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Paralympics: Medaillenhoffnung für London

Paralympics: Medaillenhoffnung für London

Mit der querschnittsgelähmten Schwimmerin Tanja Gröpper hat die VSG Wuppertal einen Neuzugang, der aussichtsreich bei den Paralympics startet.

Wuppertal. Die junge Dame, die mit dem Rollstuhl an den Beckenrand rollt und anschließend nur mit Armkraft Bahn um Bahn zieht, gehört in der Schwimmoper und im Schwimmleistungszentrum inzwischen zum gewohnten Bild.

Dass hier eine Schwimmerin für die Paralympics — die Olympischen Spiele der Behinderten in London — trainiert und dort Medaillenchancen besitzt, ist aber kaum bekannt. Obwohl Tanja Gröpper (36), die seit einem Unfall vor acht Jahren querschnittsgelähmt ist, erst seit vier Jahren leistungsmäßig schwimmt, ist sie schon in die Weltspitze vorgestoßen. Zwei Mal Bronze bei der EM 2009, WM-Vierte 2010, EM-Zweite 2011 lauten nur einige Erfolge.

Seit September 2011 ist die Düsseldorferin Mitglied der VSG Wuppertal. Zuvor schwamm sie für Bayer Leverkusen. Landestrainer Horst Danzeglocke lotste sie nach Wuppertal. Danzeglocke, in den 70ern und 80ern erfolgreicher Schwimmer der Wasserfreunde, später dort auch Trainer, kümmert sich seit sieben Jahren um die NRW-Leistungsschwimmer im Behindertensportverband.

Mit dem 59-Jährigen und der ehrgeizigen Schwimmerin scheinen sich zwei gesucht und gefunden zu haben. „Sie ist sehr talentiert“, sagt Danzeglocke. „Ich kann manchmal eine Zicke sein, das hält der Trainer aber gut aus“, sagt Gröpper, die ihre Ziele mit aller Konsequenz ansteuert.

Als eine von wenigen behinderten Leistungssportlern bisher konnte die Hotelfachfrau und Ex-Stewardess eine „duale Karriere“ beginnen. Seit einem Jahr ist sie Mitarbeiterin beim Statistischen Bundesamt, Zweigstelle Bonn, wird täglich drei Stunden für ihren Sport freigestellt. „Sechs Jahre lang war ich vergeblich auf der Suche nach einem adäquaten Job, Behinderte haben es in unserer Gesellschaft immer noch sehr schwer“, sagt sie und nimmt für die Paralympics gerne Mühen auf sich: In der Woche Aufstehen um 4.45 Uhr. Fahrt ins Büro, am Nachmittag zum Training nach Wuppertal, zum Landesleistungsstützpunkt Köln oder nach Düsseldorf, wo sie auch noch dem DSC 1898 angehört.

Die Olympia-Normen hat die Kurzstreckenspezialistin schon geknackt, und zwar über 400 m, 100 m und 50 m Freistil. Auch wenn das London-Team erst nach den offenen Deutschen Meisterschaften am Wochenende nominiert wird, gehört sie zu den sicheren Kandidatinnen. „Die Schwimmwettkämpfe sind mit 17 500 Zuschauern bereits ausverkauft, mein Mann hat gerade noch Glück gehabt, zwei Karten zu ergattern“, strahlt sie und ist gespannt auf die neue Erfahrung. Weil sie noch nie vor so vielen Menschen geschwommen ist, tut sie sich zum Auftakt am 29. August die 400 m an.

„Ich will einfach reinkommen, mich an die Verhältnisse gewöhnen“, sagt sie und hofft, dass dann der vierte Tag ihr großer werden wird. Mit 36,30 Sekunden über 50 m Freistil ist sie Zweite der Weltrangliste in der Klasse sechs, in der Querschnittsgelähmte, halbseitig Gelähmte und Kleinwüchsige schwimmen. „Keine glückliche Einteilung“, sagt Gröpper, die für sich Nachteile bei der Rollwende sieht, da sie sich mit den Beinen nicht abdrücken kann. Doch damit hat sie gelernt zu leben. Die frühere Fülle unterschiedlicher „Schadensklassen“ sei auch nicht optimal gewesen. Nur eines ärgert sie schon jetzt: „Die Behindertensportler werden nach den Paralympics wohl wieder aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwinden.“