Torhüter Niklas Lübcke ist beim WSV noch ohne Gegentor

Sportler der Woche : Lübcke besteht seine Feuertaufe

Mit seinen erst 19 Jahren blieb der WSV-Torwart in Aachen und Köln erstaunlich ruhig.

Hitzige Stimmung am Tivoli mit dem ein oder anderen Feuerzeug, das ihm aus dem Aachener Fanblock in den Rücken fliegt. Eine Woche später Auge in Auge mit Regionalliga-Starfußballer Mike Wunderlich, der vor ihm auftaucht. Doch Torwart Niklas Lübcke behält trotz seiner erst 19 Jahre eine erstaunliche Ruhe und hält seinen Kasten sauber.

„Es sind genau diese Momente, die man haben möchte, wenn man den Fußball so liebt wie ich“, versichert Lübcke, der auch im Gespräch für sein Alter schon sehr weit wirkt. Im Winter für den nach Chemnitz gewechselten Joshua Mroß zum WSV gekommen, ist er die Entdeckung der vergangenen beiden Spiele beim Wuppertaler SV. „Man wünscht sich natürlich keinen Einsatz, wenn sich gleichzeitig der Kollege verletzt“, sagt Lübcke zu seiner unverhofften Einwechslung am Aachener Tivoli für den verletzten Sebastian Wickl in den letzten schier endlosen Minuten. Aber, dass es so gut für die Mannschaft und auch für ihn ausgegangen ist, freut ihn aber natürlich sehr.

Auch nach dem 0:0 bei Viktoria Köln gab es nachher viel Lob von seinen Kollegen. Neben dem Wunderlich-Schuss entschärfte er mit einem Abschluss von Sven Kreyer aus nächster Nähe und einem Freistoß von Christian Derflinger noch zwei schwierige Bälle. „Nachdem er den ersten Ball im Spiel noch abgeklatscht hatte, strahlte er eine unglaubliche Sicherheit aus“, hob auch Sportdirektor Karsten Hutwelker die Leistung des 19-Jährigen heraus, den sein Vorgänger Manuel Bölstler geholt hatte.

„Im Winter ging alles ganz schnell, aber die Entscheidung, hierher zu kommen, war sicher gut“, sagt Niklas Lübcke. Nun ist es seine erste Regionalliga-Station. Ausgebildet in der Jugend des VfL Bochum war Lübcke zu Saisonbeginn zum Oberligisten Westfalia Herne gewechselt, hatte dort auf Anhieb zwölf von 18 Spielen gemacht, bis im Winter der Ruf aus Wuppertal kam. Dort kannte er nur Phil Britscho, mit dem er einst in der Bochumer Jugend zusammen gespielt hat. Dessen Vater Christian war in der U 17 zudem mal sein Trainer gewesen.

Doch sich auf Neues einzulassen, damit hat Lübcke offenbar kein Problem. Genauso wenig damit, derzeit meist ein bis eineinhalb Stunden Fahrt von seinem Heimatort Wesel auf sich zu nehmen. Nach dem Training ist er meist erst gegen 20 Uhr zu Hause. Gut, wenn dann die Mama gekocht hat. Doch Niklas steht auch selbst gern am Herd, achtet sehr darauf, was, wann und wie viel er isst.

Ab nächster Woche kommt dann auch wieder die Fahrerei zur RuhrUni nach Bochum dazu, wo er im Herbst ein Lehramtsstudium in Sportwissenschaften und Englisch aufgenommen hat. „Ich habe mir das schon so gelegt, dass ich immer zum Training kann. Außerdem bietet das Internet genügend Gelegenheit, Dinge nachzuarbeiten“, sagt er. Gebüffelt hat er in letzter Zeit viel, denn die ersten Klausuren standen an. Einige hatte er wegen des Trainingslagers in Belek verlegt, sie aber inzwischen nachgeschrieben. Alles dem Fußball zuliebe.

Vorbilder, wie in jungen Jahren Oliver Kahn für ihn eines war, kennt er nicht mehr. „Ich versuche, mir von jedem Torwart etwas abzuschauen. Der kompletteste ist derzeit Marc-André ter Stegen für mich, er hat eine brutale Torwarttechnik“, sagt Lübcke. Dass auch er mit dem Ball umgehen kann, konnte er in den Spielen in Aachen und Köln bisher nicht zeigen, wo gepflegtes Aufbauspiel gegen einen drückenden Gegner eher nicht gefragt war.

Ob er am Samstag gegen Wattenscheid wieder zwischen den Pfosten stehen darf (Wickl trainierte nach Bänderriss in dieser Woche wieder mit) hofft er zwar, stellt aber keine Ansprüche. „Ich bin erst 19 Jahre alt und am Anfang“, sagt er und versucht sich über die Trainingsleistung immer wieder anzubieten. Im Spiel hat er schon zwei Ausrufezeichen gesetzt.

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