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So stürmte Franziska Ritter erneut an die deutsche Spitze

Speedklettern : Sturm an die deutsche Spitze

Die Wuppertalerin Franziska Ritter hat ihren DM-Titel im Speedklettern verteidigt und viel Werbung für ihre Sportart gemacht. Demnächst erhält sie auch in Wuppertal eine Speed-Trainingsstätte.

Atemberaubende Kulisse, tolle Bilder und eine Top-Leistung: Die Rückmeldungen, die Franziska Ritter am Sonntagabend nach ihrem Sieg bei den Deutschen Meisterschaften im Speedklettern erhielt, waren überwältigend. „Da waren auch viele dabei, die man gar nicht so kennt“, berichtet die 17 Jahre alte Schülerin aus Barmen am Montag bei der Rückfahrt mit Mutter Birgit aus Hamburg, von wo es direkt zum Nachmittagsunterricht am Gymnasium am Kothen ging. Dort hatte Rektor Claus Wyneken die Kunde vom  Triumph seiner prominenten Schülerin am Morgen bereits per Durchsage verbreitet.

Ritter und ihre Kolleginnen und Kollegen aus der Spitze der deutschen Kletterszene haben ihre Sportart mit einer tollen Vorstellung  bekannter gemacht. „Auch die Leute vom Fernsehen haben gesagt, dass sie das richtig cool fanden“, berichtet die Wuppertalerin. Der Norddeutsche Rundfunk hatte die Titelkämpfe im Livestream übertragen. Wer schon mal Geckos in südlichen Ländern die Hauswände heraufflitzen sah, fühlte sich unweigerlich daran erinnert. Nur dass die Klettersportler, die die 15 Meter hohe und fünf Grad nach vorn geneigte Normwand in Sekundenschnelle hinaufsteigen, keine Saugnäpfe an den Fingern haben. Da muss jeder Griff sitzen, was die Fernsehbilder eindrucksvoll wiedergaben. 

Auch im Scheinwerferlicht
nicht nervös geworden

Von den ungewohnt vielen Kameras hatte sich Franziska Ritter in dem hochklassigen Feld vielleicht am wenigsten nervös machen lassen. „Ich war gar nicht  so aufgeregt wie sonst“, berichtet sie.  Dabei sei die Vorbereitung nicht mal optimal gelaufen, auch weil sie in ihrem Abiturjahr viel Zeit für die Schule habe aufbringen müssen. In 8,733 Sekunden war sie dennoch in ihrem ersten Qualifikationslauf nah an ihre Bestzeit  herangekommen. Es war allerdings nur die drittbeste Zeit der Acht, die ins Viertelfinale einzogen. Allein vier waren unter der magischen Neun-Sekunden-Marke geblieben. Sandra Hopfensitz, gegen die Franziska Ritter bereits im Vorjahr im Finale gestanden hat, stellte als Qualifikationsbeste mit 8,225 Sekunden einen Deutschen Rekord auf. „Die  Leistungsdichte ist enorm, die jungen Sportlerinnen entwickeln sich permanent weiter“, freute sich Bundestrainer Lars Stöcker.

Zu den Positivüberraschungen gehörte auch Julia Koch von der DAV-Sektion Wuppertal, die in 9,575 Sekunden als Fünftbeste das Viertelfinale erreichte und sich dort noch auf 9,12 Sekunden steigerte. Alma Bestvater, einen der Stars der Szene, konnte sie damit im direkten Duell zwar nicht bezwingen, ihr blieb aber in der Gesamtwertung Rang fünf.

Franziska Ritter gewann ihr Viertelfinale gegen Afra Hönig in  8,86 Sekunden und konnte dabei ihr Leistungsvermögen abrufen, obwohl sie sich zuvor eine Blutblase zugezogen hatte, als sie mit dem Finger gegen eine Griffkante gestoßen war.  Im Halbfinale hätte sie mit dieser Zeit gegen  den 16 Jahre alten Shooting-Star Nuria Brockfeld wohl keine Chance gehabt. Doch Brockfeld zeigte im Duell der Beiden, die gut befreundet sind, Nerven, fabrizierte einen Fehlstart und war raus.

„Ich hätte gern ein Rennen mit Nuria gehabt, in dem wir beide top drauf sind“, meinte Ritter später. Während ihre Freundin im kleinen Finale den Deutschen Rekord auf 8,18 Sekunden verbesserte, war Ritter im Finale gegen Sandra Hopfensitz eher Außenseiterin. Doch Hopfensitz stolperte bereits kurz nach dem Start und Ritter konnte leicht zum Titel klettern. „Ich war heute nicht die Schnellste, aber man muss auch Glück habe“, kommentiert sie nachher fair ihren Titelgewinn. Es war für sie der letzte Wettkampf und gleichzeitig der Höhepunkt in einer von Corona stark beeinträchtigten Saison. „Nun mache ich erst einmal ein bisschen Pause, ehe es ins Wintertraining geht“, sagt die Wuppertalerin und hat ihr nächstes  Ziel schon klar vor Augen: „Die  acht Sekunden müssen fallen.“

Für die beiden Wuppertaler Sektionen des Deutschen Alpenvereins sind der Titel von Ritter und der fünfte Platz von Julia Koch die nächsten guten Nachrichten, nachdem ihnen das Land gerade Zuschüsse zum Ausbau ihrer Kletterhalle bewilligt hatte. Dazu soll dann, wie berichtet, auch eine Speedwand gehören, die bisher fehlt.