Team drang 1978 bis in die höchste Amateurklasse vor

Fußball : ASV-Oldies erinnern an glorreiche Zeiten

Die Meisterfußballer von 1977 haben es teilweise weit gebracht. Ein Treffen nach 41 Jahren.

50:10 Punkte, ungeschlagener Tabellenführer der Landesliga 1977 und Aufsteiger in die Verbandsliga, ein Jahr später sogar Mitglied der damals neu gebildeten höchsten Amateurklasse, der Oberliga: Das war die Fußballmannschaft des ASV Wuppertal. Die traf sich am Freitagabend erstmals nach vier Jahrzehnten wieder im Barmer Brauhaus. Und natürlich waren die meisten gespannt, wie die einstigen Mannschaftskameraden inzwischen aussehen. Um es kurz zu machen, alle haben einander wiedererkannt, und bei Mannschaftsbetreuer Karl-Adolf Grünewald, inzwischen 89 Jahre alt, war das am leichtesten. Der hatte sich tatsächlich überhaupt nicht verändert und sah mit nach wie vor schwarzem Haarschopf noch genauso aus wie auf dem Mannschaftsfoto, das Organisator Manfred Brebeck (70) neben andern Bildern und Zeitungsausschnitten mitgebracht hatte.

Diergardt schafft es
bis in die Bundesliga

Viel detektivische Arbeit war im Vorfeld nötig gewesen für „Manni“ Brebeck, um an die Adressen der alten Recken zu kommen. Doch bis auf den verreisten Peter Trummel waren sie alle im Brauhaus vertreten. Auch Erfolgstrainer Kalli Hoffmann (83), den der damalige Mannschaftskapitän Günter Wiegand in Langenfeld abgeholt und mitgebracht hatte.

Ihm überreichten der ASV-Vorsitzende Michael Lutz und Pressesprecher Michael Modest einen prächtigen Blumenstrauß in den ASV-Farben, die er und seine Jungs ja so meisterhaft vertreten hatten.

„Als wir damals gegen Wülfrath gespielt haben, hatten wir rund 2000 Zuschauer, als kürzlich der ASV gegen Wülfrath spielte, waren es 17 Zahlende“, meinte Rainer Gutseel bekümmert. Ich gehe noch regelmäßig zum Gelben Sprung und habe meist ein schlechtes Gefühl, wenn ich nach Hause gehe.“ Einer der Gründe: die Identifikation mit dem Verein ist nicht mehr da. Das war in den 70ern anders: Der spätere Amateur-Nationaltorwart und Bundesligakeeper Volker Diergardt (Fortuna Düsseldorf, Bielefeld, FC Köln, später WSV), die Verteidiger Jürgen „Pico“ Menzler und Klaus Dieckmann, Vorstopper Kurt „Balle“ Balewski, Günter Dreher, Bernd Hermes, Jürgen Hucks, „Männe“ Westip, Rainer Gutseel, Bodo Untrieser, sie alle trugen schon in der Jugend das Trikot des ASV beziehungsweise seiner Fusionsvorgänger SSVg Barmen oder Viktoria Wuppertal.

Und Kalli Hoffmann, der einstige Düsseldorfer Fortune, Amateur-Nationalspieler und Olympiateilnehmer von Melbourne 1956, machte aus ihnen ein Erfolgsteam. Neben hartem Training war seine Ansprache das Erfolgsgeheimnis. „Man muss die jungen Leute begeistern können“, war seine Devise, und auf die jungen Leute setzte er, stellte mit den Teens Diergardt, Dieckmann, Balewski, und Menzler eine Abwehrformation, die trotz zarter Jugend bestens funktionierte.

Aber, wenn es mal nicht so richtig lief, dann konnte es auch mal laut werden. So wie einst in Bad Honnef, als Umstehende angesichts Kallis Temperamentsausbrüchen in der Halbzeitpause schon befürchteten, dass das Kabinendach davonfliegt. Erinnerungen wurden dutzendfach wach in den Gesprächen mit dem Neu-Berliner Volker Diergardt (60), der in seiner Versicherungsagentur rund 900 Spieler aus den drei Profiligen unter Vertrag hat und noch ebenso gut aussieht wie die Kraftpakete Pico Menzler und Kurt Balewski, der später als Verteidiger beim BV Lüttringhausen der erfolgreichste Torjäger war.

„Trainer, früher hast Du mich zum Friseur geschickt, und jetzt hast Du selbst so lange Haare“, flachste „Balle“ Hoffmann mit dem seit Jahrzehnten „kahlen“ Hoffmann, der allerdings im Nacken eine stattliche graue Haarpracht trägt. Kalli grinste nur, und hat seinen Spielern längst erlaubt, auch ihn zu duzen. Damals war er eine gefürchtete Respektsperson. Allerdings mit weichem Kern. Er sprach zum Beispiel keine Strafen aus, wenn seine Schützlinge zu spät zum Training kamen. „Ich könnte es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, wenn einer einen Unfall baut, nur um pünktlich zu sein.“

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