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Seppi wechselte in Wuppertal vom Leder an die Filzkugel

Serie Alles für den Klub : „Seppis“ Wechsel vom Leder an die Filzkugel

Viele Jahre war der heute 80-Jährige Hans-Jürgen Seppelt ein erfolgreicher Handballer – dann ging es auf den Center-Court.

Wer gut Handball oder Fußball spielt, für den ist – Ballgefühl vorausgesetzt – das Umsatteln auf Tennis kein großes Problem. Das galt auch für Hans-Jürgen Seppelt, den alle Welt nur „Seppi“ nennt – auch seine Frau Ingrid, mit der er seit mehr als vier Jahrzehnten verheiratet ist. „Seppi“ hatte von seinem 14. bis zum 33. Lebensjahr beim Barmer TV und beim hoch spielenden Polizei SV Handball auf dem Großfeld und in der Halle gespielt. Dann sprach ihn der damalige Vorsitzende des Unterbarmer TC, Ernst Pennekamp, an und bewegte ihn zum Wechsel der Sportart.

„Ernst Pennekamp hatte beim UTC am Böhler Weg vier neue Plätze errichten lassen, und die sollten natürlich auch mit Leben erfüllt werden“, erklärt „Seppi“, der auch gleich noch einige Mannschaftskameraden mitbrachte, die gleichfalls den großen Lederball mit der kleinen Filzkugel tauschen wollten.

„Wir haben das dank guter Trainer auch schnell gelernt und fühlten uns beim UTC auf Anhieb wohl“, so Seppelt, der vor wenigen Tagen 80 Jahre alt geworden ist. Die zum Team gestoßenen Handballer leisteten einen entscheidenden Beitrag zur Gemeinschaft. „Entgegen der Individualsportart Tennis geht es beim Handball nur als Team und mit viel Kameradschaft“, erklärt er. Diese brachten sie beim UTC ein und taten ein Übriges, dass beim Verbandsligisten auch der Spaß nicht zu kurz kam.

Bei Auswärtsspielen waren auch stets Akkordeon und Gitarre mit im Gepäck. Und die kamen bei den vierten und fünften Sätzen im jeweiligen Clubhaus auch mindestens so intensiv zum Einsatz wie vorher Schläger, Shorts und Tennisschuhe. „Ein Instrument habe ich nicht gespielt, aber kräftig gesungen“, denkt Seppelt gern an die aktiven Zeiten zurück. „Am nächsten Tag mussten wir meist noch einmal zum Clubhaus des Gegners, um dort unsere Autos abzuholen“, lässt er durchblicken, dass die Fahrtüchtigkeit unter dem „Ölen“ der Stimme gelitten hatte.

Organisator überregionaler Tennis-Turniere

Dazu passte, dass „Seppi“ als Chef des Festausschusses dafür sorgte, dass die Vereinsfeten das Prädikat „rauschend“ verdienten. Auch als Sportwart machte er sich im UTC einen Namen und war bestrebt, den Jungs und Mädels in den Vereinsmannschaften den Teamgeist zu vermitteln, den er und seine ehemaligen Handball-Cracks vorlebten.

Teamarbeit, und zwar „sich ergänzende“, hat sich Hans-Jürgen Seppelt auch nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn auf die Fahnen geschrieben, als er sich daran machte, überregionale Turniere zu organisieren.

Den Anfang machte die „Ernesto-Trophy“, die der Unterbarmer TC zu Ehren seines vor einigen Jahren verstorbenen ersten Vorsitzenden veranstaltet.

Das Doppel-Turnier für alle Altersklassen wird in diesem Jahr vom 4. bis zum 11. September zum neunten Mal ausgerichtet und bildet praktisch den Abschluss der Freiluft-Saison. Dabei kommt das „JOSS-Team zum Einsatz, bestehend aus Jürgen Leifels, Olaf Fritsche (erster Vereinsvorsitzender), Sascha Caspers und Hans-Jürgen Seppelt. „Wir, Turnierleiter Wolfgang Luchtenberg, Larsen Schnadhorst und Armin Thelen verkörpern das, was ich mit sich ergänzender Teamarbeit meine“, so Hans-Jürgen Seppelt. Der Zuspruch inspirierte ihn, auch das früher vom Hardt TC veranstaltete Mixed-Turnier wieder aufleben zu lassen. In diesem Jahr soll es vom 26. Juni bis zum 3. Juli die fünfte Auflage geben. Weiterhin plant der Verein mit den UTC Promotion Open vom 31. Juli bis zum 7. August das fünfte Leistungsklassen-Turnier.

„Wir sind natürlich stolz, dass wir diese drei Turniere auch im ansonsten eher kargen Tennis-Sommer 2020 trotz Corona unter strengsten Auflagen durchziehen konnten“, freut sich „Seppi“ und betont: „So etwas geht nur, wenn sich jeder im Team mit seinen Fähigkeiten voll einbringt.“

Der Erfolg gibt dem Unterbarmer TC und damit auch „Seppi“ Recht. „Nach relativ bescheidenen Anfängen, mussten wir die Turniertage wegen der immer größer werdenden Beteiligung immer weiter ausdehnen.“

Auf der Anlage am Böhler Weg geht es nicht nur um Spiel, Satz und Turniersieg. „Wir legen Wert darauf, dass sich unsere Gäste wohl fühlen. Für uns zählt auch der liebenswürdige Umgang miteinander“, sagt der selbständige Textil-Kaufmann, der erst kürzlich mit der Verdienstnadel des Tennisbezirks geehrt worden ist.

Und wie kam es zu dem Spitznamen? „In unserer Handballmannschaft gab es etliche Jürgens, und da hat man mich der besseren Unterscheidung wegen ‚Seppi’ genannt. Und dabei ist es bis heute geblieben.“