Rollhockey: Vorfreude auf heißen Herbst

Rollhockey: Vorfreude auf heißen Herbst

Bei der EM (5. bis 11. September) in der Uni-Halle baut das Nationalteam auf den Heimvorteil.

Wuppertal. Deutschland gegen England - so heißt das Eröffnungsspiel der 49. Rollhockey-Europameisterschaft am Sonntag, 5. September, um 20 Uhr in der Uni-Halle. Eine Partie, in der die beiden Schiedsrichter und ein weiterer Offizieller des Europäischen Verbandes in strittigen Szenen noch ohne technische Hilfsmittel wie die Torkamera oder den Chip im Ball auskommen müssen.

"Das wird sich spätestens dann ändern, wenn einmal einer der großen Verbände aufgrund einer Fehlentscheidung ein wichtiges Spiel oder einen Titel verloren hat", sagt Harro Strucksberg, Präsident des Deutschen Roll- und Inline-Verbandes (DRIV).

Die "Großen", das sind im Rollhockey traditionell die Südeuropäer, wobei die Profis aus Spanien, Portugal und Italien bei Europameisterschaften bisher zumeist die Medaillen unter sich aufgeteilt haben.

Doch in Wuppertal will Nationaltrainer Sven Steup mit einer seit Monaten gezielt auf die EM vorbereiteten deutschen Mannschaft zumindest die zuletzt etwas schwächelnden Italiener angreifen. Und dabei sollen eine Reihe von Spielern des amtierenden deutschen Meisters RSC Cronenberg eine wichtige Rolle spielen.

Im vorläufigen Kader stehen mit Jens Behrendt, Marco Bernadowitz, Thomas Haupt, Benjamin Nusch, Sebastian Wilk und Mark Wochnik gleich sechs Spieler des RSC Cronenberg, der in Zusammenarbeit mit dem Wuppertaler Sport- und Bäderamt wieder für die Organisation der inzwischen schon fünften internationalen Titelkämpfe im Rollsport (Europameisterschaften und Weltmeisterschaften) in Wuppertal verantwortlich zeichnet.

Der RSC-Vorsitzende Peter Stroucken hofft in seiner Funktion als Präsident des Organisationskomitees auf 10 000 bis 15 000 Zuschauer im Verlauf der Turnierwoche. "Entscheidend wird das Abschneiden der deutschen und der portugiesischen Mannschaft sein, die mit der größten Fanunterstützung rechnen dürfen", sagt Peter Stroucken, der den Einsatz von rund 100 ehrenamtlichen Helfern lenken wird.

Gespielt wird in der Vorrunde in zwei Vierergruppen. In der Vorrundengruppe A peilt die deutsche Mannschaft hinter Portugal den zweiten Tabellenplatz an, um in den K.o-Spielen ab dem Viertelfinale möglichst lange den Spaniern aus dem Weg zu gehen. Im Teilnehmerfeld fehlt das Team der Niederlande. Nicht aus sportlichen Gründen, sondern weil dem Verband finanziell die Luft ausgegangen ist.

Auf Rosen ist auch der deutsche Rollsport-Verband nicht gebettet, da man als nichtolympische Sportart nur spärlich vom Bund gefördert wird. Bei einem Gesamtetat von 75 000 Euro hält sich das wirtschaftliche Risiko bei der Ausrichtung der Europameisterschaft für die Organisatoren vor Ort aber in einem überschaubaren Rahmen.

Und sollte die deutsche Mannschaft mit einem toll herausgespielten Sieg - mit oder ohne Wembley-Tor - gegen England ins Turnier starten, dann spricht nach dem Fußball-, Handball- und Eishockey-Fest hierzulande rein gar nichts gegen ein Rollhockey-Herbstmärchen.

Der jungen (Durchschnittsalter 25 Jahre), talentierten deutschen Mannschaft ist der Überraschungscoup in einer der rasantesten Hallensportarten jedenfalls zuzutrauen.

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