Super-Vorstellung des Bergischen HC gegen die Berliner Füchse

Handball-Bundesliga : Klasse-BHC darf von Europa träumen

Mit einer Topleistung besiegt der Handball-Erstligist Berlin mit 28:26 (14:12) und erobert Rang sechs.

Der Bergische HC darf weiterhin von einem Platz im europäischen Handball-Geschäft träumen. In einem mitreißenden und unglaublich intensiven Spiel in der ausverkauften Solinger Klingenhalle besiegten der Neuling am Donnerstagabend die Füchse Berlin mit 28:26 (14:12) und eroberte von den Hauptstädtern Tabellenplatz sechs zurück.

Nach den ersten Minuten hatte es noch gar nicht danach ausgesehen, denn die Berliner, gestärkt durch das Erreichen des Final Four im EHF-Pokal, begannen unglaublich körperlich und mit viel Klasse. Jacob Holm im Rückraum, Paul Drux auf Halblinks, Bjarki Elisson auf Linksaußen - alles Größen, mit denen der BHC gerechnet hatte. Gut, dass Christopher Rudeck einen Supertag erwischt hatte, gleich den ersten Siebemeter von Hans Lindbergh parierte und nach 30 Minuten drei von fünf Strafwürfen und einige freie Bälle vereitelt hatte. Gestützt darauf, drehte der BHC die anfängliche Gästeführung. Und das, obwohl er immer wieder in den Positionsangriff gegen die Berliner Riesen Marsenic und Gojun gezwungen wurde und mit Silvio Heinevetter ebenfalls einen Klasse-Torhüter gegen sich hatte.

Zwei Schachzüge von Trainer Sebastian Hinze, der beim 5:7 die erste Auszeit genommen hatte, halfen mächtig. Für den Halblinken Fabian Gutbrod, der anfangs mehrfach an Heinevetter gescheiterte war, brachte er im Positionsangriff mit Tomasz Babak einen zweiten Spielmacher. Und für Kreisläufer Max Darj, der auch in der Abwehr Schwerstabeit zu verrichten hatte, kam bei eigenem Ballbesitz der spanische Bär Rafael Baena. Damit hatten die Berliner wohl nicht gerechnet. Beide schenkten Heinvetter vor der Pause jeweils drei Treffer ein, und an ihnen wuchsen auch ihre Mitspieler. Die Halle kochte, als Arnor Gunnarsson nach dem einzigen Schnellangriff der ersten 30 Minuten eine 12:9-Führung erzielte (24.). Die Mannschaft und das Publikum wurden auch durch einige fragwürdige Entscheidungen der Schiedsrichter amgestachelt. So schien es, als würde sich Nationalspieler Paul Drux jegliche Härte erlauben können, während ihm ständig Siebenmeter zugesprochen wurden.

Doch dem zum Trotz wären die Bergischen auch fast mit einer Drei-Tore-Führung in die Pause gegangen. Heinevetter hielt aber den letzten Wurf des starken Kristian Nippes ebenso stark.

Und nach dem Wechsel wurde es eine Demonstration. Hinze brachte nun Bogdan Cricitoiu und Milan Kotrc, um bei Nippes und Boomhouwer Ressourcen für den Endspurt zu schonen. Doch von Schonhaltung konnte keine Rede sein. Gerade Linksaußen Kotrc konnte mit zwei blitzsauberen Treffern Impulse geben, und hinten stand die Deckung vor Klassemann Rudeck jetzt felsenfest. Berlin wirkte fast hilflos. Staunen bei den Gästen, Jubel in der Halle, als Arnor Gunnarsson nach einem Ballgewinn in Überzahl auf das leere Berliner Tor zulief und das 20:14 erzielte. 20 Minuten waren da noch zu spielen.

Würde sich der BHC das noch nehmen lassen? Nein! Dafür spielte der Aufsteiger seine Angriffe lange zu routiniert und überzeugend aus, dafür hielten die Löwen die Konzentration zu hoch. Und auch die Kräfte reichten dank der vielen Kniffe von Hinze. Zwar kam Berlin, das über deutlich größere personelle Ressourcen verfügte, vier Minuten vor dem Ende noch einmal auf zwei Tore heran, doch die Halle und die BHC-Spieler hielten mit einem letzten Aufbäumen dagegen und brachten den Sieg ins Ziel. Nach Melsungen hatten die Löwen zum zweiten Mal ein Team von oben besiegt.

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