16 bis nach 25 Jahren fehlen. „Dem Turnen haftet ja leider oft noch der Ruf von verstaubten Turnhallen an“, so Hartmann. Dabei hätten die Wuppertaler Vereine zum Teil ein sehr breit gefächertes Programm. Was früher beispielsweise schlicht Gymnastik war und fast revolutionär dann auch mal mit Kassettenrekorder „angereichert“ wurde, produziere heute als „Gymwelt“ fast jährlich neue, junge Trends.

Philipp Kübler ist etwa momentan damit beschäftigt, für September einen DTB-Trendtag zu organisieren. Dann werden den Übungsleitern der Vereine aber auch interessierten Sportlern Hoopin-Fitness (mit speziellen Hoola-Hoop-reifen) und Kantaera (ein Mix aus Aerobic und Kampfkunst) praktisch vorgestellt. Eine Turnschau mit Kongresscharakter sozusagen. Die Fortbildung für Übungsleiter ist neben der Hiklfe bei der Mitgliederverwaltung ohnehin eine der Hauptaufgaben des Turnverbandes.

„Das ist eine spannende Arbeit“, berichtet Kübler. Er hat beim SV Bayer eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann abgeschlossen und macht nebenbei am Berufskolleg Elberfeld noch ein Abendstudium zum Betriebswirt. Der 25-Jährige, der eigentlich vom Fußball kommt, aber ein Faible für Fitness hat und auch selbst schon Kurse gegeben hat, fühlt sich in seiner neuen Tätigkeit sehr wohl.

„Uns hat überzeugt, das er auch betriebswirtschafliche Kenntnisse hat und sich in der Mitgliederverwaltung auskennt“, begründet Dorothee Hartmann, warum sich der Turnverband unter den zwölf Bewerbern, zu denen sogar ein Sportwissenschaftler und ein Diplomsportlehrer gehört habe, für Kübler entschieden hatte.

Obwohl sich der 25-Jährige Dönberger hauptsächlich um Projekte kümmern soll und natürlich auch ein waches Auge auf die Angebote von Deutschem und Rheinischem Turnerbund hat und diese weiterzutragen, profitieren auch die die Wuppertaler Verein direkt von ihm.

So ist Kübler immer mittwochs auch bei der allwöchentlichen Sprechstunde für Mitglieder in der Geschäftsstelle an der Friedrich Engels-Allee 127, wo der Turnverband Untermieter im Gebäude des Fußballkreises ist.

Die Sprechstunde selbst wird wie bisher aber weiter hauptsächlich von Ehrenamtlichen bestritten. Dass sie das Rückgrat auch der Arbeit beim Turnverband bleiben, daran ändert sich auch durch den neuen Sportmanager nichts.

Mehr von Westdeutsche Zeitung