Reitsport: Reiter in der Gelpe wollen umsatteln

Reitsport : Reiter in der Gelpe wollen umsatteln

Der alte Vorstand ist zurückgetreten, der neue setzt auf einen Investor, um den Sanierungsstau beheben zu können.

Gerade ist mit dem Sommerturnier des RC Steinberg eine der zuletzt obligatorischen zwei großen Wuppertaler Reitveranstaltungen im Jahr sehr erfolgreich zu Ende gegangen. Eine zweite - das Herbstturnier - wird es 2019 voraussichtlich aber nicht geben, denn bei Wuppertals anderem großen Reitverein, dem Wuppertaler Reit- und Fahrverein Gelpe, ist man mit einem umwälzenden Projekt vollauf beschäftigt. Bisher hat der Verein seine großflächige Anlage im schön gelegenen Gelpetal noch selbst betrieben – ist damit einer der wenigen Vereine in Deutschland, die das noch tun - doch nun könnte ein Investor den Betrieb, der in die Jahre gekommen ist, übernehmen und sanieren. Das zumindest ist die Hoffnung.

Pläne dazu hatte es bereits im vergangenen Jahr gegeben. Die Ausgangslage schien gut, denn die Anlage, auf der der Verein Pächter der Vorwerkschen Grundstücksverwaltung ist, ist dringend sanierungsbedürftig. Die Frau des Investors, die Mitglied im Verein ist, hatte betont, man wolle einen modernen Reitbetrieb daraus machen, dem Verein auf der Anlage aber gleichzeitig eine Bestandsgarantie geben. Doch das war dem alten Vorstand um Marion Cornelius nicht genug. Vor einer so weitreichenden Vereinbarung forderte er Sicherheiten, versprach alternativ einen eigenen Sanierungsplan auszuarbeiten. Darüber zog der Investor, der sich großer Sympathien im Verein sicher sein konnte, sein Angebot zwischenzeitlich zurück. Die Vorwerksche Grundstücksverwaltung wiederum forderte Gutachten zum Sicherheits- und Umweltstandard der Anlage.

Doch nun ist erneut eine neue Lage entstanden. Für die Mitgliederversammlung vor einer guten Woche hatte der alte Vorstand eine Abstimmung vorbereitet, in der die Mitglieder darüber bestimmen sollten, ob man den noch bis 2028 gültigen Pachtvertrag mit der Vorwerkschen Grundstücksverwaltung kündigen und damit den Weg für Verhandlungen mit dem Investor freimachen wolle. Gleichzeitig erklärte der fünfköpfige Vorstand komplett seinen Rücktritt. Nachfolger als Vorsitzender ist der ehemalige Vorsitzende Rainer Schmitt-Sasse. Er hatte bereits im Vorfeld betont, dass er in der Investorenlösung die einzige Möglichkeit sehe, den Verein auf der Anlage in die Zukunft zu führen. Ein Verein könne die gewaltige Aufgabe, einen solchen Betrieb ehrenamtlich zu verwalten, zumal angesichts des Sanierungsstaus und fehlender Rücklagen, nicht mehr bewerkstelligen.

„Für uns war immer klar, dass die Mitglieder über die Zukunft des Vereins entscheiden sollten, aber wir wollten dafür sorgen, dass das auf der Grundlage ausreichender Fakten geschieht“, sagte Marion Cornelius. Auch aufgrund der eindeutigen Tendenz, die man im Verein gespürt habe, habe sich der alte Vorstand nun aber ohne Groll zum Rücktritt entschieden.

Die Abstimmung bei der Mitgliederversammlung auf der 107 stimmberechtigte Mitglieder des mit insgesamt 265 Mitglieder größten Wuppertaler Reitvereins teilnahmen, fiel dann auch eindeutig aus. „Es gab sogar eine Zwei-Drittel-Mehrheit dafür, die Verhandlungen mit dem Investor voranzutreiben“, berichtet Rainer Schmitt-Sasse erfreut.

Drei Vereinbarungen sind
unter einen Hut zu bringen

Doch damit sei erst ein Anfang gemacht. Und die Zeit drängt, erste Einstaller sollen aufgrund der aktuell schwierigen Verhältnisse die Anlage bereits verlassen zu haben. Nun, so Schmitt-Sasse, gelte es, parallel drei Verträge vorzubereiten: Den Kaufvertrag mit dem Investor, den Auflösungspachtvertrag und die Vereinbarung, dass der Verein auch künftig seinen Sitz auf der Anlage haben und dort Turniere ausrichten dürfte. Schmitt-Sasse: „Alles drei geht nur zusammen.“ Auch die Frage der Baugenehmigungen für Ausbaupläne des Investors in dem landschaftsschutzmäßig sensiblen Bereich sei nun schnell zu klären, damit es noch in diesem Jahr vorangehen könne. Schmitt-Sasse: „Unser Ziel ist, künftig sogar wieder mehr Turniere hier ausrichten zu können, darauf könnten wir uns viel stärker konzentrieren, wenn wir den Betrieb abgeben.“