Rechtsaußen zeigt keine Anlaufschwierigkeiten

Handball : Talent Fraatz besteht die Feuertaufe

Handball: Beim Sieg in Wetzlar vertrat der 19-Jährige BHC-Rechtsaußen die Stammkraft Arnor Gunnarsson glänzend.

Nicht nur den eigenen Startrekord von jetzt 12:4-Punkten hatten die Handballer des Bergischen HC am Donnerstag durch ihren 27:25-Erfolg bei der HSG Wetzlar ausgebaut. Im TV-Sender Sky wurden sie als bester Aufsteiger jemals zum jetzigen Zeitpunkt tituliert. Die Löwen sorgen also weiter deutschlandweit für Beachtung.

Ein Junglöwe hatte sich dabei erstmals ins Blickfeld gespielt. Der 19 Jahre alte Yannick Fraatz erhielt durch die Erkältung von Stammrechtsaußen Arnor Gunnarsson die Gelegenheit, sich auf dieser Position zu bewähren und ergriff diese beim Schopfe. „Sieben Treffer bei sieben Versuchen, gut gedeckt - stark“, lautet das sachliche Lob von Trainer Sebastian Hinze für den jungen Mann. Den Sohn von Ex-Nationalspieler Jochen Fraatz hatte der BHC vor der Saison als Ersatz für Gunnarsson und Perspektivspieler von Zweitligist Nordhorn geholt.

Bisher hatte er in der Liga fast ausschließlich auf der Bank, teilweise sogar auf der Tribüne gesessen, schüttelte aber den Respekt relativ schnell ab, nachdem ihm Hinze noch am Spieltag eröffnet hatte, das er ihn einsetzen werde. „Anfangs war ich sehr aufgeregt, doch ich glaube, ich habe das Vertrauen des Trainers zurückgezahlt“, sagte Fraatz nachher bescheiden. Dass Arnor Gunnarsson die klare Nummer eins auf seiner Position sei, habe man ihm bei der Verpflichtung deutlich gesagt. „Da gilt es eben, im Training fleißig zu sein und auf seine Gelegenheit zu warten, wenn man mal ran darf. Und ich glaube, die habe ich ganz gut genutzt“, so Fraatz.

Die erste Gelegenheit, ein Ausrufezeichen zu setzen, kam nach 20 Minuten, als Fraatz einen Wetzlarer Pass voraussah, den Ball abfing und zielgenau Linksaußen Jeffrey Boomhouwer auf die Reise schickte. Der Niederländer war im ersten Durchgang für drei der am Ende 13 Gegenstoßtore des BHC verantwortlich, während Fraatz mit gestiegenem Selbstbewusstsein in Halbzeit zwei diese Rolle übernahm.

Ein extrem wichtiger Aspekt für den BHC, denn im Positionsangriff klappte es nicht so gut. Da machte sich das Fehlen von Spielern wie Daniel Fontaine und Fabian Gutbrod auf Halblinks bemerkbar. Als dann Ballverluste in der Offensive dazukamen, kippte die Partie trotz Sechs-Tore-Führung binnen zwölf Minuten, und am Ende war es eine reine Willensleistung, dass der BHC noch einmal die Kurve kriegte.

Da übernahm Tomas Babak die Verantwortung, machte drei ganz wichtige Tore. „Bis dahin war es kein gutes Spiel von mir“, sagte der Regisseur. Doch als dann der erste Ball saß, habe er es immer wieder versucht. Wichtig sei gewesen, dass Wetzlar nicht mit zwei Toren in Führung gegangen sei.

Auch dank einiger guter Paraden von Bastian Rutschmann im Tor, der in der Schlussphase für den guten Rudeck gebracht wurde. „Ich bin jetzt 17 Jahre Profi und hatte hier noch nie gewonnen“, vermeldete Rutschmann später eine Einmaligkeit. Ein Lob fand er auch für Youngster Fraatz. „Er hat gut gedeckt, nur bei einem Einläufer von außen mal nicht aufgepasst“, sagt Rutschmann.

Die sieben Tore bei sieben Versuchen ordnete der Youngster selbst realistisch ein. „Es waren alles freie Würfe, das hat es einfacher gemacht“, sagte Fraatz. Aber auch die müsse man erst einmal machen. Der BHC weiß jedenfalls, dass er sich hinter Gunnarsson auf Fraatz verlassen kann.

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