Schwebebahnpokal - ein Fechtturnier der besonderen Art

Fechten : Fechtturnier der besonderen Art

Mit seinem Schwebebahnpokal lockte der WFC wieder mehr als 200 Fechter an.

Zwei Tage lang beherrschte das Klirren von Degen und Florett die Geräuschkulisse beim 12. Wettbewerb um den Schwebebahnpokal, zu dem der Wuppertaler Fechtclub in die Uni-Halle eingeladen hatte. Sieger im traditionellen Mannschaftswettbewerb wurde erneut die TG Münster, die die begehrte Trophäe am späten Sonntagnachmittag in Empfang nehmen durfte.

Die Gastgeber, die sich einmal mehr durch vorzügliche Organisation auszeichneten, belegten den achten Platz unter insgesamt 58 teilnehmenden Klubs bei mehr als 200 Teilnehmern. Und das ist ein durchaus ansprechender Erfolg, wenn man berücksichtigt, dass die Wuppertaler lediglich in der Degendisziplin Fechterinnen und Fechter auf die Planche geschickt hatten.

Mammutprogramm für die Aktiven mit bis zu 26 Gefechten

So waren Cheftrainer Dennis Lieverkus und Jugendwartin Vanessa Morreale auch durchaus zufrieden mit dem Abschneiden ihrer jungen Aktiven, bei denen Maja von Prondzinski und Jonas Sackermann in ihren Klassen jeweils Erste wurden, Dominik Eitner den zweiten Platz belegte, und Carina Dick, Jonas Weber und Karl Harenga, dekoriert mit einer Bronzemedaille mit Schwebebahnprägung um den Hals, vom Siegerpodest stiegen.

„Das Niveau war insgesamt sehr gut, und unsere Sportlerinnen und Sportler haben meine Erwartungen sogar übertroffen. Auch die, die bisher noch keine Turniererfahrung hatten, haben mich überzeugt “, so Lieverkus, der als Sportwissenschaftler am Lehrstuhl für Sportmedizin an der Bergischen Uni tätig ist.

Die Turnieranforderungen für die Aktiven waren nicht von Pappe: „26 Gefechte muss man an einem Tag bestreiten“, so Maja von Prondzinski, die wie ihre Mannschaftskameradinnen und –kameraden mindestens zweimal pro Woche jeweils zwei bis drei Stunden trainiert. Fünf Treffer müssen pro Gefecht platziert werden, wobei „Wischer“ nicht zählen, sondern die Degenspitze mit einem Druck von 750 Gramm auf die gegnerische vorgeschriebene Fläche treffen muss, ehe die elektronische Anzeige reagiert. Helm, stichfeste Brokatweste und Ganzkörperausrüstung machen den höchste Konzentration erfordernden, Jahrhunderte alten Sport zu einer schweißtreibenden Angelegenheit. „Jetzt gehe ich erst mal duschen“, freute sich Maja, ebenso wie auch die Anderen, wenn sie nach getaner Arbeit den Helm abnehmen, die kompakte Weste lösen und den Degen ablegen konnten.

20 Planchen auf- und abbauen: Helfer leisten Schwerstarbeit

20 Planchen hatte das WFC-Organisationsteam auf der Spielfläche ausgerollt, wobei die vom Verband in Leverkusen abgeholten Metallbahnen 80 bis 90 Kilo pro Stück wiegen und die vom Ausrüster Leon Paul zur Verfügung gestellten Textil-Planen mit rund 20 Kilo zu Buche schlagen. „Da kann man immer froh sein, wenn es genügend fleißige Hände gibt“, so der WFC-Vorsitzende Reinhard Grönitz, der sich natürlich freute, dass nicht nur am Samstagmorgen alles pünktlich ausgerollt war und die Elektroanschlüsse funktionierten, sondern auch am Sonntagabend die Uni-Halle wieder „besenrein“ verlassen werden konnte. „Deshalb ein Riesenlob für unser Team“, zeigte sich Trainer Dennis Lieverkus von der Arbeit des tüchtigen Helfer-Teams begeistert.

Fechten gehört - neben Schach vielleicht– wohl zu den ganz wenigen Sportarten, bei denen sich Rollstuhlfahrer und nicht behinderte Aktive im direkten Vergleich messen können. So sah man einen „Stammgast“ beim Schwebebahnpokal im Rollstuhl, der reihenweise Gefechte bestritt gegen Gegnerinnen und Gegner, die im am Boden fixierten Rollstuhl gegenüber Platz nahmen, sich zusätzlich mit einer stichfesten Schürze ausrüsteten und mit dem behinderten Kameraden temperamentvoll die Klingen kreuzten. Dass der „Rolly“ (sein Name sollte auf eigenen Wunsch nicht erwähnt werden), der diese Art des Fechtens natürlich besser beherrscht als sein Widerpart, meist die Oberhand behielt, macht den zusätzlichen Reiz dieses Sportes aus.

Mehr von Westdeutsche Zeitung